Medizin & Biotech, News, zAufi

Depressionen stören Immunsystem

Gerade während der Ausgangssperren und staatlich verordneten sozialen Distanzierungen in der Corona-Zeit sind viele Menschen in Depressionen abgeglitten. Foto: Stephan Wiegand ​für die Hochschulmedizin Dresden

Im Schnitt ereilt jeden fünften Erwachsenden mindestens einmal im Leben eine Depression. Foto: Stephan Wiegand für die Hochschulmedizin Dresden

Verformbare Blutzellen bei chronisch niedergeschlagenen Menschen könnten Ursache für Erschöpfung sein

Dresden/Zürich, 8. April 2022. Lange anhaltende Depressionen können dazu führen, dass die Blutzellen der Betroffenen leichter verformen lassen – und dies könnte wiederum ihr Immunsystem stören. Das geht aus einer Studie der TU Dresden, der Uni Zürich und des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts in Erlangen hervor.

Erstautor Dr. Andreas Walther sieht Chancen, aus diesen befunden heraus neue therapeutische Ansätze zu entwickeln. Allerdings müssten dafür Psychologen, Biologen, Pharmakologen und weitere Experten interdisziplinär zusammenarbeiten. „Meines Erachtens lässt sich nämlich nur in einem holistischen Ansatz dieses komplexe Störungsbild verstehen und effizient therapieren und hoffentlich in Zukunft viel Leid verhindern.“

Für ihre Studie hatten die Forscher und Forscherinnen die Blutzellen von 69 Depressiven und 70 Gesunden auf Form und mechanische Eigenschaften hin untersucht und verglichen. Eine Künstliche Intelligenz half dabei, die 16 Millionen Blutzellbildern auszuwerten. Der Befund: Bei Menschen mit jahrelangen Depressionen sind die Monozyten (Vorläufer der antibakteriellen Fresszellen), Neutrophilen und Erythrozyten (weiße und rote Blutzellen) leichter deformierbar als bei Gesunden. Diese mechanische Veränderungen der Immunzellen könnten „für eine anhaltende Immunreaktion ursächlich sein“ und womöglich auch die chronische Erschöpfung vieler depressiver Menschen erklären.

Wissenschaftliche Publikation:

Andreas Walther, Anne Mackens-Kiani, Julian Eder, Maik Herbig, Christoph Herold, Clemens Kirschbaum, Jochen Guck, Lucas Daniel Wittwer, Katja Beesdo-Baum, Martin Kräter: Depressive disorders are associated with increased peripheral blood cell deformability: A cross-sectional case-control study (Mood-Morph), in: Translational Psychiatry. DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-022-01911-3

Quelle: TUD