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Großes Potenzial für Dresdner Mini-Suchzerstörer im Kampf gegen Krebs

Speziell designte Antikörper sollen dem Immunsystem im Kampf gegen Krebs und Corona auf die Sprünge helfen. Die Vision: Die künstlich hergestellten Proteine docken an die Oberfläche von Immunzellen an. Das andere Ende des Antikörpers bindet an die Krebs- oder Coronazellen und lenkt so die bis dahin untätigen Abwehrkräfte zum Tumor. Visualisierung: HZDR / Sahneweiß / Kjpargeter, Freepik

Speziell designte Antikörper sollen dem Immunsystem im Kampf gegen Krebs und Corona auf die Sprünge helfen. Die Vision: Die künstlich hergestellten Proteine docken an die Oberfläche von Immunzellen an. Das andere Ende des Antikörpers bindet an die Krebs- oder Coronazellen und lenkt so die bis dahin untätigen Abwehrkräfte zum Tumor – hier ein Beispiel mit Unicar-T-Immunzellen. Visualisierung: HZDR / Sahneweiß / Kjpargeter, Freepik

Sächsisches „Radiopharmaceutical Valley“ will sich auch international stärker vernetzen

Dresden/Radeberg, 19. Januar 2023. Onkologen werden Krebs durch neuartige strahlende Mini-Suchzerstörer in Zukunft besser behandeln können. Bei diesen „Radioliganden“ handelt es sich zum Beispiel um modifizierte Immunzellen mit einer leicht radioaktiven Fracht, die sich im Körper zielgerichtet nur an Krebszellen anheften und sie dann genau von innen heraus zerstrahlen. Wissenschaftler wie auch Politiker wittern hier große Chancen vor allem für Krebskranke und für den ganzen Lebenstechnologie-Standort Sachsen.

Prof. Sebastian Schmidt ist seit April 2020 der wissenschaftliche Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Sebastian Schmidt. Foto: Heiko Weckbrodt

Forscher sehen großes Potential für Krebstherapie

„Speziell auf dem Gebiet der Radiopharmazeutischen Onkologie sehen wir großes Potential, um von der Grundlagenforschung bis zur medizinischen Anwendung für die Behandlung von Krebs neue Perspektiven zu eröffnen“, betonte Wissenschaftsdirektor Prof. Sebastian M. Schmidt vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). „Das ist für die Patientinnen und Patienten ebenso wichtig wie für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Sachsen.“

Das neue Zyklotron im ZRT. Foto: Frank Bierstedt, HZDR

Das neue Zyklotron im ZRT. Foto: Frank Bierstedt, HZDR

Radiopharma-Cluster zwischen Dresden und Radeberg gewachsen

Mittlerweile ist rund Dresden und den Radiopharmazie-Standort Radeberg ein ganzes „Radiopharmaceutical Valley“ gewachsen (der Oiger berichtete), das sich diesen und ähnlichen Technologien beschäftigt. Dazu gehören neben dem HDZR, das mit einem eigenen Zyklotron Radionuklide erzeugen kann und sich der Grundlagenforschung widmet, auch Unternehmen für die Analyse, Verpackung und Anwendung dieser strahlenden Medizin. Dazu gehören Betriebe wie Rotop, „ABX advanced biochemical compounds“, die „ABX-CRO advanced pharmaceutical services Forschungsgesellschaft“, „Isotope Technologies Dresden“, die gesamte „Molecular Diagnostics Group“ (MDG) und die CUP-Labore von Dr. Freitag in Radeberg. An dieser Technologielinie arbeiten mittlerweile mehrere Hundert Menschen in Sachsen.

Reaktorbetrieb in Rossendorf um 1970. Fotonachweis: VTKA

Reaktorbetrieb in Rossendorf um 1970. Fotonachweis: VTKA

Wurzeln reichen bis zur Kernforschung zu DDR-Zeiten zurück

Die Wurzeln diese Radiopharma-Clusters reichen bis in die DDR-Zeit zurück, als Radiologen mit den leicht strahlenden Nukliden aus Dresden beispielsweise Tumore für die spätere Bestrahlung oder Operationen klarer sichtbar machten. Dafür waren sie auf die Lieferungen des damaligen Akademie-Zentralinstituts für Kernforschung in Rossendorf angewiesen. Die neuen „theranostischen Radiopharmaka“ (Kofferwort aus „therapeutisch“ und „diagnostisch“) dienen nun aber eben nicht mehr nur der Diagnose, sondern auch der hochpräzisen Krebsbehandlung. Die stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung, könnten künftig aber die individualisierte Onkologie auf eine neue Stufe heben. „Aus meiner Sicht bietet sich dem Wissenschaftsstandort Sachsen die einmalige Chance, die heute hervorragend aufgestellten Strukturen zu einem international agierenden Radiopharmaceutical Valley im Freistaat auszubauen“, umriss Prof. Klaus Kopka vom HZDR-Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung (ZRT) bei einem Besuch der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping und von Wirtschaftsminister Martin Dulig (beide SPD).

Petra Köpping. Foto: hw

Gesundheitsministerin Petra Köpping: „Die Gesundheitswirtschaft in Sachsen ist hochinnovativ und für das Wohl der Patientinnen und Patienten in unserer älter werdenden Gesellschaft von herausragender Bedeutung.“ Foto: hw

Wirtschaftsminister sieht gute Exportschancen

„In Sachsens Gesundheitswirtschaft arbeiten inzwischen über 330 Unternehmen und Forschungsinstitute mit gut 15.500 Beschäftigten an innovativen Lösungen“, sagt Dulig während seiner Visite in Rossendorf. Für das „Radiopharmaceutical Valley“ wirke das HZDR „wie ein Nukleus, um den sich die Expertise für schwach radioaktive Medikamente bildet und vermehrt“. Und die Exportchancen für solche Arzneimittel seien sehr gut. „Weil die Halbwertszeiten der verwendeten Isotope recht kurz sind, spielt uns hier unsere hochmoderne Logistikinfrastruktur in die Hände. Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein wichtiger Standortfaktor und garantiert einen schnellen Weitertransport der Medikamente.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, SMS, HZDR, Oiger-Archiv