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Alge auf dem Sprung aufs Land soll für Öko-Sonnencreme sorgen

Juniorprofessorin Karin Glaser mit einem algenbesetzten Stein an der Ostsee. Foto: Julia Tetzke für die TU Bergakademie Freiberg
Juniorprofessorin Karin Glaser mit einem algenbesetzten Stein an der Ostsee. Foto: Julia Tetzke für die TU Bergakademie Freiberg

Biologin Glaser aus Freiberg findet super-anpassungsfähige Vorfahrin heutiger Pflanzen

Freiberg, 10. Februar 2025. Die Freiberger Juniorprofessorin Karin Glaser hat eine Algenart entdeckt, die wohl eine Art Ur-Ahnin der heutigen Pflanzen an Land war. Wegen ihrer besonderen Fähigkeiten könnte die „Streptofilum arcticum“ künftig sogar für umweltfreundlichere Sonnencremes ohne Chemie sorgen. Das geht aus einer Mitteilung der Bergakademie Freiberg hervor.

„Streptofilum“ fühlt sich an Ostsee ebenso wohl wie in der Tundra und Arktis

Gefunden haben Glaser und ihre Kollegen aus einem internationalen Forscherteam dieses „lebende Fossil“, als sie Algen vom Ostseestrand und aus der Arktis im Labor miteinander verglichen haben. Laut Bergakademie ist „Streptofilum“ eng mit den ersten Landpflanzen verwandt – und zeige, „wie frühe Pflanzen es geschafft haben, aus dem aquatischen Milieu kommend das Land als Lebensraum zu erobern“.

An der Ostseeküste hat das Team die neue Algenart schon nachgewiesen. Foto: Julia Tetzke für die TU Bergakademie Freiberg
An der Ostseeküste hat das Team die neue Algenart schon nachgewiesen. Foto: Julia Tetzke für die TU Bergakademie Freiberg

Flexible Zellwand half beim „Landgang“

„Diese Algen haben potenziell eine besonders flexible Zellwand, welche sich in ihrer Feinstruktur deutlich von den Zellwänden anderer Grünalgen unterscheidet“, berichtet die Biologin. „Bei Wassermangel schrumpft die Zellwand. Steht wieder mehr Wasser zur Verfügung dehnt sich die Zellwand aus, so dass die Zelle das Wasser aufnehmen kann ohne dabei Schaden zu erleiden. Diese Funktion erklärt den evolutionären Übergang dieser Alge vom Wasser ans Land.“ Zudem überlebt diese Alge in den trockenen, kalten Böden der Arktis, kann aber nach Dürren schnell wieder aktiv werden. „Auch gegenüber Licht und Temperatur ist sie außergewöhnlich flexibel“, heißt es von der Bergakademie. „Sie wächst sowohl bei schwachem Licht als auch unter starker UV-Strahlung und zeigt eine Temperaturtoleranz zwischen fünf bis 40 Grad Celsius. Dadurch ist die Alge in der Lage, Klimaveränderungen zu tolerieren.“

Natürliche UV-Abwehr könnte Chemie-Lösungen ersetzen

Glasers Alge könnte demnächst neue biotechnologische Anwendungen eröffnen: Denkbar wären beispielsweise algenbasierte Bio-Sonnenschutzmittel zu entwickeln, die Korallen und Meere nicht belasten wie die heute üblichen Chemie-Produkte. „Algen dieser Arten produzieren sogenannte Mykosporin-ähnliche Aminosäuren, die sie gegen UV-Strahlen aus dem Sonnenlicht schützen“, erläutert die Juniorprofessorin. „Das Verständnis ihrer Funktionsweise ist eine wichtige Grundlage für mögliche Anwendungen in kosmetischen Produkten.“

Autor: Oiger

Quelle: TU Bergakademie Freiberg

Wissenschaftliche Publikation:

„New Strains of the Deep Branching Streptophyte Streptofilum: Phylogenetic Position, Cell Biological and Ecophysiological Traits, and Description of Streptofilum arcticum sp. Nov“ von Karin Glaser, Tatiana Mikhailyuk, Charlotte Permann, Andreas Holzinger und Ulf Karsten, in: „Environmental Microbology“, Januar 2025, Fundstelle im Netz: doi.org/10.1111/1462-2920.70033

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger