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Ifo Dresden: Beschäftigungs-Zuwachs vor allem durch bereits bestehende Betriebe

Leichtbauroboter tragen im BMW-Werk Leipzig Kleber auf Scheiben auf. Künftig sollen noch mehr Industrieroboter eingesetzt werden. Foto: BMW

Einst lockte Sachsen BMW auch mit Fördergelder nach Leipzig – die gewachsene Autoindustrie war seither jahrelang ein Job-Motor fürs Land. Foto: BMW

Forscher plädieren für mehr staatliche Förderung für Bestands-Wirtschaft

Dresden, 14. Juni 2024. Wenn der Staat für mehr Jobs sorgen will, sollte er bereits existierende Betriebe stärker unterstützen als Neugründungen und Neuansiedlungen. Das schätzt der Dresdner Ifo-Wirtschaftsforscher Niels Gillmann ein.

„Gründungsförderung schafft eher Innovationen als Arbeitsplätze“

„Die Expansion existierender Betriebe staatlich zu unterstützen ist daher die bessere Möglichkeit, um mehr Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärt Gillmann. „Gründungsförderung ist zwar auch sinnvoll, schafft aber eher Innovationen als Arbeitsplätze.“

Der Forscher stützt sich dabei die Analyse „Arbeitsmarktdynamik im ländlichen und städtischen Raum“, die er nun gemeinsam mit seinem Kollegen Matteo Neufing in der Zeitschrift „Ifo Dresden berichtet“ veröffentlicht hat. Darin haben die beiden Wissenschaftler herausgearbeitet, dass „bestehende Betriebe Treiber für das Wachstum der Beschäftigung in Deutschland von 2000 bis 2016 gewesen“ sind.

Großstadt-Unternehmen produktiver und agiler

Ein weiterer Befund: In Großstädten entstehen leichter neue Arbeitsplätze als im ländlichen Raum – allerdings ist hier auch der Wechsel in der Belegschaft ungleich dynamischer. Die Forscher gehen nach ihrer Untersuchung davon aus, „dass die Betriebe in kreisfreien Großstädten auf veränderte Anforderungen schneller mit Personalanpassungen reagieren können.“ Dies lasse auch vermuten, dass sie produktiver sind. Ein Hintergrund: Auf dem Land seien die Betriebe oft kleiner als in den Großstädten. Diese eher kleinen Firmen würden in stärkerem Maße den Aufwand scheuen, neue Leute einzustellen oder alten zu kündigen. „Eine geeignete Gegenmaßnahme wäre, Bürokratie abzubauen, insbesondere in kleinen Betrieben, zum Beispiel den Kündigungsschutz zu lockern oder Regeln zur Arbeitszeit zu flexibilisieren.“

Hohe Subventionen für Neuansiedlungen immer wieder umstritten

Die Debatte um den Förderfokus staatlicher Wirtschaftspolitik war gerade in Sachsen und Sachsen-Anhalt zuletzt wieder am Beispiel der milliardenschweren Mikroelektronik-Subventionen für Intel in Magdeburg und TSMC in Dresden entbrannt. Die Kritik daran kommt sowohl aus Handwerk und anderen Kleinbetrieben, aber auch von Ökonomen. Sogibt es viele Mittelständler und Kleinunternehmer, die sich auch Zuschüsse von Bund und Land wünschen. Auch haben Wirtschaftsforscher wie IWH-Chef Reint Gropp ganz generell den Sinn, die Effizienz und Nachhaltigkeit solcher Milliardenausgaben in Frage gestellt. Befürworter wie der Verband „Silicon Saxony“ und eine Reihe auch „kleinerer“ Hightech-Firmen  verweisen hingegen auf die langfristigen Zugewinne an Wertschöpfung, Jobs, Steuereinnahmen und Technologietransfers durch solche Neuansiedlungen.

Autor: Oiger

Quelle: Ifo Dresden, IWH, Oiger-Archiv

Wissenschaftliche Publikation:

„Job-Turnover-Analyse: Arbeitsmarktdynamik im ländlichen und städtischen Raum“ von Niels Gillmann und Matteo Neufing, in: Heft 01/2024 der Zeitschrift „ifo Dresden berichtet“. Den Aufsatz gibt es hier im Netz gratis zum Herunterladen.

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt