Forschung, News

Videospiel-Technik hilft Regisseuren von morgen

Der "Cinector" soll künstlerische Techniken am Computer simulieren, die sonst nur mit professioneller Kameratechnik möglich sind. Foto: Cinector

Der „Cinector“ soll künstlerische Techniken am Computer simulieren, die sonst nur mit professioneller Kameratechnik möglich sind. Foto: Cinector

„Cinector“ aus Mittweida will Filmproduktionen für jedermann erschwinglich machen

Mittweida/Hannover, 4. März 2015: Um Animationsfilme mit cineastischem Anspruch zu produzieren, waren in der Vergangenheit meist Supercomputer und Experten-Crews erforderlich, die sich nur richtig große Filmstudios leisten konnten. Informatiker und Mediendesigner aus dem sächsischen Mittweida wollen diese Technologien nun auch für junge Kreative und kleine Studios in greif- und bezahlbare Nähe rücken: Zur „CeBit“ in Hannover stellt die Hochschul-Ausgründung „Cinector“ eine Software vor, die Technologien aus der Videospiel- und der Kinobranche kombiniert. Sie soll es ermöglichen, Animationsfilme rasch und zu vergleichsweise geringen Kosten zu produzieren.

Filme werden nach Baukastenprinzip vorbereitet

„Mit einem Pixar-Streifen werden die damit produzierten Filme zwar nicht unbedingt konkurrieren können, aber man kommt doch zu sehr stilvollen Ergebnissen“, schätzte Enrico Pisko vom „Cinector“-Gründungsteam auf Oiger-Anfrage ein. Dafür generiert das Programmpaket virtuelle Drehorte, die zuvor mit Entwurfsprogrammen wie „Maya“ oder „3ds Max“ konzipiert wurden. Aus Software-Bibliotheken kann sich der Regisseur dann Objekte herauspicken, um zum Beispiel eine Stadtlandschaft zu garnieren: virtuelle Bäume, Straßen, Autos und dergleichen mehr.

Auch Motion-Capturing à la Gollum möglich

Zudem unterstützt „Cinector“ über spezielle Schnittstellen „Motion Capturing“. Diese Technik wurde vor allem durch die Figur des „Gollum“ in „Herr der Ringe“ einem breiterem Publikum bekannt: Dabei tragen menschliche Schauspieler gepunktete Anzüge. Ihre Bewegungen, Gesten und Mimik werden von Computerkameras aufgezeichnet und auf die künstlichen Akteure im Film übertragen. Einsetzbar sind auch typische Videospielsteuerungen wie Gamepads, Computermaus und die „Kinect“-Bewegungssensorik, um die Objekte und Akteure im Raum zu dirigieren, Kamerfahrten zu starten, Schärfe- und Ausleuchtungseffekte zu ändern oder andere künstlerische Stilmittel zu verwenden. Um aus all diesen Bausteinen dann einen Film zu generieren, ihn zu „rendern“, setzen die Cinector-Macher eine „Grafik-Engine“ ein, wie man sie aus 3D-Videospielen kennt, um Spielabläufe in Echtzeit zu visualisieren.

Per Bewegungserfassung ("Motion Caputure") wird die Gestik der Schauspielerin auf die virtuelle Figur im Animationsfilm (rechts) übertragen. Abb.: Cinector

Per Bewegungserfassung („Motion Caputure“) wird die Gestik der Schauspielerin auf die virtuelle Figur im Animationsfilm (rechts) übertragen. Abb.: Cinector

Konzept an Hochschule Mittweida entwickelt

Das „Cinector“-Konzept wurde an der Hochschule Mittweida entwickelt und im Jahr 2014 mit einem der Hauptpreise im sächsischen Innovationswettbewerb „futureSax“ ausgezeichnet. Bis Mitte 2016 soll es in eine offizielle Firmengründung münden. Zur Startmannschaft des neuen Unternehmen werden voraussichtlich sieben bis acht Leute aus der ursprünglichen Entwicklermannschaft gehören, kündigte Enrico Pisko an.

Ein Dutzend sächsische Startups präsentieren sich auf CeBit

„Cinector“ ist eines von einem Dutzend sächsischer Startups (Firmenneugründungen), die sich auf der CeBit (16. bis 20. März 2015) in Hannover einem breiteren Fachpublikum vorstellen wollen, wie Carla Andritzke von der Dresdner Industrie- und Handelskammer (IHK) ankündigte. Neben Cinector aus Mittweida möchte dort zum Beispiel die junge Dresdner Firma „Exelonix“ zeigen, wie sich Tablettcomputer als Alltagsassistenten für Senioren eignen. Auch recht ungewöhnliche Geschäftsideen werden vorgestellt, darunter ein internetbasierter „Konfigurator für orthopädische Schuheinlagen“ der jungen Leipziger Firma „pedConsult“, der Menschen mit Fußproblemen helfen soll, zu bequemer tragbarem Schuhwerk zu kommen.

Sachsen präsentiert sich auf der Messe als Software-Schmiede

Generell wird die sächsische CeBit-Präsenz in diesem Jahr wieder stark von Software-Schmieden dominiert. Laut Kammer-Angaben sind in der sächsischen Software-Branche rund 2700 Unternehmen tätig, die insgesamt etwa 20.000 Menschen beschäftigen und zusammen einen Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro repräsentieren. Schwerpunktthemen sind beispielsweise Computerprogramme für Geschäftsprozesse, die Auswertung großer Datenmengen („Big Data“) für die Automatisierung von Halbleiterfabriken, aber auch für cyberphysikalische Systeme („Industrie 4.0). Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Zwickauer zeigen auf CeBit Kinobrillen für Taube