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Freiberg liefert die ersten 15.000 Liter Synthie-Benzin

Besonders an der Zapfsäule (hier ein historisches Modell im Verkehrsmuseum Dresden) haben die Menschen die Teuerung gespürt. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Großversuchsanlage soll weg zur Massenproduktion von künstlichen Kraftstoffen ebnen

Freiberg, 18. Mai 2023. Um die Produktion von Synthese-Benzin wieder aus dem Pilotmaßstab in die Massenproduktion zu führen, hat ein Konsortium aus 30 Unternehmen und Instituten im sächsischen Freiberg eine Großversuchsanlage aufgebaut. Die soll im Endausbau bis zu 380.000 Liter künstlichen Kraftstoff aus Methanol herstellen. Die ersten 15.000 Liter sind nun erzeugt, hat das Konsortium „Demonstration einer kreislauforientierten Kohlenstoffwirtschaft im Verkehr entlang der Wertschöpfungskette“ (Decartrans) nun mitgeteilt. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) und der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) reisen kommenden Woche nach Freiberg, um beim Anzapfen dabei zu sein.

Diesmal soll Bio- und Elektro-Methanol statt Flüssigkohle die Massenproduktion ermöglichen

Letztlich zielt das Projekt darauf, dass Deutschland wieder in einem ähnlichen Umfang wie im Zweiten Weltkrieg erneut synthetische Kraftstoffe herstellt. Diesmal aber nicht aus verflüssigter Kohle oder dergleichen, sondern aus Methanol, der wiederum auf elektrischem Wege (also letztlich durch Elektrolyseure), auf Pflanzenbasis beziehungsweise durch aus Industrieabgasen gewonnen wurde. Dadurch kann dieser Sprit dann nämlich als „grün“ etikettiert werden. Und außerdem geht es diesmal nicht um Rüstung, sondern um eine umweltfreundlichere Alternative zu erdölbasiertem Benzin oder Diesel, insbesondere für Transportfahrzeuge.

Sächsische Anlage soll für mehr Wirkungsgrad und Qualität sorgen

„Da die Transformation des Verkehrssektors zu einer vollständig elektrifizierten Mobilität nur langsam voranschreitet, sinken dessen Treibhausgasemissionen ebenfalls nur sehr langsam“, argumentieren die Projektpartner. Daher sei es wichtig, auch Alternativtreibstoffe für Verbrenner-Vehikel in großen Mengen bereitzustellen. „Dem Einsatz flüssiger, erneuerbarer Kraftstoffe kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu.“ In dem Großversuch wollen die Partner einerseits den Wirkungsgrad bei der E-Benzin-Herstellung verbessern, zum Beispiel, indem sie Prozessabwärme besser ausnutzen, und die Qualität des synthetischen Kraftstoffs erhöhen.

Konsortialführer ist der Fahrzeugentwickler FEV aus Aachen. Aus Sachsen beteiligen sich die Bergakademie Freiberg und der Chemieanlagenbau Chemnitz.

Noch viel zu wenige E-Fuels – und sie sind noch zu teuer

An Synthese-Sprit und vor allem elektrisch erzeugten Kraftstoffen („eFuels“) arbeiten viele Unternehmen und Institute weltweit, darunter beispielsweise Siemens, Sunfire Dresden, VTT, Neste sowie – über ausländische Partner – auch deutsche Autohersteller wie Porsche. Über Pilot- und Kleinserien sind die Anlagen aber bisher kaum hinausgekommen. Für den Einsatz in Autos dürften auf absehbare Zeit kaum nennenswerte Mengen oder auch nur Tankstellen für E-Sprit zur Verfügung stehen. Für Laster, Flugzeuge und Schiffe könnten E-Diesel, E-Kerosin & Co. in den nächsten Jahren allerdings durchaus an Bedeutung gewinnen. Allerdings liegen die Literpreise beispielsweise für E-Diesel immer noch etwa dreimal so hoch wie für erdölbasierten Dieselkraftstoff. Aber auch hier müssten nicht nur die Preise, sondern auch die Mengen stimmen. Denn selbst die angepeilten 380.000 Liter in Freiberg sind für den Lastkraftverkehr in Deutschland kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein: Der nämlich braucht nicht nur ein paar Tausend, sind rund 18 Milliarden Liter Kraftstoff pro Jahr.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Bergakademie Freiberg, FEV, Oiger-Archiv, Destatis

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt