Wegen Sachsen-Sparkurs: Ifo Dresden schließt

Institut muss nach 30 Jahren Wirtschaftsforschung für den Freistaat Mitte 2027 dichtmachen
Dresden, 27. März 2025. Nach über 30 Jahren Wirtschaftsforschung in und für Sachsen muss die Dresdner Niederlassung des Wirtschaftsforschungsinstituts „Ifo“ im Sommer 2027 schließen. Das hat das Mutterinstitut in München mitgeteilt. Grund ist der Sparkurs der sächsischen Regierung.

Fuest: „Leider nicht gelungen, eine tragbare Zukunftsperspektive für Ifo Dresden zu finden“
Die nämlich will die Zuschüsse für „Ifo Dresden“ so stark einkürzen, dass das bayrische Mutterinstitut in Zukunft die sächsische Tochter dauerhaft alimentieren müsste, dazu sieht sich Ifo München aber außerstande. „Trotz mehrerer, konstruktiv geführter Gespräche mit dem Geldgeber ist es leider nicht gelungen, eine tragbare Zukunftsperspektive für Ifo Dresden zu finden“, bedauert Ifo-Präsident Prof. Clemens Fuest.

„Sehr bitter“
„Für uns ist das sehr bitter“, kommentiert Prof. Joachim Ragnitz, der Vizechef von Ifo Dresden. „Wir haben in das Institut und unsere Forschungen hier viel Herzblut reingesteckt.“ Infolge der Schließung verliere einerseits die sächsische Regierung an ökonomischer Beratungs-Expertise, für die TU Dresden fallen Vorlesungen und Studentenpraktika weg, nicht zuletzt sei das Ifo-Aus auch ein Verlust für den Wissenschaftsstandort Sachsen, schätzt Ragnitz ein.
Schlusspunkt unter drei Jahrzehnte Wirtschaftsforschung
Das Ifo-Institut hatte seine Dresdner Niederlassung im Jahr 1993 gegründet. Seitdem hatte ein wechselndes Wissenschaftlerteam dort regelmäßig Wirtschaftsprognosen und Geschäftsklima-Umfragen für Sachsen und Ostdeutschland erstellt, ökonomische Analysen für die Staatsregierung angefertigt und Vorlesungen an der TU Dresden gehalten. Außerdem sind seither Hunderte wissenschaftliche Studien über die Wirtschaft, den Strukturwandel, ausgewählte Branchen, den demografischen Wandel und andere Entwicklungen in Sachsen und in Ostdeutschland zustande gekommen. Bundesweit und teils auch international stießen viele der Gutachten und Publikationen von Ifo Dresden auf große Resonanz. Diese Expertise verliert Sachsen durch die jüngsten Sparzwänge in absehbarer Zeit.
Macht Bayern künftig Prognosen für Sachsen?
Noch unklar ist, ob oder es ab Mitte 2027 in der einen oder anderen Form weiter geht. Wahrscheinlich wird aber das Mutterinstitut von München aus weiter Konjunkturprognosen und Geschäftsklima-Umfragen für Ostdeutschland erarbeiten. Ob es solche Sonderauswertungen dann auch weiter speziell für Sachsen gibt, bleibt vorerst ungewiss.
Forscher müssen Haus an der Einsteinstraße aufgeben
Absehbar sei, dass schon mit den reduzierten Zuschüssen für die nächsten zwei Jahre die derzeit 13-köpfige Belegschaft bereits reduziert und Forschungstätigkeit deutlich eingeschränkt wird, schätzt Ragnitz ein. Und womöglich muss das dann schon geschrumpfte Team bereits im kommenden Jahr die Mietvilla an der Einsteinstraße aufgeben und in ein kleines Übergangsdomizil umziehen, bevor das Institut ganz dicht macht. Das sei aber noch nicht entschieden, betont Niederlassungs-Vizechef.
Die jetzt noch im Ifo Dresden beschäftigten Forscher werden sich wahrscheinlich rasch anderweitig umschauen. Das Institut will in jedem Falle absichern, dass die jetzt betreuten Doktoranden ihre Promotionen abschließen können. Ifo-Dresden-Chef Marcel Thum hat eine finanzwissenschaftliche Professur an der TU und wird daher seine Forschungen in Dresden vermutlich fortsetzen. Ragnitz wiederum nähert sich ohnehin dem Ruhestand. Allerdings hofft auch er auf eine glücklichere Wendung für Ifo Dresden: „Es gibt weiter Gespräche mit der sächsischen Regierung.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Ifo München, Auskünfte Joachim Ragnitz, Ifo Dresden, Oiger-Archiv

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