News, Wirtschaft, zAufi

Dr. Quendt verspricht Süßes für bittere Tage

Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker (links) hat 2014 das Dresdner Backunternehmen "Dr. Quendt" vom Gründersohn Matthias Quendt (rechts) gekauft und aus der Krise herausgeführt. Foto: Lambertz

Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker (links) hat 2014 das Dresdner Backunternehmen “Dr. Quendt” vom Gründersohn Matthias Quendt (rechts) gekauft und aus der Krise herausgeführt. Foto: Lambertz

Neue Leckereien aus der Dresdner Backfabrik in Sicht

Dresden, 18. Dezember 2020. Die Dresdner Backfabrik „Dr. Quendt“ wird Anfang 2021 neue Leckereien auf den Markt werfen. Das hat „Lambertz“-Chef Hermann Bühlbecker angekündigt, dem das Dresdner Traditionsunternehmen seit 2014 gehört. „Details kann ich jetzt noch nicht verraten“, sagte er im Gespräch mit Oiger.de. Im Fokus würden aber Spezialitäten stehen, die ähnlich wie das „Russisch Brot“, die „Dinkelchen“ oder „Bemmchen“ das ganze Jahr über absetzbar sind. Die sollen den Betrieb unabhängiger vom Saisongeschäft mit Stollen & Co. machen und für langfristiges Wachstum sorgen.

„Kein Pfennig vom Staat“

Vor sechs Jahren habe es sich durchaus etwas gesorgt, ob der Dresdner Betrieb, den er da übernahm, wohl wieder aufs richtige Gleis zu bringen war, verrät er im Rückblick. Damals war Gründersohn Matthias Quendt das Geld ausgegangen, um die Zutaten für die nahende Stollen-Saison vorzufinanzieren, so dass er den Betrieb des Vaters an die Lambertz-Gruppe verkaufen musste. „Aber jetzt sind wir ein großes Familienunternehmen mit solchen bekannten deutschen Weihnachtsspezialitäten wie Dresdner Stollen, Russisch Brot, Aachener Printen und Nürnberger Lebkuchen“, betonte Bühlbecker. „Dr. Quendt“ habe sich gut stabilisiert und stehe – auch dank der engagierten Belegschaft – wieder gut da.

Der Firmensitz von Dr. Quendt in Dresden-Gittersee. Ursprünglich wollte die DDR-Wirtschaftsführung hier mal ein Reinstsiliziumwerk bauen. Foto: Dr. Quendt

Der Firmensitz von Dr. Quendt in Dresden-Gittersee. Foto: Dr. Quendt

Auch zeichne sich ab, dass es Dr. Quendt wohl – ähnlich wie die gesamte Lambertz-Gruppe – mit einem „blauen Auge“ durch die Corona-Krise schaffen werde. „Und dabei haben wir auch unseren Stolz, wenn es irgendwie geht, keinen Pfennig vom Staat zu nehmen, auch kein Kurzarbeitergeld“, betonte der Chef.

Suchen die Menschen in Corona-Zeiten süßen Trost in Stollen und Printen?

Zwar sei das Geschäft mit Stollen und anderen Quendt-Spezialitäten im Ausland, auf Weihnachtsmärkten („Wir hatten so darauf gehofft, dass wenigstens der Dresdner Striezelmarkt stattfindet!“) und auf Flughäfen in der Pandemie drastisch eingebrochen. Doch im Einzelhandel, in den durchweg geöffneten Supermärkten, sowie neue Umsätze über Verkaufsfernsehsender und andere Vertriebskanäle habe Dr. Quendt einiges von diesen Einbußen wettmachen können. Und anders als in der ersten Corona-Welle, als das Ostergeschäft für Dr. Quendt und Lambertz weitgehend ausfiel, würden die Leute diesmal wieder richtig Leckereien kaufen. „Ich denke, der Mensch braucht eben etwas Süßes in bitteren Tagen“, sinniert Bühlbecker.

Halbwegs stabile Umsätze bei Lambertz und Quendt absetzbar

Unterm Strich rechne er jedenfalls mit halbwegs stabilen Umsätzen für „Dr. Quendt“ im aktuellen Geschäftsjahr, das in der Lambertz-Gruppe immer zur Jahresmitte endet. Im Geschäftsjahr 2019/2020, als bereits Corona-Effekte wirkten, war der Umsatz der Dresdner Backfabrik nur leicht gesunken: um eine halbe Million auf 21 Millionen Euro. Eine ähnliche Summe erwartet Bühlbecker nun auch wieder für den Dresdner Teil seines Süßigkeiten-Imperiums.

Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker übergibt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein vertrauetes Gebäck: einen Dresdner Stollen von "Dr. Quendt". Fotonachweis: Lambertz-Gruppe

Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker übergibt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein vertrauetes Gebäck: einen Dresdner Stollen von “Dr. Quendt”. Foto: Lambertz

Stollen-“Bestechung” für Putin

Ähnlich sieht er die Lage in der gesamten Lambertz-Gruppe, auch da rechnet er etwa mit einem Ergebnis auf Vorjahres-Niveau. Allein auf dem deutschen Markt gebe es für das Unternehmen aber kaum noch Wachstumspotenzial. Daher will sich Bühlbecker nun verstärkt neue Auslandsmärkte erschließen. Chancen sieht er da einerseits in Osteuropa, andererseits in den USA. In Russland hat der Lambertz-Chef bereits Präsident Wladimir Putin (Geeintes Russland) mit Stollen umgarnt, den der noch aus seiner KGB-Zeit in Dresden kennt. „Und ich habe den Eindruck gewonnen: Was Putin gut findet, findet dann auch rasch das ganze Land gut“, meint Bühlbecker.

Bühlbecker hofft auf Biden

In den USA hofft er nun ganz auf den Amtswechsel von Donald Trump (Republikaner) zu Joe Biden (Demokraten). Denn im Streit zwischen den USA und der EU um womöglich ungerechtfertigte Subventionen für Boeing beziehungsweise Airbus waren auch Lambertz und Dr. Quendt zwischen die Fronten geraten: Trump hatte mit 25-prozentigen Strafzöllen die zunächst so erfolgreiche Expansion deutscher Printen, Stollen und Lebkuchen in nordamerikanischen Supermarktketten wie Walmart ausgebremst. „Ich hoffe, dass der neue Präsident für Kompromissvorschläge empfänglicher ist“, sagt Bühlbecker.

In China bekommt Lambertz kaum einen Fuß in die Tür

Eher schwierig gestalte sich der erhoffte Siegeszug deutscher Weihnachtsleckereien in Asien: In Vietnam und Japan konnten die Lambertz-Gruppe zwar etwas verkaufen, in China und in Arabien konnten die Spezialitätenbecker dagegen bislang kaum Fuß fassen. „Man darf sich da als Familienunternehmen auch nicht überheben“, hat der Lambertz-Chef eingesehen.

Preise für Kakao steigen

Sorgen bereiten ihm eher die wachsenden Einkaufspreise für Kakao, Schokolade, Butter und andere Zutaten. Die Produkte von Dr. Quendt seien davon allerdings weniger abhängig als die Printen-Fabriken, daher seien im Dresdner Sortiment wahrscheinlich vorerst keine Preiserhöhungen notwendig, versicherte Bühlbecker. Zu hoffen sei aber auch darauf, dass bald wieder Lebensmittel-Messen mit Publikumsverkehr stattfinden können. Bühlbecker: „Süßwaren zu probieren funktioniert nun mal nicht so gut übers Internet.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Interview Bühlbecker/ Lambertz, Dr. Quendt, Oiger-Archiv

Zum Weiterlesen:

Süßigkeiten-König Bühlbecker wird 70

Wo Quendt heute Stollen bäckt, tobte 1989 ein Streit zwischen DDR-Staatsmacht und Bürgern um ein reinstsiliziumwerk

Dresdner Stollen für Putin