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Vodafone richtet 6G-Innovationszentrum in Dresden ein

Der nächste Hoffnungsträger naht: Der Mobilfunk der 6. Generation (6G) soll Hologramm-Telefonie am Smartphones, neue Ansätze für die Fernmedizin und innovative Mensch-Maschine-Interaktionen möglich machen. Grafik: Heiko Weckbrodt

Der nächste Hoffnungsträger naht: Der Mobilfunk der 6. Generation (6G) soll Hologramm-Telefonie am Smartphones, neue Ansätze für die Fernmedizin und innovative Mensch-Maschine-Interaktionen möglich machen. Grafik: Heiko Weckbrodt

200 Ingenieure sollen Mobilfunk der nächsten Generation erforschen

Dresden, 30. Mai 2021. Vodafone baut in Dresden ein 6G-Innovationszentrum ein. Das haben das Telekommunikationsunternehmen und die sächsiche Staatskanzlei heute in der Landeshauptstadt angekündigt. Dieser Mobilfunk der nächsten Generation soll nicht nur schneller als 5G sein, sondern auch reaktionsschneller sein, entdeckte Sicherheitslücken ausmerzen und zum Beispiel holografische Telefonie per Handy möglich machen.

Hannes Ametsreiter. Foto: Vodafone Deutschland

Hannes Ametsreiter. Foto: Vodafone Deutschland

„Bekenntnis zum Industriestandort“

„Die Entscheidung ist ein weiteres starkes Bekenntnis zum Industriestandort im Herzen Europas“, betonte Hannes Ametsreiter, der Chef von Vodafone Deutschland. Er erinnerte daran, dass sein Unternehmen bereits 1994 einen Stiftungslehrstuhl für Mobilfunk an der TU Dresden eingerichtet hatte. „Ab 2021 wollen wir jetzt 6G in Dresden aus Deutschland für die Welt entwickeln. Unser Signal für dieses Land: Die Zukunft der Digitalisierung wird in Deutschland erdacht.“

Professor Gerhard Fettweis führt in der TU Dresden ein Roboter-System vor, das per 5G ferngesteuert wird und dabei in den meisten Fällen auf Reaktionszeiten unter einer Millisekunde bleibt. Foto: Heiko Weckbrodt

Professor Gerhard Fettweis führt in der TU Dresden ein Roboter-System vor, das per 5G ferngesteuert wird und dabei in den meisten Fällen auf Reaktionszeiten unter einer Millisekunde bleibt. Foto: Heiko Weckbrodt

Neben 6G stehen auch neue Anwendungen für 5G im Fokus

In dem Zentrum sollen über 200 Ingenieure und Ingenieurinnen einerseits den Mobilfunk der 6. Generation (6G) entwickeln, andererseits neue Anwendungen für den gerade erst gestarteten 5G-Funk erforschen. „Das zukünftige Vodafone R&D Center Dresden fokussiert sich auf Technologieentwicklung rund um 5G, 6G, OpenRAN und weitere Cloud-basierte Innovationen“, berichtete der Dresdner Mobilfunk-Guru Prof. Gerhard Fettweis. Ein Schwerpunkt werde in vernetzten Zusammenarbeit (Co-Creation) in der Mobilitätsbranche, Gesundheitsbranche, Halbleiterfertigung, chemischen Industrie sowie Agrar- und Baubranche liegen. OpenRAN steht für offene Funkzugangsnetze, Cloud für den Fernzugriff auf Computerzentren, die als Rechnerwolken organisiert sind.

So etwa stellen sich die Sachsen den Feldschwarm vor: Ein bemanntes Fahrzeug umgeben von autonomen Feldmaschinen. Abb.: WTK

Auch eine Anwendung für 5G: Funkvernetzte „Feldschwärme“ von teils bemannten, teils autonomen Erntemaschinen vor. Abb.: WTK

„Schub für gesamte Region“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) freut sich über die Vodafone-Entscheidung. Sie zeigte, dass Deutschland ein Hochtechnologiestandort sei und bleibe. „5G und 6G sind als Zukunftstechnologien grundlegend für die weitere Digitalisierung der Industrie, insbesondere auch der für Deutschland so wichtigen Automobilindustrie“, betonte der Minister. „Von dem Projekt erwarte ich mir einen Schub für gesamte Region und zukunftsfähige Arbeitsplätze.“

Dresden hatte schon bei 5G eine Pionierrolle

Das hofft auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „In Deutschland, wenn nicht gar in Europa, ist Dresden mit seiner technologiezentrierten Forschungs- und Wirtschaftsinfrastruktur die richtige Adresse für diese Ansiedlung.“

Durch kurze Reaktionszeiten von 1 ms soll der 5G-Handyfunk auch für Echtzeit-Wanderungen durch virtuelle Welten per Datenbrille geeignet sind. Die Dresdner 5G-Entwickler denken da zum Beispiel an simulierte Zeitreisen von Schulklassen ins alte Rom. Foto: 5G Lab Germany, TU Dresden

Durch kurze Reaktionszeiten von 1 ms soll der 5G-Handyfunk auch für Echtzeit-Wanderungen durch virtuelle Welten per Datenbrille geeignet sind. Die Dresdner 5G-Entwickler denken da zum Beispiel an simulierte Zeitreisen von Schulklassen ins alte Rom. Foto: 5G Lab Germany, TU Dresden

An der TU Dresden sind unter anderem das „5G Lab Germany“, an dem der 5G-Funk mitentwickelt wurde, das Barkhausen-Institut und das Exzellenzcluster Ceti angesiedelt. Außerdem beschäftigen sich viele weitere Forscher mit Mobilfunk, seinen Anwendungen und technologischen Grundlagen. Auch nutzen Bosch, VW und weitere Unternehmen in Sachsen die 5G-Technologie für ihre „Industrie 4.0“-Prozesse.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vodafone, SSK, Oiger-Archiv