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Dresdner entwickeln Obstroboter

Der Elwobot der TU Dresden bewegt sich auf vier Rädern durch die Obstplantagen und behandelt dabei die Pflanzen. Wenn er nicht gerade nachladen muss, könnte der elektrisch angetriebene Roboter Tag und Nacht durcharbeiten - ähnlich wie die inzwischen schon weit verbreiteten Rasenmäher-Roboter. Foto: TU Dresden

Der Elwobot der TU Dresden bewegt sich auf vier Rädern durch die Obstplantagen und behandelt dabei die Pflanzen. Foto: TU Dresden

TU und Landesamt wollen den „Elwobot“ zum autonomen Pflanzenschützer weiterentwickeln

Dresden, 26. Mai 2020. Wenn Bauern keine Erntehelfer mehr finden wie jüngst in der Corona-Krise, können sie in Zukunft womöglich Roboter auf die Obstplantagen und Weinberge schicken. Mit Blick darauf haben Landmaschinenbauer der TU Dresden den „Elwobot“ entwickelt. Apfel oder Weintrauben ernten kann dieser Roboter zwar noch nicht, aber zumindest schon Pflanzenschutzmittel in den Gärten verteilen und Fahrgassen für den Winter mulchen. In einem 1,8 Millionen Euro teuren Kooperationsprojekt wollen nun das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und die TU Dresden den Agrarroboter binnen vier Jahren so weiterentwickeln, dass er auf Plantagen in Echtzeit Anweisungen entgegennehmen und eigenverantwortlich ausführen kann. Das hat das LfULG mitgeteilt.

Wird der Elwobot ein Standard auf den Feldern wie die Mähroboter in Gärten?

Das Konzept: Der Dresdner Elwobot patrouilliert auf vier Rädern durch die Obstplantagen und behandelt dabei die Pflanzen. Wenn er nicht gerade nachlädt, kann der batterie- oder dieselelektrisch angetriebene Roboter Tag und Nacht durcharbeiten – ähnlich wie die inzwischen schon weit verbreiteten automatischen Rasenmäher. „Der Roboter überwacht, wie voll sein Akku und der Tank mit dem Pflanzenschutzmittel noch sind“, erklärt LfULG-Projektkoordinator Christian Kröling. „Er entscheidet dann selbstständig, wann er zum Nachladen oder Nachfüllen zurückfahren muss.“

Die Basisversion vom
Elwobot in Aktion (Video: hw):

Roboter holt sich per 5G Tipps von einer bäuerlichen künstlichen Intelligenz

Damit er später doch noch das Ernten und andere bäuerliche Arbeiten lernen kann, haben die Ingenieure um Professor Thomas Herlitzius am TU-Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik die Elwobot-Basisversion als rollende Technologieplattform konstruiert, die flexibel umrüstbar ist. Der Elwobot für das LfULG-Projekt beispielsweise wird mit künstlichen Augen und großen Düsen ausgestattet. Mit seinen 2D- und 3D-Lasersensoren tastet er die Astformen und Blätterwerke der Obstbäume ab, um schwächelnde Pflanzen zu erkennen, die er dann gezielt besprühen kann. Ratschläge holt er sich dafür per 5G-Mobilfunk von einem Zentralcomputer, der als bäuerliche künstliche Intelligenz geschult ist. Seine Feuertaufe in der Praxis soll der Elwobot im sächsischen 5G-Agrar-Testfeld zwischen Köllitsch und Ablaß bestehen, teilte Christian Kröling mit. Für Plantagen voller Funklöcher wollen die Dresdner Ingenieure den Roboter alternativ per Lokalfunk mit dezentralen Rechnerwolken („Edge Clouds“) vernetzen.

So etwa stellen sich die Sachsen den Feldschwarm vor: Ein bemanntes Fahrzeug umgeben von autonomen Feldmaschinen. Abb.: WTK

So etwa stellen sich die Sachsen den Feldschwarm vor: Ein bemanntes Fahrzeug umgeben von autonomen Feldmaschinen. Abb.: WTK

Sachsen will zurück in die Landmaschinen-Spitzenliga

Der „Elwobot“ ist Teil einer agrartechnischen Offensive, mit der Sachsen wieder zu einem wichtigen Landmaschinenhersteller aufsteigen will. Im Fokus stehen diesmal aber nicht Riesen-Mähdrescher wie seinerzeit vom „Fortschritt“-Kombinat, sondern autonome, vernetzte Roboter, die als flexible Ernteschwärme über die Felder ziehen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: LfULG, Oiger-Archiv