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Mehr Geld für Mikronano-Leistungszentrum in Dresden

Vom Leistungszentrum entwickelte universelle Sensorplattform (USEP). Foto: Fraunhofer EAS

Vom Leistungszentrum entwickelte universelle Sensorplattform (USEP). Foto: Fraunhofer EAS

Fraunhofer finanziert Institutsverbund vorerst weiter

Dresden, 8. April 2022. Angesichts vorzeigbarer Elektronikprodukte, die das Dresdner „Leistungszentrum Funktionsintegration Mikro- und Nanoelektronik“ seit 2017 entwickelt hat, will Fraunhofer diesen Institutsverbund vorerst weiter finanzieren. Das geht aus einer Mitteilung des federführenden Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme (IPMS) in Dresden hervor.

Das neue Nationale Leistungszentrum für Nanoelektronik in Dresden und Chemnitz ist ein Puzzle aus vielen Akteuren und Geldgebern. Von links nach rechts sind hier ZMD-Chef Thilo von Selchow, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer, IPMS-Chef Hubert Lakner und der Dresdner TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen zu sehen, wie sie sich gemeinsam freuen. Foto: Heiko Weckbrodt

Das Archivbild zeigt die Eröffnung des „Nationalen Leistungszentrum für Nanoelektronik“ in Dresden und Chemnitz. Von links nach rechts: der frühere ZMD-Chef Thilo von Selchow, der damalige Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der damalige Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer, IPMS-Chef Hubert Lakner und der frühere Dresdner TU-Rektor Hans Müller-Steinhagen. Foto: Heiko Weckbrodt

Wertvoller Partner für die Industrie

„Das Leistungszentrum Mikro/Nano hat sich als wertvoller Partner der Industrie etabliert“, schätzte Koordinator Prof. Hubert Lakner vom IPMS ein. „Es transferiert systematisch neue Forschungsergebnisse hin zu innovativen Produktentwicklungen und Anwendungen.

Eine Million Euro pro Jahr zugesagt

Die nun avisierte weitere Förderung ist allerdings eher bescheiden: Demnach hat die Fraunhofer-Gesellschaft (FHG) bis 2024 jährlich eine Million Euro zugesagt, damit das Zentrum seine Erfindungen in die freie Wirtschaft transferieren kann. Falls Gutachter danach mit den Ergebnissen zufrieden sind, könnte es weiteres Fraunhofer-Geld dafür geben.

 

Wafer mit mikromechanischen Ultraschallwandlern. Foto: IPMS

Wafer mit mikromechanischen Ultraschallwandlern. Foto: IPMS

Das Leistungszentrum entstand im Sommer 2015 mit großen Ambitionen und sollte die wirtschaftsnahe Mikroelektronik-Entwicklung auf eine neue Stufe heben. Diese Rolle hat inzwischen aber eher die „Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland“ (FMD) übernommen – ebenfalls ein Institutsverbund, der aber viel mehr Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland umfasst. Parallel dazu waren an weiteren Standorten weitere Leistungszentren mit anderen Schwerpunkten entstanden.

Ein Sensorring, mit der sich Kugelumlaufspindeln überwachen lassen. Foto: Leistungszentrum

Ein Sensorring, mit der sich Kugelumlaufspindeln überwachen lassen. Foto: Leistungszentrum

Multisensorik und heterogene Elektronik im Blick

Zum Dresdner Leistungszentrum gehören heute die Dresdner Fraunhofer-Institute IPMS, ENAS, IIS/EAS und IZM-ASSID, die TU Dresden, die TU Chemnitz sowie die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden. Ihre Verbund hat sich inzwischen auf ausgewählte Entwicklungspfade spezialisiert. Dazu gehören integrierte, vernetzte Multisensorik für das industrielle Internet der Dinge (IIoT), mikromechanischer Ultraschallwandler (MUT), heterogene Elektronikstrukturen, die direkt auf den Siliziumscheiben erzeugt und endmontiert werden, optische Systeme, Sensoren und Aktoren in Werkzeugen und Maschinen sowie neue Elektronikmaterialien.

Der in Deutschland entwickelte und produzierte Racemap-Tracker. Foto Racemap

Der in Deutschland entwickelte und produzierte Racemap-Tracker arbeitet mit Sensorplattformen von Sensry. Foto Racemap

Vorzeige-Projekt war eine universelle Sensorplattform

Als Flaggschiff-Projekt entwickelten die beteiligten Institute gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft die universelle Sensorplattform „Usep“. Dabei handelt es sich um ein flexibel nutzbares Elektronikmodul mit zahlreichen Schnittstellen, an das sich mit allerlei Sensoren, Funkmodule und anderen Bausteinen andocken lassen. Gedacht ist es als eine Art Elektronik-Baukasten, mit dem kleine und mittlere Unternehmen ohne eigene Chipfabriken komplexe eigene Elektronikprodukte bauen können, zum Beispiel für die Nachrüstung alter Maschinen für die Industrie 4.0, das IIoT oder die vorausschauende Wartung. Die eigens dafür gegründete Dresdner Firma „Sensry“ hat die Weiterentwicklung und Vermarktung dieses Systems übernommen. Sensry und der Smart Systems Hub Dresden haben gemeinsam mit Partnerunternehmen auch erste Anwendungsbeispiele für dieses Konzept geschaffen und zum Beispiel Ortungsgeräte für Marathonläufer und Überwacher für Chipwerk-Ventile damit gebaut.

 

Das Leistungszentrum ha auch faltbare Elektronik entwickelt. Foto: Leistungszentrum

Weitere Projekte des Mikronano-Zentrums waren und sind unter anderem ein neuer Ultraschall-Sensorkopf für medizinische Endoskope oder für industrielle Messgeräte, faltbare Elektronik sowie Sensorringe für die Verschleißüberwachung von Kugelumlaufspindeln.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IPMS, Leistungszentrum, Oiger-Archiv