Monate: April 2023

Das Knochenzucker-Team (von links nach rechts): Prof. Maria Teresa Pisabarro, Dr. Gloria Ruiz Gómez, Dr. Juliane Salbach-Hirsch und Prof. Lorenz Hofbauer. Foto: Magdalena Gonciarz für die TUD

Mit Kunstzucker zu Stahlknochen

Dresdner Biotechnologinnen arbeiten an Selbstheilungs-Therapie für altersschwache Knochen Dresden, 30. April 2023. An einer Art künstlichen Zuckermolekülen, die altersschwache Knochen womöglich wieder härten und reparieren können, arbeiten derzeit Dresdner Biotechnologinnen und Mediziner gemeinsam mit Berliner Synthese-Experten. Bei Mäusen klappt das auch schon recht gut. Allerdings ist noch abzuklären, ob der Knochenhärtungszucker auch beim Menschen funktioniert. Das geht aus einer Mitteilung der TU Dresden hervor.

Sehr leicht und kostengünstig sollen die neuen Massif-Akkuzellen aus Schwefel und Silizium werden. Foto: Fraunhofer-IWS

Schwefel und Silizium sollen Akkus mehr Kraft geben

Fraunhofer Dresden arbeitet an Festkörperakkus für mehr Reichweite Elektrovehikeln Dresden, 29. April 2023. Sächsische Fraunhofer-Forscher versuchen weiter, Schwefel-Akkus doch noch zur Marktreife zu bringen. Dafür hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) nun gemeinsam mit weiteren Partnern das Projekt „Materialinnovationen für Schwefel-Silizium-Festkörperbatterien“ (Massif) gestartet. Es zielt auf Festkörper-Akkumulatoren, die Schwefel statt des kritischen Elements Kobalt als Kathoden-Material einsetzt und Silizium für die Anoden verwendet. Damit wollen die Massif-Forscher auf gewichtsorientierte Energiedichten um die 350 Wattstunden pro Kilogramm kommen – etwa doppelt soviel, wie die meisten Lithium-Ionen-Akkus heute hergeben. Das geht aus einer IWS-Mitteilung hervor.

Thomas Graichen, Daniel Froß und Marko Rößler von Pinpoint. Foto: TGFS

Blinde Smartphones lernen sehen – Millionen-Kapitalzuschuss für Pinpoint Chemnitz

Uni-Ausgründung will mit dem TGFS-Geld seine Innenraum-Navigation kommerzialisieren Chemnitz/Leipzig, 28. April 2023. Damit Paketboten, Sanis und Feuerwehrleute, aber auch private Nutzer auch in Gebäuden ohne „Satelliten-Sicht“ per Smartphone navigieren können, hat die Chemnitzer Uni-Ausgründung „Pinpoint“ ein Innenraum-Ortungssystem entwickelt, das auf Ultraweitband-Funk (UWB) basiert. Selbst wenn kein GPS-Empfang im Haus möglich ist, können die Nutzer damit bis auf zehn Zentimeter genau ihre Position bestimmen – ohne diese Information irgendwelchen Datenkraken preisgeben zu müssen. Die Wagniskapitalgeber vom „Technologiegründerfonds Sachsen“ (TGFS) hat das „Pinpoint“-Konzept derart überzeugt, dass sie nun einen – nicht näher bezifferten – Millionenbetrag in das Unternehmen investieren. Das geht aus einer heute in Leipzig veröffentlichten TGFS-Mitteilung hervor.

Annika Friedrich prüft Sensor-Wafer im neuen Reinraum von Infratec Dresden. Autor: Heiko Weckbrodt

Ausbaustart am Technologiezentrum Dresden

Zwei neue Riegel sollen 20 Millionen Euro kosten Dresden, 28. April 2023. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat heute den Grundstein für zwei neue Riegel des Technologiezentrums Dresden (TZD) an der Gostritzer Straße gelegt. Angesichts der starken Nachfrage von Gründern aus der Technologieszene und aus den Dresdner Forschungseinrichtungen nach mietbaren Büroflächen und Laboren für junge Firmen will die Stadt als Hauptgesellschafter das 20 Millionen Euro teure und längst überfällige Ausbauprojekt nun forcieren.

