Quantensensoren für den Kampf gegen Krebs
Neurochirurgen sollen in der OP auch die letzte Tumorzelle finden
Dresden/Delft/Eybens, 17. Dezember 2024. Um Hirnkrebs und andere Nerven-Tumore künftig präziser und vollständiger in nur einer Operation zu beseitigen, entwickeln Mediziner und Forscher aus Sachsen, den Niederlanden und Frankreich nun gemeinsam mobile Quantensensoren. Diese Präzisions-Sensoren wollen sie dann in Fluoreszenz-Mikroskope einbauen, damit die Ärzte während einer OP ganz genau erkennen können, ob sie alle Krebszellen erwischt haben. Die EU fördert dieses „Poqus“-Entwicklungsprojekt mit knapp fünf Millionen Euro. Davon fließen 2,3 Millionen Euro nach Dresden. Dies hat das „Nationale Centrum für Tumorerkrankungen“ (NCT) Dresden mitgeteilt.
Forscher wollen Tumoroperationen „revolutionär verbessern“
„Der Einsatz dieser neuen Technologie kann sowohl unserer Forschung in der Bildgebung als auch der Forschung in der Neurochirurgie völlig neue Möglichkeiten eröffnen“, sind NCT-Bildgebungsexperte Prof. Oliver Bruns und Neurochirurg Prof. Tareq Juratli vom Uniklinikum Dresden überzeugt. „Die Integration von Quantensensoren in die Neurochirurgie verspricht, Tumor-Operationen durch hochpräzise Echtzeit-Bildgebung revolutionär zu verbessern.“ Juratli ergänzt: „Diese Technologie ermöglicht es, bösartige Zellen sicherer zu erkennen und gesundes Gewebe zu schonen, was direkte Vorteile für die Patientenversorgung bringt“.
Poqus-Konsortium will mobile Supraleit-Quantensensoren in Fluoreszenz-Mikroskope einbauen
Konkret wollen die Sachsen, Niederländer und Franzosen mehrere moderne Bildgebungsverfahren in Echtzeit kombinieren: Bei der „Fluoreszenz-Lebensdauer-Imaging-Mikroskopie“ lassen sich gesundes und krankes Gewebe durch angeheftete Moleküle unterscheiden, die für eine gewisse Zeit Strahlung aussenden, die sich mit speziellen Mikroskopen auswerten lässt. Noch sehr neu sind Supraleit-Nanodrähte, die bei sehr tiefen Temperaturen Strom widerstandsfrei leiten und durch Quanteneffekte sogar einzelne Lichtteilchen (Photonen) messen können. Diese SNSPD-Technik erforderte bisher allerdings sperrige Kühlsysteme. Die Poqus-Partner konstruieren daher nun kleinere Quantensensoren, die sich in die Fluoreszenz-Mikroskope einbauen und während der Eingriffe direkt im OP-Saal einsetzen lassen. Diese Systeme wollen sie dann praktisch erproben.
Für diese medizintechnische Innovation haben sich mehrere Partner zusammengetan: Auf sächsischer Seite sind dies Oliver Bruns, Tareq Juratli und Andriy Chmyrov vom NCT, vom Uniklinium und vom Dresdner Teil des „Deutschen Krebsforschungszentrums“ (DKFZ). Beteiligt sind außerdem das niederländische Quantentech-Unternehmen „Single Quantum“ aus Delft und der französische Kältetechnik-Berater „Absolut System“ aus Eybens.
Autor: hw
Quellen: NCT, Single Quantum, Absolut System, Wikipedia

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