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20 Millionen Dollar für Dresdner Chipfirma „FMC“

Die "Ferroelectric Memory Company" (FMC) hat ihren Sitz in Dresden. Foto: FMC

Die “Ferroelectric Memory Company” (FMC) hat ihren Sitz in Dresden. Foto: FMC

Technologiekonzerne wie Bosch und Hynix beteiligen sich an Ausgründung der TU Dresden

Dresden, 17. November 2020. Das junge Dresdner Halbleiterunternehmen „Ferroelectric Memory GmbH“ (FMC) erhält von einem internationalen Risikokapital-Konsortium, an dem sich auch Bosch und Hynix beteiligen, 20 Millionen Dollar (16,8 Millionen Euro). Mit diesem Geld will die TU-Ausgründung nun ihre innovative Speicherchiptechnologie auf Hafniumoxid-Basis weiterentwickeln, international vermarkten und ihre Belegschaft in Sachsen verdreifachen. Das geht aus Mitteilungen von FMC und Bosch hervor.

Ingo Ramesohl ist Geschäftsführer der Bosch-Tochter RBVC. Foto: RBVC

Ingo Ramesohl ist Geschäftsführer der Bosch-Tochter RBVC. Foto: RBVC

Superschneller Speicher interessant für KI und Industrie 4.0

„Mit einem Stromverbrauch von nahezu Null und einer schnellen Zugriffsgeschwindigkeit verfügt die Technologie von FMC über einzigartiges Potenzial“, betonte Geschäftsführer Ingo Ramesohl von der Bosch-Risikokapitaltochter „Robert Bosch Venture Capital GmbH“ (RBVC), die sich an der Millionen-Spritze für die Dresdner Uni-Ausgründung beteiligt. Die superschnelle Speichertechnologie von FMC könne zum Beispiel bei der Analyse großer Datenmengen durch Künstliche Intelligenzen (KI), beim autonomen Fahren und in den hochautomatisierten Fabriken der „Industrie 4.0“ helfen.

Internationales Potenzial

Ähnlich sieht das Paul-Josef Patt vom Risikokapitalisten Ecapital. „Mit dieser Finanzierungsrunde hat FMC sich über die gesamte Wertschöpfungskette respektablen Rückhalt verschafft“, erklärte er. Das Unternehmen habe damit „eine wichtige Basis dafür geschaffen, dass sich eine in Deutschland entwickelte Technologie mit grundlegendem globalem Potenzial auch auf dem Weltmarkt etablieren kann.“ Und FMC-Chef Ali Pourkeramati ist überzeugt: „Diese Finanzierungsrunde wird die Kommerzialisierung unserer Technologie in exponentiell wachsenden Märkten in den Bereichen KI, IoT, Embedded-Speicher und Hochleistungsrechenzentren beschleunigen.“

Elektronenmikroskopaufnahme eines fertigen ferroelektrischen Minischalters auf Hafnium-Basis. Abb.: NaMLab

Elektronenmikroskopaufnahme eines ferroelektrischen Minischalters auf Hafnium-Basis. Abb.: NaMLab

Wurzeln im Namlab der TU Dresden

Die Gründer von FMC hatten ihre Technologie ursprünglich am Nanoelektronik-Labor „Namlab“ der TU Dresden gemeinsam mit Globalfoundries Dresden entwickelt. Sie schafften es, stabile „ferroelektrische Feldeffekttransistoren“ (FeFET) aus kristallinem ferroelektrischen Hafniumoxid zu konstruieren. Die daraus zusammengesetzten Speicher brauchen keine Stromzufuhr, um sich Daten zu merken, sind aber etwa 1000 Mal schneller und verbrauchen rund 1000 Mal weniger elektrische Energie als heutige Flash-Speicher in Smartphones oder USB-Sticks.

Belegschaft soll sich bis 2022 mehr als verdoppeln

2016 gründeten die Uni-Ingenieure auf Basis dieser Innovation die FMC, die zunächst im „Impact Hub“ am Hauptbahnhof und seit 2019 im städtischen Nanocenter im Halbleiter-Norden von Dresden sitzt. Derzeit hat die FMC etwa 23 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Bis Ende 2022 soll die Belegschaft auf 62 Köpfe wachsen.

Das Team der Dresdner "Ferroelectric Memory Company“ (FMC) mit Schaltplänen ihrer innovativen Speicherchips. Foto: Katharina Grottker für FMC

Das Archivfoto zeigt das ursprüngliche Team der Dresdner “Ferroelectric Memory Company“ (FMC) mit Schaltplänen ihrer innovativen Speicherchips. Foto: Katharina Grottker für FMC

FMC verfolgt allerdings – zumindest derzeit – nicht den Plan, seine Hafnium-Transistoren in einer eigenen Speicherfabrik zu verwerten. Vielmehr lizenzieren die Dresdner ihre Technologie an andere Halbleiter-Hersteller wie Globalfoundries, die die schnellen FMC-Speicher in andere Chip-Lösungen integrieren wollen.

An der jüngsten Finanzierungsrunde beschäftigten sich dem FMC-Stamminvestor Ecapital auch der deutsche Technologiekonzern, der südkoreanische Speicherchipkonzern Hynix sowie „M Ventures“, „imec.xpand“ und „TEL Venture Capital“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: FMC, Bosch, Oiger-Archiv

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