Alge auf dem Sprung aufs Land soll für Öko-Sonnencreme sorgen

Biologin Glaser aus Freiberg findet super-anpassungsfähige Vorfahrin heutiger Pflanzen
Freiberg, 10. Februar 2025. Die Freiberger Juniorprofessorin Karin Glaser hat eine Algenart entdeckt, die wohl eine Art Ur-Ahnin der heutigen Pflanzen an Land war. Wegen ihrer besonderen Fähigkeiten könnte die „Streptofilum arcticum“ künftig sogar für umweltfreundlichere Sonnencremes ohne Chemie sorgen. Das geht aus einer Mitteilung der Bergakademie Freiberg hervor.
„Streptofilum“ fühlt sich an Ostsee ebenso wohl wie in der Tundra und Arktis
Gefunden haben Glaser und ihre Kollegen aus einem internationalen Forscherteam dieses „lebende Fossil“, als sie Algen vom Ostseestrand und aus der Arktis im Labor miteinander verglichen haben. Laut Bergakademie ist „Streptofilum“ eng mit den ersten Landpflanzen verwandt – und zeige, „wie frühe Pflanzen es geschafft haben, aus dem aquatischen Milieu kommend das Land als Lebensraum zu erobern“.

Flexible Zellwand half beim „Landgang“
„Diese Algen haben potenziell eine besonders flexible Zellwand, welche sich in ihrer Feinstruktur deutlich von den Zellwänden anderer Grünalgen unterscheidet“, berichtet die Biologin. „Bei Wassermangel schrumpft die Zellwand. Steht wieder mehr Wasser zur Verfügung dehnt sich die Zellwand aus, so dass die Zelle das Wasser aufnehmen kann ohne dabei Schaden zu erleiden. Diese Funktion erklärt den evolutionären Übergang dieser Alge vom Wasser ans Land.“ Zudem überlebt diese Alge in den trockenen, kalten Böden der Arktis, kann aber nach Dürren schnell wieder aktiv werden. „Auch gegenüber Licht und Temperatur ist sie außergewöhnlich flexibel“, heißt es von der Bergakademie. „Sie wächst sowohl bei schwachem Licht als auch unter starker UV-Strahlung und zeigt eine Temperaturtoleranz zwischen fünf bis 40 Grad Celsius. Dadurch ist die Alge in der Lage, Klimaveränderungen zu tolerieren.“
Natürliche UV-Abwehr könnte Chemie-Lösungen ersetzen
Glasers Alge könnte demnächst neue biotechnologische Anwendungen eröffnen: Denkbar wären beispielsweise algenbasierte Bio-Sonnenschutzmittel zu entwickeln, die Korallen und Meere nicht belasten wie die heute üblichen Chemie-Produkte. „Algen dieser Arten produzieren sogenannte Mykosporin-ähnliche Aminosäuren, die sie gegen UV-Strahlen aus dem Sonnenlicht schützen“, erläutert die Juniorprofessorin. „Das Verständnis ihrer Funktionsweise ist eine wichtige Grundlage für mögliche Anwendungen in kosmetischen Produkten.“
Autor: Oiger
Quelle: TU Bergakademie Freiberg
Wissenschaftliche Publikation:
„New Strains of the Deep Branching Streptophyte Streptofilum: Phylogenetic Position, Cell Biological and Ecophysiological Traits, and Description of Streptofilum arcticum sp. Nov“ von Karin Glaser, Tatiana Mikhailyuk, Charlotte Permann, Andreas Holzinger und Ulf Karsten, in: „Environmental Microbology“, Januar 2025, Fundstelle im Netz: doi.org/10.1111/1462-2920.70033

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