Medizin & Biotech, News, Wirtschaft, zAufi

Heilmittel-Hersteller Bombastus aus Freital steigt in Online-Handel ein

Salbeiblütenernte 2016 bei Bombastus in Freital. Foto: Sabine Mutschke für Bombastus

Salbeiblütenernte 2016 bei Bombastus in Freital. Foto: Sabine Mutschke für Bombastus

Der Direktvertrieb soll Umsatzeinbußen im Apothekengeschäft seit Corona ausgleichen

Freital, 24. Juni 2020. „Bombastus“ aus Freital will in den Internet-Handel einsteigen. Das hat Vertriebsleiter Wieland Prkno angekündigt. „Veränderungen sind absehbar“, sagte er. „Wir denken Direktbestell-Möglichkeiten per Onlineshop-Lösung nach.“

Salben und Tees bisher exklusiv über Apotheken vertrieben

Bisher hatte das Heilmittel-Unternehmen seine Salben, Kosmetiköle, Tees und anderen Produkte fast ausschließlich über Apotheken und Versandapotheken vertrieben. Die gute Zusammenarbeit mit den Apothekern wolle Bombastus auch keineswegs aufgeben, betonte der Vertriebschef. Aber durch die Umsatzeinbußen während der Corona-Krise müsse man sich nun zusätzliche Vertriebswege suchen – wie eben den Verkauf über das Internet.

Vertriebsleiter Wieland Prkno vor dem Informationszentrum von Bombastis in Freital. Foto: Heiko Weckbrodt

Vertriebsleiter Wieland Prkno vor dem Informationszentrum von Bombastus in Freital. Foto: Heiko Weckbrodt

15 % weniger Umsatz seit der Pandemie

Teilweise sei in den Apotheken der Verkauf von rezeptfreien Sortimenten um ein Drittel zurückgegangen. „Anders als vor Corona bleiben die Kunden nicht mehr lange in den Apotheken, um sich noch umzusehen, sondern holen sich nur das Nötigste“, vermutet Prkno. Die vergleichsweise beliebten Bombastus-Produkte habe es zwar nicht ganz so stark getroffen wie andere Sortimente – aber auch 15 Prozent Umsatzrückgang seien nicht einfach zu verkraften.

Wechsel aus Trockenheit und Kälteeinbrüchen beschert magere Salbeiernten

Zudem setzen derzeit schlechte Salbeiernten die Freitaler ohnehin schon unter Druck, ausgelöst vor allem durch die Trockenheiten und andere Wetterunbilden der jüngsten Vergangenheit. „Bisher konnten wir das durch unsere Bestände aus Vorjahren ausgleichen“, erklärte Prkno. Aber ewig dürfe das so nicht weitergehen.

Weil die Auflagenschraube anzieht, lohnt sich Anbau mancher Zutaten nicht mehr

Zudem haben die Sachsen wachsende Probleme mit Zutaten, die das Freitaler Unternehmen aus dem Ausland zukauft: Wegen immer strengerer Auflagen und Prüfvorschriften aus dem EU-Raum lohne sich für viele Stamm-Zulieferer in Osteuropa und Asien der Anbau von einigen Kulturen nicht mehr, die Bombastus für seine Tees und andere Produkte brauche, sagte der Vertriebsleiter. Beispielsweise sei es immer schwerer, an Malvenblätter in den nötigen Mengen und Qualitäten heranzukommen. „Weil wir manches nicht mehr einkaufen können, sind einige Tees aus unserem Sortiment derzeit nicht mehr lieferbar.“

Über Bombastus

Ein besonderer Qualitätsanspruch hat die Bombastus-Werke seit ihrer Gründung vor 116 Jahren immer begleitet: 1904 als Manufaktur für kosmetische Präparate zur Mund-, Zahn-, Haut- und Haarpflege entstanden, hatte sich das Unternehmen den naturheilkundlichen Prinzipien des Arztes Bombastus „Paracelsus“ von Hohenheim verschrieben. Kernprodukte waren und sind Arzneimittel aus der Salbeipflanze. Inzwischen ist das Sortiment allerdings stark gewachsen: Hatte das 1972 verstaatlichte Unternehmen zu DDR-Zeiten „nur“ 44 Produkte, sind es heute 639. Rund die Hälfte davon, nämlich 347, sind für den Endkundenmarkt bestimmt. Daneben ist Bombastus für viele Apotheken ein wichtiger Zulieferer von Salben-Grundlagen.

Auch Taiwanesen schätzen Qualität aus Sachsen

Den größte Teil der Umsätze realisieren die Freitaler im Inland. Die Exportquote schwankt zwischen vier und sieben Prozent. „In Taiwan zum Beispiel sind unsere ätherischen Öle, Mundpflegen und Leber-Galle-Tees sehr beliebt, auch in Hongkong“, sagte Prkno. „Dort schätzt man deutsche Qualitätsarbeit.“ Jüngere Bemühungen, auch in den chinesischen und mexikanischen Markt einzusteigen, habe die Corona-Krise allerdings vorerst ausgebremst. 2019 kam das Unternehmen auf 12,6 Millionen Euro Umsatz. Bombastus beschäftigt derzeit 155 Mitarbeiter. Damit hat sich die Belegschaft seit DDR-Zeiten mehr als verdoppelt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Interview Prkno, Bombastus

Zum Weiterlesen:

Über ein Drittel kauft Arznein in Netz

Salbei-Duft von der Adria für des Kaisers Soldaten

Biosaxony fordert neue Biotech-Offensive in Sachsen

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt