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Bergakademie richtet Studium für Mars-Bergbau ein

Die Visualisierung zeigt die geplante Landung des Roboters "Curiosity" (Neugier) auf dem Mars. Abb.: NASA

Der Roboters „Curiosity“ (Neugier) war nur ein Vorbote – künftig sollen auch Menschen auf dem Mars landen und dort auch Bergbau betreiben. Abb.: NASA

Freiberger wollen Technologien lehren, wie sich Ressourcen jenseits der Erde unter extremen Bedingungen gewinnen lassen

Freiberg/Erdmond/Mars, 14. Juni 2024. Um die Besiedlung und den Ressourcen-Abbau auf Mond, Mars und im Weltall vorzubereiten, richtet die Bergakademie Freiberg einen neuen Bachelorstudiengang für „Space Resources – Weltraumtechnologien“ ein. Die ersten Studenten können sich nun dafür einschrieben, kündigte sächsische Uni an.

Wenig Schwerkraft, keine Atmosphäre, extreme Strahlung und steter Beschuss

Hintergrund: Bergbau auf der Erde ist zwar eine alte und ausgereifte Technologie, die auch schon seit Jahrhunderten in Freiberg gelehrt wird. Nun aber gelte es, auf der Erde gewonnene Kompetenzen auf andere, extremere Umweltbedingungen zu übertragen, erklärte Professor Carsten Drebenstedt, der den neuen Studiengang ins Leben gerufen hat. „Im Gegensatz zur Erde haben wir auf dem Mond zum Beispiel eine geringere Gravitation, keine Atmosphäre, eine extreme Sonnen- und kosmische Strahlung, einen ständigen Beschuss mit Mikrometeoriten, extreme Temperaturen. Sich diesen Umgebungsbedingungen zu stellen, erfordert jede Menge Kreativität, Erfindergeist, Fantasie und Innovationskraft.“

So etwa soll das Modul aussehen, mit der Astronauten künftig wieder auf dem Mond landen und von dort starten sollen. Künstlerische Visualisierung: SpaceX

So etwa soll das Modul aussehen, mit der Astronauten künftig wieder auf dem Mond landen und von dort starten sollen. Künstlerische Visualisierung: SpaceX

Überlebenstechnologien auch für die Heimat Erde

Daher werde die Uni nun spezialisiere Fachkräfte für den Bau und Betrieb von Habitaten* auf Himmelskörpern jenseits der Erde ausbilden. Wissensgewinn verspricht sich der Professor nicht nur für die Raumfahrt, sondern auch für ganz irdische Herausforderungen: „Wir sind gezwungen, Technologien mit einem hohen Grad an Autarkie, mit bedingungslosem Recycling, ohne Abfall und mit viel Robotik und Informationstechnologien zu entwickeln und anzuwenden“, betont Drebenstedt. Dies seien Themen, „die auch für die Zukunft des Planeten Erde bei wachsender Weltbevölkerung und zunehmendem Ressourcenbedarf von existenzieller Bedeutung sind“.

Die Sachsen wollen den neuen Studiengang an das „Artemis“-Programm der US-Raumfahrtbehörde „Nasa“ koppeln. Die US-Pläne zielen darauf, zunächst wieder Menschen auf den Mond zubringen, dort eine dauerhafte Siedlung einzurichten und von dort aus dann eine bemannte Reise zum Mars zu starten.

Tour durch die Ingenieur- und Naturwissenschaften

Laut Bergakademie dauert das Studium von „Space Resources – Weltraumtechnologien“ im Regelfall sieben Semester. „Das Grundstudium umfasst vor allem Ingenieurwissenschaften, die durch spezialisierte Module ergänzt werden (u.a. Einführung und Grundlagen der Space Resources, extraterrestrische Materie)“, heißt es von der Uni. Dazu kommen Lehrpläne aus den Astro-/Geo- und Geoingenieurwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Chemie und Materialwissenschaften, Robotik, Automation und KI, Recht, Wirtschaft und Ethik. „Die Vision ist, dass auf dem Mond künftig das Logo der TU Bergakademie Freiberg an Maschinen und Anlagen zu sehen ist, und dass Astronauten und Astronautinnen ihren Weg über unsere Universität genommen haben“, visioniert Carsten Drebenstedt.

Sachsens Raumfahrt-Branche noch klein, aber im Aufschwung

In Sachsen gibt es mittlerweile mehrere Ansätze, in Astrophysik, Raumfahrt und vor allem im „New Space“-Trend stärker mitzumischen. Dazu gehören neben dem Studium in Freiberg auch das entstehende Deutsche Großforschungszentrum für Astrophysik in der Lausitz, die Ionentriebwerk-Schmiede „Morpheus“ in Dresden, die Satelliten-Zulieferfabrik der Schweizer Technologiefirma „Beyond Gravity“ alias Ruag Space in Coswig, die Weltall-Simulationskammern des ILK Dresden und dergleichen mehr.

*Habitate sind Sphären, Gebäude oder andere abgeschirmte Konstruktionen, in denen Menschen unter sonst lebensfeindlichen Umweltbedingungen leben, wohnen und arbeiten können.

Autor: Oiger

Quelle: Bergakademie Freiberg, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt