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Chinas Weltmarkt-Anteil in Mikroelektronik wächst

Ein Wafer-Test im Globalfoundries-Werk Dresden, das schon heute als hochautomatisiert gilt. Der Chip-Auftrasgfertiger will diesen Automatisierungsgrad noch erhöhen. Foto: Globalfoundries
Foto: Globalfoundries

Europa tritt derweil auf der Stelle

Scottsdale/Santa Clara/Dresden, 28. Februar 2017. Während Europas Mikroelektronik auf der Stelle tritt, wächst das chinesische Gewicht in der globalen Halbleiter-Branche. Von allen Computerchips, die weltweit die Fabriken verlassen, produziert das Reich der Mitte inzwischen bereits jeden zehnten Chip – Tendenz: steigend. Dagegen sind die Europäer selbstgesteckten Ziel, ihren Weltmarktanteil in der Mikroelektronik von zehn auf 20 Prozent zu verdoppeln, weiter entfernt denn je: Nur noch 6,4 Prozent aller weltweit installierten Fertigungs-Kapazitäten für Halbleiter stehen auf europäischen Boden. Das geht aus einer Analyse des US-Marktforschungsunternehmens „IC Insights“ aus Scottsdale in Arizona hervor.

Trends in Chinas Halbleiter-Industrie: Mehr und besser

Dagegen ist Chinas Anteil innerhalb eines Jahres von 9,7 auf 10,8 Prozent gestiegen. Und schon jetzt ist absehbar, dass weitere Fabriken hinzukommen werden und zwar auch solche in höheren Technologie-Niveaus. So hat der US-Auftragsfertiger Globalfoundries (GF) bereits angekündigt, rund zehn Milliarden Dollar in eine neue Megafab im chinesischen Chengdu zu investieren. Die wird Chips auf 300 Millimeter großen Siliziumscheiben (Wafer) produzieren und auch in Struktur-Bereiche vorstoßen, die die Chinesen bisher technologisch nicht beherrscht haben.

Installierte Chip-Produktionskapazitäten weltweit nach Ländern und Regionen. Abb.: IC Insights
Installierte Chip-Produktionskapazitäten weltweit nach Ländern und Regionen. Abb.: IC Insights

„Die Fab wird ab 2018 zunächst Mainstream-Prozesstechnologien fertigen und dann den Schwerpunkt auf die Fertigung von GFs etablierter 22FDX -rozesstechnologie legen“, hieß es aus der GF-Konzernzentrale in Santa Clara.

Insofern zeichnet sich in der Mikroelektronik eine ähnliche Entwicklung ab wie in so vielen anderen Branchen: Wurden die Chinesen anfänglich wegen ihrer rückständigen Technologien und Produkte vom Westen belächelt, so holt das Reich der Mitte auch in der Halbleiter-Branche Jahr für Jahr immer mehr auf – nicht zuletzt dank angehäufter Kapitalreserven.

Taiwan ganz vorn

Die Halbleiter-Staaten Nr. 1 bleiben aber vorerst weiter drei andere asiatische Länder: Allein in Taiwan stehen 21,3 % aller weltweit installierten Chipproduktions-Kapazitäten – vor allem bedingt durch die Foundries TSMC und UMC. Südkorea kommt auf 20,9 %, vor allem durch Samsung und Hynix. Für Japan reicht es immer noch für Platz 3 mit 17,1 % Anteil. Nordamerika kommt nur noch auf 13,4%-

Methodischer Hinweis: Die Analytiker haben den Berechnungen jeweils den Standort der Fabriken zu grunde gelegt, nicht den Hauptsitz des Eigentümers. So wird das Globalfoundries-Werk Dresden beispielsweise zu Europa und nicht zu Nordamerika gerechnet. Und Kapazitäten in Fabriken mit 300- oder 150-mm-Wafern wurden auf 200-mm-Scheiben umgerechnet. Autor: Heiko Weckbrodt

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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