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Nacktscanner helfen Kunstrestauratoren

Der Terahertzu-Scanner spürt verborgene Wandgemälde und Biozide in Kunstwerken auf. Abb.: Andrea Schmidt, HfBK

Der Terahertz-Scanner spürt verborgene Wandgemälde und Biozide in Kunstwerken auf. Abb.: Andrea Schmidt, HfBK

Dresdner Fraunhofer-Forscher mit neuer Generation mobiler Terahertz-Detektoren

Dresden, 21. November 2012: Die Restauratoren der 1970er Jahre meinten es nur gut: Sie besprühten antike Textilien und Holzskulpturen mit Schädlingsbekämpfungsmitteln, um sie vor der Zerstörung durch Insekten und Mikroorganismen zu schützen. Die Kehrseite dieses Verfahrens wurde erst später klar: Viele dieser Kunstwerke waren danach derart mit gesundheitsgefährdenden Bioziden verseucht, dass sie nicht mehr öffentlich in den Museen ausgestellt werden können. Aufspüren sollen solche Kontaminierungen nun eine neue Generation von mobilen Terahertz-Detektoren für Restauratoren, die am „Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik“ (IWS) in Dresden entwickelt wurden.

Detektor macht übermalte Bilder sichtbar

Diese neuen Detektoren können zum Beispiel auch einst übertünchte Wandbilder wieder sichtbar machen oder vom Künstler verworfene Alternativentwürfe eines Gemäldes zum Vorschein bringen. Möglich machen dies Terahertz-Strahlen (Wellenlänge zwischen 100 Mikrometern und einem Millimeter), die mittlerweile einer breiten Öffentlichkeit durch die umstrittenen „Nacktscanner“ an Flughäfen bekannt geworden sind. Diese Strahlen haben im Vergleich zum Beispiel zu Röntgen-Durchleuchtern einen großen Vorteil: Sie schädigen das analysierte Material oder Gewebe nicht und arbeiten mit geringen Strahlleistungen von nur einem Mikrowatt.

Übermaltes Wandgemälde von Gerhard Richter im Hygienemuseum analyisiert

Ausprobiert hatten die IWS-Forscher den Terahertz-Detektor erst jüngst im Deutschen Hygienemuseum in Dresden: Dort analysierten sie gemeinsam mit Kollegen der TU Dresden, der Hochschule für bildende Künste Dresden (HFBK) und anderen Institutionen ein einst übertünchtes Wandbild von Gerhard Richter. Das hatte der Künstler als Diplomarbeit seines HfBK-Studiums hinterlassen, kurz bevor er die DDR verließ. Daraufhin wurde es in den 60er Jahren kurzerhand übermalt.

Das einst wandgroße Bild befand sich im Foyer zur heutigen Abteilung „Kindermuseum“, es wurde bereits 1994 während der Generalsanierung des Hygiene-Museums entdeckt und danach provisorisch konserviert. Freigelegt oder restauriert werden soll es allerdings vorerst nicht – daran bestehe weder seitens des Museums noch seitens des Künstlers großes Interesse, sagte ein Museumssprecher. Dies mag am Motiv des Richterbildes liegen: Der Künstler frönte damals noch dem sozialistischem Realismus und entwarf auf seinem übermannsgroßem Wandbild ein sozialistisches Arbeiterparadies. Heiko Weckbrodt

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