Das Siegerteam des Thingkathons "KI-Wettbewerb – IT Service Desk“ heißt "AI.SID" und bekommt 15.000 Euro Preisgeld. Ganz links ist Staatssekretär Thomas Popp zu sehen. Foto: Timm Ziegenthaler für die Staatskanzlei

KIs helfen bald verzweifelten Bürokraten in Sachsen am PC weiter

Schwarm-Team „AI.SID“ entwirft bei Thingkathon in Dresden binnen 3 Tagen ein Konzept für KI-gestützten IT-Support Dresden, 28. April 2023. Weil es immer schwerer wird, fähige Leute zu finden, die den ganzen lieben langen Tag per Telefon die Probleme genervter Computernutzer lösen, will die sächsische Staatsverwaltung dafür nun „Künstliche Intelligenzen“ (KI) anheuern. Statt damit nach Schema F einen Konzern zu beauftragen, haben die landeseigenen „Sächsischen Informatik-Dienste“ (SID) diesmal jedoch gemeinsam mit der Netzwerkagentur „Smart Systems Hub“ in Dresden einen sogenannten „Thingkathon“ ausgelobt: 30 Tüftler, Coder, Hacker, Datenanalysten und KI-Experten in sechs temporär zusammengewürfelten Kreativ-Teams bekamen drei Tage Zeit, eine knallige Lösung für den „IT Service Desk“ des Landes prototypisch zu entwerfen. Durch dieses Konzept einer Tempo-Ideenschmiede wollten sich die SID-Experten einen raschen Überblick verschaffen, was mit KI heute machbar ist – und welche Lösungen für ihr Fachkräfteproblem in welcher Zeit realisierbar sind.

Solche Anhänger mit Jenoptik-Kameratechnik im Bundesstaat Victoria in Australien identifizieren Autofahrer, die am Steuer mit dem Handy spielen. Foto: Jenoptik

Jenoptik liefert Handy-Blitzer nach Australien

Kamera-Anhänger aus Thüringen sollen in Down Under ablenkte Autofahrer dokumentieren Jena/Victoria, 27. April 2023. „Jenoptik“ hat einen Millionenauftrag aus Australien bekommen: Das thüringische Technologie-Unternehmen liefert an das Justizministerium des australischen Bundesstaates Victoria autarke und mobile Überwachungsanhänger, die per Kamera Autofahrer aufnehmen, die mit dem Handy am Steuer spielen oder nicht angegurtet sind. Das hat Jenoptik heute mitgeteilt.

Blick in den Reinraum der neuen Halbleiterfabrik von Bosch in Dresden. Foto: Bosch

Große Azubi-Schmiede für Sachsens Chipindustrie geplant

Sächsisches Ausbildungszentrum für Mikrotechnologie soll bis zu 1000 Lehrlinge pro Jahr ausbilden Dresden, 27. April 2023. Angesichts der wachsenden Nachfrage der sächsischen Halbleiterindustrie nach Mikrotechnologen, Mechatronikern und anderen Fachleuten soll im Raum Dresden ein „Sächsisches Ausbildungszentrum für Mikrotechnologien“ (SAM) entstehen. Das haben mehrere Quellen auf Oiger-Anfrage inoffiziell bestätigt. Konzipiert ist demnach ein Zentrum, das bis zu 1000 Azubis pro Jahr für die großen Chipfabriken von Infineon, Globalfoundries, Bosch und X-Fab in Dresden, aber auch für kleinere Mikroelektronikfirmen, Solarunternehmen und verwandte Betriebe ausbilden kann. Damit wäre das geplante SAM weit größer als bisherige betriebliche und überbetriebliche Ausbildungsschmieden am Mikroelektronik-Standort Sachsen.

Siliziumkarbid-Wafer von Bosch. Die Leistungselektronik aus diesem Material hat weniger Energieverluste als eine Silizium-Lösung und ist daher zum Beispiel für besonders effiziente Elektroautos und Ladesysteme interessant. Foto: Bosch

Bosch will TSI-Chipfabrik in USA kaufen und auf SiC-Chips umrüsten

Schwaben wollen mit Milliarden-Investition ihre Position im E-Auto-Markt und in den USA stärken Stuttgart/Roseville/Dresden, 26. April 2023. Um mehr Leistungs-Elektronik für Autos bauen zu können, will Bosch ein Chipwerk von „TSI Semiconductors“ aus Roseville in den USA kaufen. Bis 2026 möchte der süddeutsche Elektronikkonzern das kalifornische Werk so umrüsten, dass es besonders moderne Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid (SiC) herstellen kann. Das hat Bosch heute angekündigt.

