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KI fahndet in Sachsen nach Fehlern in neuen Chips

Präsident Antonio Zaffarami von Elea S.P.A. und Prof. Harald Kuhn vom Fraunhofer-Institut Enas besiegeln die Kooperation im Chiptestzentrum TRC in Chemnitz. Foto: Eles
Präsident Antonio Zaffarami von Eles und Prof. Harald Kuhn vom Fraunhofer-Institut Enas besiegeln per Handschlag die Kooperation im Chiptestzentrum TRC in Chemnitz. Foto: Eles

Chemnitzer Testzentrum TRC kooperiert mit Eles Italien

Chemnitz/Todi, 16. Januar 2025. Künstliche Intelligenz (KI) soll künftig helfen, kleine Fehler selbst in großen Computerchip-Serien zu entdecken. Die KI-gestützten Testverfahren dafür wollen Fraunhofer-Nanoelektroniker sowie Ingenieure des mittelitalienischen Technologieunternehmens „Eles“ aus Todi gemeinsam im neuen Chemnitzer Chiptestzentrum, im „Test and Reliability Center“ (TRC) entwickeln. Das hat das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (Enas) in Chemnitz mitgeteilt.

Künstliche Intelligenz kann Muster in großen Test-Datenfluten entdecken

„Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird es zukünftig ermöglichen, in großen Mengen an Testdaten Muster zu erkennen“, ist Enas-Leiter Prof. Harald Kuhn überzeugt. „Damit lassen sich Fehler und Fehlermechanismen von Halbleiterprodukten identifizieren und Vorhersagen zu möglichen Ausfällen treffen.“ Eles-Chefin Francesca Zaffarami sieht große wirtschaftliche Potenziale in diesem Gemeinschaftsprojekt: „Unsere neuen Prüfmethoden zur Fehleranalyse und zum Ausschluss von Fehlerquellen durch kontinuierliches Lernen aus Testergebnissen, das sogenannte ,Learn from Failure’-Prinzip, werden es erlauben, Ausfallpotenziale nicht nur deutlich schneller und besser, sondern vor allem automatisiert und frühzeitig im Produktentwicklungs- und Designprozess zu erkennen“, erklärte sie. Durch Korrekturen an ihren Entwürfen könnten die Chipdesigner dann rechtzeitig solche Fehler ausbügeln, bevor die Schaltkreise in den Halbleiterfabriken in Großserie gehen.

Mit TRC will Sachsen Lücken in der Wertschöpfungskette schließen

Das TRC in Chemnitz ist ein ambitioniertes sächsisches Projekt, um Lücken in den hiesigen Mikroelektronik-Wertschöpfungsketten zu schließen und höherer Qualitäts-Standards in Europas Halbleiterindustrie zu ermöglichen. Denn bisher werden viele Chips, die in Dresden, Crolles oder anderen Standorten in Europa produziert und eigentlich auch für Abnehmer in Europa gedacht sind, zwischenzeitlich nach Asien geflogen. Dort werden sie durchgetestet und endmontiert, um dann nach Europa zurückzukehren – die Endkunden sind dann beispielsweise Automobilwerke in Deutschland oder Frankreich. Das ist aufwendig und wenig umweltschonend.

Blick ins Zuverlässigkeitslabor des Fraunhofer-Enas- in Chemnitz. Foto: Heiko Weckbrodt
Blick ins Zuverlässigkeitslabor des Fraunhofer-Enas in Chemnitz. Foto: Heiko Weckbrodt

9,5 Millionen Euro vom Freistaat

Daher hatte der Freistaat im Herbst 2024 rund 9,5 Millionen Euro Anschubfinanzierung für das TRC in Chemnitz bereitgestellt. Mit dem Geld sollen eigene strategische Testchip-Kapazitäten sowie die Vorlaufforschung dafür in Sachsen entstehen. Seither baut das Enas seine bisher eher kleinen Testchip-Labore zu einem Testzentrum aus und kooperiert dabei mit Schlüsselzulieferern wie „Eles“. Die Italiener installieren in Chemnitz unter anderem Systeme, die Chips künstlich altern lassen. Dadurch werden Fehler, die im Praxisbetrieb womöglich erst nach Jahren auftreten, bereits in der Prototypen-Phase erkennbar.

Auch Quantenelektronik und Photonik auf der Agenda

Im TRC wollen die Fraunhofer-Experten im Kundenauftrag unter anderem Prozessoren (CPUs), Speicherchips, anwendungsspezifische integrierte Schaltungen (ASICs), mikro-elektromechanische Systeme (Mems) und Sensoren „auf Herz und Nieren“ durchchecken. Mit neuen automatisierten Testmethoden für Leistungselektronik, Photonik und Quantenelektronik wollen die Sachsen auch international neue Maßstäbe setzen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Enas, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger