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Graviola-Kleider sollen Entzündungen hemmen

Stachelannonen-Frucht am Graviola-Baum. Foto: Vojtěch Zavadil, Wikipedia, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Annona_muricata_Rio_Caura_Venezuela.jpg, Lizenz: Public Domain, https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de

Stachelannonen-Frucht am Graviola-Baum. Foto: Vojtěch Zavadil, Wikipedia, Lizenz: Public Domain

Textilinstitut Chemnitz: Klamotten mit Naturwirkstoffen liegen im Trend

Chemnitz, 6. Juli 2024. Ob Graviola-Kleider sich wirklich gesünder tragen als normale Textilien oder gar Entzündungen hemmen und Krebs vermeiden, wie manche annehmen, ist zwar umstritten. Recht klar zeichnet sich aber eines ab: Klamotten mit eingebetteten Naturwirkstoffen liegen im Trend. Das berichtet jedenfalls das „Sächsische Textilforschungsinstitut“ (STFI) aus Chemnitz. Die Sachsen haben daher gemeinsam mit brandenburgischen und tschechischen Kollegen nun erste Textilien mit integrierten Graviola-Wirkstoffen entwickelt. Denkbare Einsatzfelder sind Schönheitsmasken, T-Shirts oder Unterhemden für naturorientierte Menschen.

„Sehr großes Interesse an Textilien mit pflanzlichen Wirkstoffen“

„Abgeleitet aus den Megatrends Gesundheit, Wellness und Nachhaltigkeit besteht allgemein ein sehr großes Interesse an Textilien mit integrierten natürlichen, pflanzlichen Wirkstoffen“, schätzen die STFI-Forscher ein. Und dies gelte eben auch für die Stachelannone, auch Graviola oder Sauersack genannt: „Mit Inhaltsstoffen der Graviola ausgerüstete Textilien bieten aufgrund ihrer entzündungshemmenden und gesundheitsfördernden Wirkung einen dermatologisch breit gefächerten Einsatz im Wellness- und Gesundheitsbereich“, hoffen die Entwickler.

Vliese mit Acetogenin beschichtet und Mikrokapseln bestückt

Für ihre Experimente haben die beteiligten Forscherkollektive einerseits Vliese direkt mit dem Graviolawirkstoff „Acetogenin“ beschichtet. Andererseits haben sie Mikrokapseln mit dem Wirkstoff gefüllt und diese weniger als 100 Mikrometer kleinen „Container“ dann mit Bindemitteln im Gewebe verankert. Diese Kapseln sollen dann über längere Zeit hinweg den Wirkstoff in der Textilie freisetzen. Als Funktionsmuster haben die Entwickler probehalber Schönheitsmasken und für „therapeutische Bekleidung zur Hautbehandlung“ hergestellt. Die Textilien samt Mikrokapseln sind laut STFI so ausgelegt, dass sie sich weiterverarbeiten lassen, weitere Prozessschritte überstehen und sich auch waschen lassen.

Links: Graviola-Extrakt, Mitte: mit Graviola-Mikrokapseln versehene und mit dem Wirkstoff beschichtete Maske als Anwendungsbeispiel, Rechts: Mikrokapseln mit integrierten Graviola-Wirkstoffen. Fotos (3): STFI und  Fraunhofer-IAP

Links: Graviola-Extrakt, Mitte: mit Graviola-Mikrokapseln versehene und mit dem Wirkstoff beschichtete Maske als Anwendungsbeispiel, Rechts: Mikrokapseln mit integrierten Graviola-Wirkstoffen. Fotos (3): STFI und Fraunhofer-IAP

Graviolabaum liefert Früchte und Blätter für die tropische Küche

Hintergrund: Aus Früchten und Blättern des Graviolabaums bereiten Menschen in den Tropen unter anderem Erfrischungsgetränke, Süßigkeiten, Tees und Gemüsebeilagen zu. Der Wirkstoff „Acetogenin“ in den Stachelanonen gilt als gesundheitsfördernd. Einige Studien deuten darauf hin, dass Acetogenin im Kampf gegen Brustkrebs und das Denguefieber womöglich helfen kann. Anderseits kann der Graviola-Wirkstoff in zu hohen Dosierungen unter Umständen auch beim Menschen als Nervengift wirken.

Sachsen, Brandenburger und Tschechen kooperieren

Am Projekt „Graviola“ sind neben dem Chemnitzer Textilinstitut außerdem das „Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung“ (IAP) aus Potsdam, die tschechischen Forschungsstelle „Inotex“ aus Dvůr Kralove, das „Forschungskuratorium Textil“ aus Berlin und Clutex aus dem tschechischen Liberec beteiligt. Das STFI selbst entstand 1992 aus den Überresten von DDR-Textilforschungseinrichtungen in Chemnitz und Dresden. Heute hat das private Institut 170 Mitarbeiter, die rund 18 Millionen Euro Jahresumsatz mit industrienaher Forschung realisieren.

Autor: Oiger

Quellen: STFI, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt