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Australische Carbon-Expertise soll Lausitz beim Kohleausstieg helfen

Prof. Dr. Lothar Kroll (r.) und Sebastian Nendel kontrollieren an der TU Chemnitz eine Spreizanlage für Kohlenstofffasern. Die Uni will ihre Carbon-Expertise in der Carbonlabfactory Lausitz ausbauen. Foto: Hendrik Schmidt für die TU Chemnitz

Prof. Dr. Lothar Kroll (r.) und Sebastian Nendel kontrollieren an der TU Chemnitz eine Spreizanlage für Kohlenstofffasern. Die Uni will ihre Carbon-Expertise in der Carbonlabfactory Lausitz ausbauen. Foto: Hendrik Schmidt für die TU Chemnitz

Millionenschwere Forschungszentrum sollen Region bei Transformation helfen

Chemnitz/Melbourne/Hoyerswerda/Boxberg, 22. Mai 2024. Carbonfaser-Forscher aus Sachsen, Brandenburg und Australien wollen künftig enger zusammenarbeiten, unter anderem bei Transformationsprojekten in der Lausitz. Das hat der sächsische Regionalminister Thomas Schmidt (CDU) zum Auftakt einer Australien-Delegationsreise mitgeteilt.

„Carbon Labfactory Sachsen“ in Boxberg soll 62,3 Millionen Euro kosten

Konkret sind engere Kooperationen zwischen den Teams um Professor Lothar Kroll von der TU Chemnitz, dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) Potsdam und der „Deakin University Victoria“ nahe Melbourne geplant. Im Fokus stehen dabei „nachhaltige Hochleistungsmaterialien und deren Verarbeitung zu Faser-Kunststoff-Verbundbauteilen für zahlreiche Anwendungen, beispielsweise in der Luftfahrt, dem Automobilbau oder der Sportgeräteindustrie“, heißt es aus dem Regionalministerium in Dresden. Die Australier bringen in die Kooperation die Expertise ihres Carbonforschungszentrums „Carbon Nexus“ ein. Sie sind unter anderem auf die Karbonisierung sogenannter „Precursoren“, die Einstellung von Carbonfaser-Eigenschaften und die Materialanalyse spezialisiert. Das gebündelte Fachwissen der australischen und sächsischen Forscher soll wiederum das geplante TUC-Forschungszentrum in der Lausitz stärken: Die 62,3 Millionen Euro teure „Carbon Labfactory Sachsen“ in Boxberg gilt als wichtiges Transformations-Projekt für die Zeit nach der Braunkohle.

Regionalminister Thomas Schmidt. Foto: Foto-Atelier-Klemm für das SMR

Regionalminister Thomas Schmidt. Foto: Foto-Atelier-Klemm für das SMR

Regionalminister: Sachsen wird führender Standort für ‚grüne‘ Carbonfasern

Thomas Schmidt hofft auf Ausstrahlungs-Effekte für die Lausitz: „Hier vernetzen sich führende Player auf Spitzenniveau, die nun ihre Expertisen und das umfangreiche Know-how im Bereich der Carbonfaser-Forschung gemeinsam weiterentwickeln werden“, meint der Regionalminister. „Die Carbon Labfactory Sachsen in Boxberg wird Sachsen zum führenden Standort für ‚grüne‘ Carbonfasern machen und damit bei der Schaffung zukunftsweisender und attraktiver Arbeitsplätze in der Region helfen. Denn aus dieser Zusammenarbeit wird wieder Neues entstehen.“

Australier planen Akku-Zellfabrik in Schwarze Pumpe

Und bei Kohlenstoff-Fasern soll es nicht bleiben: Während ihrer Australien-Tour besuchen die Sachsen auch den Akku-Hersteller „Altech Batteries“ in Perth an die australische Südwestküste. Denn Altech plant ebenfalls in der Lausitz – konkret im sächsischen Teil von „Schwarze Pumpe“ – eine Fertigungsanlage für Batteriezellen. Kooperationspartner für diese Millioneninvestition ist das „Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme“ (IKTS) aus Dresden.

Stellen künftig Drohnen Pakete auch in Städten und Dörfern autonom zu? Visualisierung: Dall-E

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Leuchtturmprojekt: „Smart Mobility Lab“ in Schwarzkollm

Weitere wichtige Vorhaben für den Kohleausstieg wachsen derweil im Raum Hoyerswerda: Als Leuchtturm gilt dort vor allem das „Smart Mobility Lab“ des Dresdner TU-Professors Günther Prokop. Dieses Labor soll in den nächsten Jahren für über 90 Millionen Euro in der Oberlausitz entstehen. Im Fokus stehen dort unter anderem zivile Transportdrohnen, autonome Fahrzeuge und andere Konzepte für die Mobilität von morgen, die unter anderem in einer neuartigen Versuchshalle erprobt werden sollen.

Drohnen und autonome Fahrzeuge im Fokus

„Hoyerswerda ist auf dem Weg zu einer deutschlandweit einzigartigen Forschungsinfrastruktur in Form eines Reallabors für die Mobilität der Zukunft“, meint Bürgermeister Mirko Pink (CDU). Das Mobilitäts-Forschungszentrum in Schwarzkollm bei Hoyerswerde werde ein neuer Forschungscampus der TU Dresden sein, der das sichere autonome Fahren und Fliegen entwickelt und erprobt. „Im Projekt Sivas werden dafür beginnend in diesem Jahr Verkehrsdaten gesammelt, aus denen später Fahraufgaben für automatisierte Fahrzeuge abgeleitet werden können, kündigte Pink an.

Hoywoy-Bürgermeister hofft auf Boom im Umfeld der neuen Forschungszentren

Wichtige Transformations-Projekte in der Lausitz sind vor allem auch das geplante Großforschungszentrum für Astrophysik in Görlitz sowie ein Forschungszentrum für neues Bauen in Bautzen – beide Projekte werden ebenfalls durch die TU Dresden in der Aufbauphase koordiniert. „Mit Forschungsprojekten wie dem Smart Mobility Lab, dem Zentrum Bauen und Wohnen sowie dem Deutschen Zentrum für Astrophysik werden in der Region neue Job-Perspektiven entstehen“, ist Bürgermeister Pink überzeugt. „In Nachbarschaft der Forschungszentren wird es zu Ausgründungen und Neuansiedlungen kommen.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMR, SMWA, Oiger-Archiv, Wikipedia

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt