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Sachsen bezuschusst seine Akku-Industrie mit 50 Millionen

Das Lithiummineral Zinnwaldit. Foto: Bergakademie Freiberg

Das Lithiummineral Zinnwaldit. Foto: Bergakademie Freiberg

Geld fließt in Lithium-Bergwerk und Fabrik für Silizium-Akkumaterialien

Dresden/Altenberg/Schwarze Pumpe, 4. Juni 2024. Um die Akku-Industrie in Sachsen anzukurbeln, pumpt der Freistaat demnächst 50 Millionen Euro in zwei Vorstufen-Projekte: den geplanten Lithium-Abbau der „Zinnwald Lithium GmbH“ im Ost-Erzgebirge und eine Fabrik für Silizium-Akkumaterialien, die die „Group14 Silane“ im Industriepark „Schwarze Pumpe“ errichten will.

Sehr leicht und kostengünstig sollen die neuen Massif-Akkuzellen aus Schwefel und Silizium werden. Foto: Fraunhofer-IWS

Fraunhofer Dresden experimentiert schon geraume Zeit mit Akkuzellen aus Schwefel und Silizium. Foto: Fraunhofer-IWS

Weitere Zuschüsse vom Bund erwartet

Noch mal reichlich doppelt so viele Subventionen wird voraussichtlich der Bund beisteuern. Insgesamt umfassen beide Projekte ein Investitionsvolumen von rund 800 Millionen Euro und sollen in Summe mindestens 550 neue Arbeitsplätze schaffen. Das geht aus einer Mitteilung des sächsischen Wirtschaftsministeriums (SMWA) hervor. Demnach teilen sich Bund und Land im Verhältnis 70 zu 30 in die avisierten Beihilfen. Möglich sind die Sonderzuschüsse durch das „Temporary Crisis and Transition Framework“ (TCTF), mit dem die EU den Aufbau von Industriezweigen fördern will, die für eine ökologische Transformation nötig sind. Dazu gehören zum Beispiel Fabriken für Wärmepumpen, Elektrolyseure – und eben auch Akkus.

Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsminister Martin Dulig. Foto: Heiko Weckbrodt

Minister: Wollen uns von chinesischen Batterierohstoffen unabhängiger machen

„Mit diesen Vorhaben werden zwei strategische Aspekte der europäischen Batteriewertschöpfungskette direkt aus Sachsen heraus adressiert: zum einen die Unabhängigkeit von chinesischen Batterierohstoffen, insbesondere Lithium und Graphit, zum anderen die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Batterien“, ist Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) überzeugt. „Sächsische Unternehmen werden so dazu beitragen, die Mobilität der Zukunft bezahlbarer, komfortabler und umweltfreundlicher zu machen.“

Aus Lithium allein - hier eine Probe im sächsischen Industriemuseum - lassen sich noch keine Hauptakkus für Elektroautos bauen. Dafür muss unter anderem das Metall zu Lithiumhydroxid raffiniert werden. Das soll ein Großkonverter in Guben übernehmen, den die Leag dann mit Ökostrom versorgen will. Foto: Heiko Weckbrodt

Lithium-Probe im sächsischen Industriemuseum. Foto: Heiko Weckbrodt

Zwei Pfade: Lithium und Silizium für Akkus

Dabei verfolgen beide Unternehmen zwei unterschiedliche technologische Pfade für elektrische Energiespeicher: Die „Zinnwald Lithium“ will ab etwa 2030 nahe Altenberg ein besonders großes, grenzüberschreitendes Lithium-Vorkommen im Erzgebirge abzubauen beginnen. Konkret soll das Bergwerk sogenanntes „Zinnwaldit“ fördern, dann an einer Raffinerie übergeben, die daraus „Lithiumhydroxid-Monohydrat“ (LiOH) aufbereitet – ein Grundstoff für die heute auf dem Markt dominierenden Lithium-Ionen-Akkumulatoren. „Ziel des Unternehmens ist es, pro Jahr Lithium für etwa 600.000 Autobatterien zu extrahieren und aufzubereiten“, berichtet das SMWA.

Mehr Energiedichte von Silizium-Elektroden erhofft

Die „Group14 Silane“ wiederum ist eine Tochter des US-Unternehmens „Group14 Technologies Inc.“, das sich auf Ausgangsstoffe für Akkus mit Silizium-Elektroden. Die können ebenfalls Lithium enthalten, allerdings nicht zwingend. Auf jeden Fall hoffen viele Ingenieure, damit bald eine Massenproduktion von Akkus hochzuziehen, die eine höhere Energiedichte als klassische Lithium-Ionen-Speicher haben.

Und die Silizium-Materialien dafür will eben „Group14 Silane“ in einer Fabrik in Sachsen herstellen. Die soll neben einer bereits bestehenden Monosilan-Produktionsanlage in „Schwarze Pumpe“ entstehen. Gleich in der Nachbarschaft wollen übrigens Altech und das Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS aus Dresden eine Fabrik für keramikbasierte „Cerenergy“-Festkörper-Akkus einrichten.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Altech-Fabrikkomplex für Elektroden-Materialien. Grafik: Altech

Die Visualisierung zeigt den geplanten Altech-Fabrikkomplex für Elektroden-Materialien. Grafik: Altech

Andere Akku-Projekte in Sachsen

Die sächsische Regierung sieht diese Projekte als Mosaiksteine in ihrer Strategie, im Freistaat auf mindestens zwei Technologiesektoren des TCTF-Programms zu punkten – neben einer eigenen Elektrolyseur-Industrie wollen die Sachsen auch eine wichtige Rolle in der Akku-Branche spielen. Dazu gehören unter anderem die Akku-Fabriken von Daimler in Kamenz, die Akku-Designer der Dresdner TU-Ausgründung „Scaba“, die Ultrakondensator-Fabrik von „Skeleton“ in Großröhrsdorf, die erwähnte Festkörper-Akku-Fabrik von Altech und Fraunhofer in Schwarze Pumpe, mittelbar in der Nachbarschaft auch die Elektrodenmaterial-Produktion von BASF im brandenburgischen Schwarzheide sowie die Akku-Forschungen von Fraunhofer in Dresden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, Fraunhofer-IWS, IKTS, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt