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Sachsen bezuschusst Pilotlinie für Trikorder-Sensoren

Das Senorics-Gründerteam: Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel begutachten im Labor die Nir-Sensoren. Foto: Senorics

Das Senorics-Gründerteam: Dr. Ronny Timmreck, Robert Langer, Dr. Robert Brückner und Dr. Matthias Jahnel begutachten im Labor die Nir-Sensoren. Foto: Senorics

Zwei Millionen Euro für neuartige organische Mini-Spektrometer

Dresden, 4. Januar 2020. Damit Senorics Dresden eine Pilotlinie für neuartige organische Mini-Spektrometer bauen kann, hat der Freistaat Sachsen der Uni-Ausgründung nun zwei Millionen Euro Zuschuss zugesagt. Das hat der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) heute mitgeteilt.

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

„Senorics ist ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft des Standortes Sachsen“, betonte Dulig. „Ich bin stolz, dass wir hier eine weitere Ausgründung der Technischen Universität Dresden auf dem Weg zur industriellen Produktion unterstützen können.“

Organische Sensoren können Inhaltsstoffe von Speisen, Getränken und Textilien berührungslos ermitteln

Das Unternehmen entstand 2017 als Ausgründung des von von Prof Karl Leo geleiteten Dresdner Lichtphysik-Instituts IAP. Spezialisiert hat sich das 40-köpfigeTeam um Dr. Ronny Timmreck auf tragbare Spektrometer aus organischen Sensoren, die ähnlich funktionieren wie die „Trikorder“-Geräte aus dem Fernsehraumschiff „Enterprise“: Mit ihrer Hilfe können auch Laien ohne Laborhilfe oder Proben aus der Ferne analysieren, ob zum Beispiel ein Bier die richtige Reife hat, ob das T-Shirt auf dem Urlaubsbasar wirklich aus Cashmere-Wolle ist oder was in der Supermarkt-Pizza alles drinsteckt. Dafür senden die organischen Sensoren aus Dresden unsichtbare Nah-Infrarotstrahlen aus, die vom zu analysierenden Gegenstand je nach den enthaltenen Stoffen verändert und dann zurückgeworfen werden. Aus der Differenz von ausgesandtem und reflextiertem Licht lässt sich dann das Objekt der Begierde analysieren.

So sieht der prämierte Biersensor "Plan B" von Senorics aus. Foto: Senorics

So sieht der prämierte Biersensor “Plan B” von Senorics aus. Foto: Senorics

Unter anderem hatten die Dresdner auf dieser Basis einen Bierbrau-Sensor entwickelt, der sofort einen Preis einheimste. Und chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller wollen die Dresdner Minispektrometer gerne in ihre Kühlschränke einbauen, damit die automatisch verdorbene Speisen erkennen können.

Senorics-Chef Ronny Timmreck zeigt einen organischen Analysesensor. Foto: Ellen Türke Fotografie für Senorics

Senorics-Chef Ronny Timmreck zeigt einen organischen Analysesensor. Foto: Ellen Türke für Senorics

Schritt hin zur Massenproduktion

„Der nächste entscheidende Schritt, unsere Nahinfrarot-Sensoren für die Inhaltsstoff-Analyse massenmarkttauglich zu machen, ist der Aufbau einer Pilotlinie“, schätzte der Senorics-Chef ein. „Die Förderung im KETs-Pilotlinienprogramm ist für unser Unternehmen deshalb ein sehr wichtiger Baustein. Zudem ist diese Entscheidung ein starkes Signal an den Organik-Standort Dresden.“ Wenn es nach Timmreck geht, werden in Zukunft beispielsweise Smartphone, Kühlschränke und andere Haushaltsgeräte künftig serienmäßig mit der Dresdner Trikorder-Technik ausgestattet.

Insgesamt fast 50 Millionen Euro aus Pilotlinien-Programm geflossen

Mit dem KET-Programm fördert Sachsen Pilotlinien für vielversprechende Schlüsseltechnologie-Pilotlinien der Sektoren Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), Nanotechnologien, neue Materialien, Fortgeschrittene Produktionstechnologien, Photonik und Biotechnologien. Es speist sich aus Geldern des Freistaats und der EU. Bisher hat das Land insgesamt knapp 50 Millionen Euro aus diesem Fördertopf für Pilotlinien ausgegeben oder zugesagt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SMWA, Sensorics, Oiger-Archiv

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