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IPCEI-Millionen für Energiespeicher-Firmen in Sachsen

Oliver Ahlberg und Taavi-Madiberk von Skeleton zeigen ihre Ultrakondensatoren. Foto: Skeleton

Oliver Ahlberg und Taavi-Madiberk von Skeleton zeigen ihre Ultrakondensatoren. Foto: Skeleton

54,3 Millionen Euro Sondersubventionen für Skeleton Großröhrsdorf und Liofit Kamenz

Dresden/Berlin, 26. Januar 2021. Weil der Aufbau einer eigenen Batterie-Wertschöpfungskette wichtig für große Teile der europäischen Industrie ist, können Bund und Länder nun milliardenschwere Sondersubventionen für deutsche Akku-Unternehmen ausreichen. Rund 54,3 Millionen Euro davon fließen an zwei sächsische die Unternehmen: den Ultrakondensator-Hersteller „Skeleton Technologies“ in Großröhrsdorf und den Akku-Recycler „Liofit“ in Kamenz. Das geht aus Mitteilungen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin und des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) in Dresden hervor.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Foto: Heiko Weckbrodt

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Foto: Heiko Weckbrodt

Zitat Wirtschaftsminister Martin Dulig:

„Industrielle Wertschöpfung in Sachsen zu erhalten und auszubauen ist ein wichtiges Anliegen des Freistaates. Ein Element einer solchen zukünftigen Wertschöpfung sind Batteriezellen beziehungsweise Batteriesysteme, die auf der Basis eigenen Know-hows im großen Maßstab am Standort Sachsen hergestellt beziehungsweise  recycelt werden können.“

Ultrakondensatoren von Skeleton. Foto: Skeleton

Ultrakondensatoren von Skeleton. Foto: Skeleton

Skeleton will in „Industrie 4.0“-Fabrik Ultrakondensatoren mit Batterien kreuzen

Skeleton stammt ursprünglich aus Estland, hat aber inzwischen große Teile seiner Entwicklung und Fertigung in Sachsen konzentriert. In Großröhrsdorf wollen die Esten nun eine hochautomatisierten Produktionslinie nach „Industrie 4.0“-Prinzipien aufbauen, in der extrem schnelle Energiespeicher besonders günstig hergestellt werden können. Solche „Ultrakondensatoren“ wollen sie mit Batterien zu Hybridsystemen kombinieren. „Diese Systeme bieten Vorteile für Batterieanwendungen, in denen häufig kurze, aber intensive Lastspitzen auftreten, wie zum Beispiel Gütertransport, Flurförderfahrzeuge oder Hybridfahrzeuge“, schätzte das sächsische Wirtschaftsministerium ein. „Hier können Batterien entlastet, deren Größe bei gleicher Leistungsfähigkeit verringert und deren Lebensdauer deutlich erhöht werden.“

Ein Liofit-Mitarbeiter bereitet einen Akku-Pack für die Regeneration vor. Foto: Liofit

Ein Liofit-Mitarbeiter bereitet einen Akku-Pack für die Regeneration vor. Foto: Liofit

Liofit testet neue Recycling-Methoden für Fahrrad-Akkus

Liofit hat sich in Kamenz – wo auch Daimler eine Batteriefabrik betreibt – am anderen Ende der Wertschöpfungskette etabliert. Das Unternehmen erprobt mit den Sonderzuschüssen einen innovativen und kosteneffizienten Zerlege- und Recyclingprozess für gebrauchte Akkus von Elektro-Fahrrädern und -Rollern. „Diese Akkus werden geprüft, zerlegt, rekombiniert, repariert sowie nicht mehr verwendbare Zellpakete umweltfreundlich entladen und geschreddert, damit die Rohstoffe ihrer Wiederverwendung zugeführt werden können“, heißt es in der Projektbeschreibung des Bundeswirtschaftsministeriums. „Hierbei wird Liofit eng mit der TU Bergakademie Freiberg zusammenarbeiten“, ergänzte das sächsische Wirtschaftsministerium. Geplant sei eine Pilotanlage „für einen innovativen Verwertungsansatz, der ein separates Erfassen sowohl der Elektrodenfolien aus Kupfer und Aluminium als auch der Schichtwerkstoffe auf den Elektroden ermöglicht“.

Milliarden-Initiative zielt auf eigene Batterie-Industrie in Deutschland

Beide Projekte sind ein kleiner Teil einer strategischen Initiative des Bundes, um eine eigene Batterie-Wertschöpfungskette von der Akkuzelle über die Montage bis hin zur Wiederverwertung in Deutschland aufzubauen. Das soll vor allem die Abhängigkeit der hiesigen Autoindustrie von asiatischen Zulieferungen für deutsche Elektroautos mindern.

IPCEI-Status erlaubt höhere Subventionen

Der Bund hat es geschafft, dass die EU-Kommission diese Vorhaben nun als „Wichtiges Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse“ (IPCEI) einstuft hat. Damit sind Subventionsquoten um die 30 Prozent für Fabrikinvestitionen möglich, die ansonsten nach EU-Beihilferecht nicht zulässig wären.

Bundes-Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: Heiko Weckbrodt

Bundes-Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Foto: Heiko Weckbrodt

Insgesamt 3 Milliarden Euro vom Bund

Für das aktuelle Batterie-IPCEI „European Battery Innovation“ (EuBatIn) will das Bundeswirtschaftsministerium rund drei Milliarden Euro Subventionen ausreichen – dies soll wiederum inklusive privater Investitionen und Länder-Ausgaben etwa 13 Milliarden Euro Gesamtinvestitionen in eine deutsche Batterieindustrie auslösen.

Auch Tesla und BMW sind dabei

Mit Subventionen können nun beispielsweise Tesla in Grünheide, BMW, Northvolt, SGL Carbon, ACI Systems, Alumina Systems, Cellforce, Elring-Klinger, Manz und eben auch Skeleton und Liofit rechnen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: BMWi, SMWA, Oiger-Archiv

Zum Weiterlesen:

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