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Lüftung soll barocke Ledertapeten in Moritzburg vor Klimawandel-Schäden retten

Barocke Ledertapeten im Schloss Moritzburg. Foto: Thomas Löther für das IDK

Barocke Ledertapeten im Schloss Moritzburg. Foto: Thomas Löther für das IDK (via Uni Bamberg)

Forscher aus Dresden und Bamberg legen nach Studie Ratschläge vor

Moritzburg, 10. Oktober 2021. Spezielle Lüftungssysteme können die wertvollen alten Goldtapeten im Schloss Moritzburg bei Dresden vor weiteren Klimawandel-Schäden retten. Das haben Wissenschaftler aus Dresden und Bamberg zum Abschluss eines gemeinsamen Forschungsprojektes vorgeschlagen. „Die Wandtapeten im Schloss Moritzburg sind ein wertvoller Schatz“, betonte Staatssekretär Frank Pfeil vom sächsischen Regionalministerium (SMR). „Sie stellen den weltweit größten Bestand barocker Ledertapeten dar. Nur noch elf der ursprünglich 60 Räume im Schloss sind mit der originalen Wandausstattung erhalten.“

Weltweit größter Bestand barocker Ledertapeten drohen durch zu viel Hitze auszutrocknen

Nachdem früher vor allem zu feuchte Luft den Tapeten zu schaffen gemacht hatten, trocknen sie seit einiger Zeit durch zuviel Hitze und geringe Luftfeuchtigkeit zu sehr aus. Weil Konservatoren und Forscher davon ausgehen, dass dies nicht nur ein kurzfristiges Problem ist, sondern eine Auswirkung des langfristigen Klimawandels ist, hatten sie die Suche nach Gegenmaßnahmen angestoßen. Im Fokus stand dabei nicht der Versuch, den Klimawandel aufzuhalten, sondern seine Folgen zu bewältigen.

Institute erarbeiten Vorschläge, wie Klimafolgen zu bewältigen sind

Im Auftrag der „Deutschen Bundestiftung Umwelt“ (DBU) untersuchten daraufhin die Uni Bamberg und das „Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt“ (IDK) gemeinsam das „Schadensrisiko für Kulturgut aufgrund zu geringer relativer Luftfeuchte in Innenräumen von national wertvollen Kulturdenkmalen“. Die konzentrierten sich dabei auf drei Fallbeispiele in Sachsen und Sachsen-Anhalt: die Ledertapeten in Moritzburg, rissige Altarbilder auf Schloss Augustusburg und beschädigte Historienbilder in der Albrechtsburg in Meißen. Inzwischen haben sie Handlungsempfehlungen vorgelegt.

Staatssekretär: „Sogar ohne hohe Kosten kann so viel erreicht werden“

„Es ist erstaunlich und sehr überzeugend, wie mit den gewonnenen Erkenntnissen optimale Lüftungskonzepte entstehen können, die ohne Aufwand für Klimaanlagen einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt des Kulturerbes leisten, wie hier der wertvollen Ledertapeten“, kommentierte Staatssekretär Pfeil die Befunde. „Sogar ohne hohe Kosten kann so viel erreicht werden.“

Im barocken Sachsen waren Goldledertapeten schwer in Mode

In Sachsen seien Goldledertapeten am sächsischen Hofe bereits für das Jahr 1565 nachweisbar, informierte das SMR. „Die als komplette Raumausstattungen in Moritzburg erhaltenen Goldlederwandbespannungen stammen aus dem Jahre 1727. August der Starke ließ die Wände zweier Säle mit monumentalen Gemälden auf Goldleder, 36 Räume des Hauptbaus mit ornamentalen Wandbespannungen vermutlich venezianischer Herkunft und 22 Turmräume mit geprägten flämischen Ledertapeten ausgestalten.“

Diese einzigartigen Ledertapeten wurden aus Ziegenhäuten gefertigt. Foto: Peter Weckbrodt

Auch im Schloss Wessenstein zu finden: Diese einzigartigen Ledertapeten wurden aus Ziegenhäuten gefertigt. Foto: Peter Weckbrodt

Nach der Mitte des 18. Jahrhunderts sei Goldleder jedoch allmählich aus der Mode gekommen und die jahrhundertealten Kenntnisse über seine Herstellung gerieten vollständig in Vergessenheit. „Auch auf Schloss Moritzburg wurde ein Teil der Ledertapeten entfernt. In den 1930er Jahren veräußerten die Wettiner den größten Teil der verbliebenen Tapeten an das polnische Königsschloss, den Krakauer Wawel. Heute besitzt Schloss Moritzburg mit Ledertapeten in 13 Ausstellungs- sowie einigen Depot- und Büroräumen den weltweit größten Bestand an originalen barocken Ledertapeten.“

Autor: hw

Quellen: SMR, Uni Bamberg, IDK, Oiger-Archiv