Schlag gegen Callcenter-Betrügerbande
LKA Sachsen koordiniert europaweite Aktion
Dresden, 3. Juni 2025. Bei einem Schlag gegen internationale Callcenter-Betrüger haben Ermittler unter sächsischer Leitung heute Morgen europaweit über 35 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht, mehrere Handys und Unterlagen beschlagnahmt und zwei Griechen sowie einen Türken festgenommen. Sie stehen unter dem Verdacht, Teil einer 170-köpfigen internationalen Bande zu sein. Dieses Netzwerk aus Callcentern und anderen Akteuren soll in den vergangenen zehn Jahren ihre Opfer – zumeist Senioren – durch diverse Betrugsmaschen und Schockanrufe um mindestens acht Millionen Euro geprellt haben. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dresden und des „Cybercrime Competence Centers“ im Landeskriminalamt Sachsen hervor.
Mutmaßliche Betrüger gaben sich als Polizisten oder Bankmitarbeiter aus
„Dabei sollen die Beschuldigten Anrufe mit vorgetäuschten Identitäten als Bankmitarbeiter oder Polizeibeamte, fingierte Inkassoschreiben, gefälschte Gerichtsbeschlüsse und Mahnungen, vermeintliche Glücksspiele sowie gezielte Geldwäscheaktivitäten eingesetzt und insbesondere ältere Menschen im In- und Ausland geschädigt haben“, schätzen die Ermittler ein.
Professionell betriebene Callcenter
Üblicherweise setzen solche Banden von professionell geführten Callcentern aus ihre Opfer mit Schock- oder anderen Überrumpelungs-Anrufen unter Druck. Dabei gaukeln die den oft bereits betagten Menschen vor, ein naher Verwandter sei in Not oder sei straffällig geworden und müsse nun durch eine Kaution freigekauft werden. In anderen Fällen stellen sie unverhoffte Lotteriegewinne oder Erbschaften in Aussicht, wenn die Opfer „kleine“ Gebühren dafür bezahlen – die sich in der Praxis dann zu erheblichen Zahlungen summieren. Meist ist es aber sehr schwierig, das ergaunerte Geld zurückzubekommen und die Täter dingfest zu machen, weil diese bevorzugt vom Ausland aus operieren und den Geldfluss über mehrere Zwischenschritte verschleiern.
Die heutige Durchsuchungsaktion ist Teil eines europaweiten Ermittlungsverfahrens „wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“, heißt es vom LKA Sachsen. Dabei durchsuchen Einsatzkräfte Häuser in von 39 Beschuldigten in Deutschland, Griechenland, Österreich, der Tschechischen und der Slowakischen Republik. „Die Einsatzkräfte werden durch Kolleginnen und Kollegen aus den jeweiligen Staaten unterstützt“, betont das Landeskriminalamt. „Die Koordinierung des Einsatzes in den fünf Staaten erfolgte mit Unterstützung von Eurojust, Europol und der Financial Intelligence Unit (FIU)“.
Autor: hw
Quellen: LKA Sachsen, Oiger-Archiv

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