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Sensorfolien gegen die UV-Überdosis

Organische Sensorfolie mit dem unter UV-Licht leichtendem Firmenschriftzug. Foto: Pruuve

Organische Sensorfolie mit dem unter UV-Licht leichtendem Firmenschriftzug. Foto: Pruuve

Dresdner Physiker wollen in ihrer Uni-Ausgründung „Pruuve“ wiederbeschreibbare Ultraviolett-Folien herstellen

Dresden, 9. Mai 2022. Vor allem seit Corona sind Geräte, die Ultraviolett-Strahlen (UV) aussenden, als Anti-Viren-Kanonen bekannt geworden. Was vielen jenseits der Strandbräune kaum bewusst ist: Die Industrie nutzt UV-Technik beispielsweise auch für Sicherheitssiegel, in Elektronikfabriken, in der Drucktechnik, um Kleber auszuhärten und in der Qualitätsanalyse. Wer dort zu gering dosiert, riskiert Ausschuss, während Überdosen anderseits Betriebs- und Wartungskosten der Anlagen in die Höhe treiben.

Die Dresdner TU-Ausgründung „Phosphorescent Response Under UV Excitation“ (Pruuve) will diese Probleme lösen: Ihre organisch beschichten Sensorfolien leuchten nur dann, wenn die Dosis genau stimmt. Werden sie auf die zu bestrahlenden Proben oder Bauteile geklebt, geben sie dem Maschinenbediener während der laufenden Produktion eine rasche optische Rückmeldung, ob alles richtig eingestellt ist.

Organische Sensoren sollen auch die Energiekosten drücken

„Unsere UV-Sensor-Folien ermöglichen erstmals eine genaue Messung der UV-Dosis direkt auf der Oberfläche und während des Herstellungsprozesses“, betont Dr. Paul-Anton Will, Mitgründer und Produktentwickler bei Pruuve. „Wir bieten damit eine zuverlässige und schnelle Erfolgskontrolle bei der UV-Härtung und UV-Desinfektion. Die Unternehmen können so unnötige Wartezeiten vermeiden, ihre Energiekosten senken und auch den Materialverschleiß verringern.“

Das Pruuve-Gründerteam: Paul-Anton Will, Tim Achenbach, und Philipp Wellmann (von links nach rechts). Foto: Pruuve

Das Pruuve-Gründerteam: Paul-Anton Will, Tim Achenbach und Philipp Wellmann (von links nach rechts). Foto: Pruuve

Die Basistechnologie hatten Prof. Sebastian Reineke und sein „Lexos“-Team vom Institut für Angewandte Physik der TU Dresden bereits vor vier Jahren entwickelt. Sie betteten organische Moleküle in Plastefolien ein, in die sich mit UV-Licht leuchtende Muster und Schriften erzeugen lassen, die sich mit Infrarot-Licht wieder löschen lassen. Von daher wollen die Pruuve-Gründer nicht nur Sensorfolien auf dieser Basis verkaufen, sondern später auch wiederverwendbare Etiketten und Sicherheitssiegel damit herstellen.

Zuschuss vom Wirtschaftsministerium

Dr. Paul-Anton Will, Tim Achenbach und Dr. Philipp Wellmann wollen diese Technik bis Ende 2023 bis hin zu marktreifen Produkten weiterentwickeln. Für diese Phase hat das Bundeswirtschaftsministerium den Dresdner Gründern eine „Exist“-Forschungstransfer-Förderung von rund 790.000 Euro zugesagt. Die Transfer-Agentur der Dresdner Hochschulen, „Dresden exists“, wird das Team bis zur Unternehmensgründung begleiten. Auch Erfinder Sebastian Reineke wird die gründungswilligen Physiker beraten.

Quelle: TUD

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