Hanna Ojanen von Carbo Culture (links), Jason Cole von Macrocarbon und Philipp Hahn von Enadyne haben sich für die zweite Runde im Wettbewerb „Carbon-to-Value“ der Bundessprungagentur qualifiziert. Foto: Felix Adler für Sprind

Algenfarm als Benzinproduzent

Bundes-Sprungagentur verteilt sieben Millionen Euro für neue Ansätze, CO2 aus der Umwelt zu saugen Bremerhaven/Leipzig, 26. April 2023. Die Kraftstoffe für unsere Schiffe, Flugzeuge und Schwerlaster wird künftig womöglich nicht mehr aus Erdöl gewonnen, sondern aus gewaltigen Algenfarmen im Ozean. Und diese Farmen sollen sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Neben dem umweltfreundlicheren Sprit-Nachschub könnten die Algen nämlich auch bereits in die Umwelt entwichenes Kohlendioxid (CO2) wieder binden. Das sieht das Konzept des jungen Unternehmens „Macrocarbon“ vor – und damit hat es diese Ausgründung des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven auch in die nächste, mit insgesamt sieben Millionen Euro dotierte Runde im Wettbewerb „Carbon-to-Value“ (auf Deutsch etwa: „Wert aus Kohlenstoff“) geschafft, den die Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind) in Leipzig ausgeschrieben hat. Den Algenfarmern winken nun rund 2,3 Millionen Euro, um ihre Idee bis zum Herbst 2024 weiter in Richtung Praxisreife voranzutreiben. Das geht aus einer Mitteilung der Bundes-Sprungagentur hervor.

Prof. Nils Cordes leitet die Strahlenbiologie im Dresdner "Oncoray"-Zentrum. Er erforscht unter anderem die biologischen Zelleigenschaften von Glioblastomen. Foto: Rainer Weisflog für das HZDR

Hirnkrebs-Matrix im Visier

Dresdner Onkologen schwächen Zell-Gerüste, bevor sie die Strahlenkanone starten Dresden, 25. April 2023. Um Hirntumore besser zu behandeln und Patienten mehr Lebenszeit zu erkaufen, wollen Dresdner Radioonkologen in Zukunft die Klebematrix dieser Krebsgeschwulste vorab schwächen. Speziell haben sie sich dabei die sogenannten Glioblastome vorgeknöpft – eine besonders bösartige Hirnkrebs-Variante, die den Erkrankten nach dem Befall oft nur noch Monate oder höchstens anderthalb Jahre Lebenszeit lässt. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR), der Hochschulmedizin Dresden und ihrer gemeinsamen Krebsforschungseinrichtung Oncoray hervor.

Lithium-Metall-Akkuzelle von Northvolt Cuberg. Foto: Northvolt Cuberg

Northvolt arbeitet an Antriebsakkus für Elektro-Flugzeuge

Schweden setzen auf Lithium-Metall-Technologie Stockholm, 25. April 2023. Lange Zeit galt der Traum vom rein elektrischen Fliegen als ferne Utopie – weil die Energiedichte handelsüblicher Akkumulatoren nicht einmal annähernd die Energiedichte hatten, um ein Flugzeug abheben und über weite Strecken fliegen zu lassen. Inzwischen haben zumindest kleinere elektrische Fluggeräte längst schon abgehoben. Für große Maschinen und Distanzen galt und gilt aber weiterhin eher synthetischer Kraftstoff als die Zukunftsalternative zum Kerosin. Nun aber will „Northvolt“ die Karten neu mischen: Der schwedische Energiespeicher-Hersteller und dessen Tochter „Cuberg“ arbeiten an leichten Lithium-Metall-Akkus, deren Energiedichte für Flugzeuge ausreichen soll. Ein entsprechendes „Entwicklungsprogramm für Batteriesysteme für die Luftfahrt“ haben die Schweden heute in Stockholm angekündigt.

Satyajit Ravindra ist in der Bundes-Cyberagentur Forschungsreferent für sichere Systeme. Foto: Andreas Stedtler für die Cyberagentur

Computer jenseits der binären Logik

Cyberagentur sucht nach Technologiepfaden zu ganz neuen Rechnerarchitekturen Halle, 24. April 2023. Um auszuloten, wie Deutschland zu Computern jenseits der heutigen digitalen Von-Neumann-Rechnerarchitekturen vorstoßen kann, plant die Bundes-Cyberagentur in Halle eine Interessenkonferenz und eine Vorstudie zu „Alternativen Rechnerarchitekturen“. Das hat die Cyberagentur heute angekündigt.