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Bibliotheken forcieren Wandel zum Bildungsort 2.0

Arend Flemming, Foto: Heiko Weckbrodt

Arend Flemming, Foto: Heiko Weckbrodt

Direktor will mehr Videoströme, längere Öffnungszeiten und mehr Aufenthaltsqualität

Dresden, 28. Januar 2020. Direktor Arend Flemming will die städtischen Bibliotheken in Dresden 2020 und in den Folgejahren weiter zum Bildungsort 2.0 umbauen. Geplant sind beispielsweise ambitionierte Video-Streamingdienste, mehr elektronische Angebote, längere Öffnungszeiten und zusätzliche, teils digital basierte Schulbibliotheken.

Für die “Generation Netflix” attraktiv bleiben

Die Idee hinter diesem Transformationsprozess: Damit Leihbüchereien im Digitalzeitalter nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, müssen sich die Bibliotheken zu Orten mit hohem Erlebniswert wandeln. Zu Räumen, in denen neugierige Menschen nicht nur Bücher ausleihen, sondern an denen man sich trifft, lernt und Neues ausprobiert. Rückendeckung bekommt Flemming für diesen Kurs durch Annekatrin Klepsch (Die Linke): Dresden müsse dafür sorgen, dass die Bibliotheken interessant bleiben für die „Generation Neflix“, die mit den digitalen Bequemlichkeiten kommerzieller Streaming-Dienste aufwächst, betonte die Kulturbürgermeisterin.

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55 % mehr Leser durch längere Öffnungszeiten

Eingeschlagen hatten die kommunalen Bibliothekare diesen Kurs bereits, als sich die Jugendbibliothek zur „Medien@age“ wandelte und schließlich in der neuen Zentralbibliothek neuen Typs im Kulturpalast aufging. Auch mit dem neuen Öffnungskonzept „7/10“ hat Flemming gute Erfahrungen gemacht: Seitdem die Pilot-Bibliothek Süd sieben Tage pro Woche jeweils 10 bis 22 Uhr geöffnet habe, seien die Besucherzahlen dort um 55 Prozent gestiegen. Daher will der Direktor bis zum Jahresende eine weitere Stadtteilbibliothek auf überlange Öffnungszeiten umstellen, in den Folgejahren dann jeweils zwei pro Jahr.

13 neue Schulbibliotheken

Auch an den Schulen stehen Änderungen bevor: In diesem Jahr sollen 13 weitere Schulbibliotheken öffnen, darunter erstmals auch eine an einer Förderschule. Dass sich eine besondere Leseförderung für Kinder und Jugendliche langfristig auszahle, lasse sich inzwischen auch an den Statistiken ablesen: „In Dresden gab es im vergangenen Jahr drei Prozent mehr Kinder. In die Bibliotheken kamen aber sogar vier Prozent mehr Kinder“, berichtete Flemming. Ähnlich überdurchschnittlich wachse die Zahl der jugendlichen Bibliotheksnutzer. „Unsere Leseförderung macht sich bemerkbar“, ist er überzeugt.

“eBooks gehen durch die Decke“

Dabei steht für die Bibliothekare längst nicht mehr nur das klassische Papier-Buch im Fokus, sondern auch elektronisch publizierte Literatur. Das veränderte Leseverhalten spiegelt sich in den Statistiken: Während die Entleihzahlen insgesamt in den Städtischen Bibliotheken im vergangenen Jahr um gerade mal 0,6 Prozent auf 5,416 Millionen Entleihungen stiegen, legten die elektronischen Bücher um 13 Prozent zu. „Die eBooks gehen regelrecht durch die Decke“, sagte Flemming.

Bildschirmfoto von der Startseite von Medici.tv (Screenshot: Heiko Weckbrodt)

Bildschirmfoto von der Startseite von Medici.tv (Screenshot: Heiko Weckbrodt)

Die Leute wollen keine Scheiben mehr

Attraktiver will er die Bibliotheken aber auch für all jene machen, die sich daran gewöhnt haben, Filme, Serien und Musik als Datenströme im Internet zu konsumieren. „Die Welt dreht sich nun mal weiter und die Leute wollen keine Scheiben mehr“, berichtet der Bibliotheken-Direktor. Deshalb baue er die DVD- und CD-Bestände langsam ab. Statt dessen gibt es künftig mehr Video- und Musik-Ströme auf dem eigenen Netzportal der Dresdner Bibliotheken: Nachdem registrierte Leser dort bereits über „Naxos“ und „Medici.tv“ klassische und Jazz-Musik gratis abrufen können, will Flemming im März auch das Rock- und Popangebot von „Freegal“ freischalten. Später folgt „Filmfriend“, kündigte der Direktor an. Konkurrenz will er den kommerziellen Anbietern damit nicht machen: Statt Hollywood Blockbuster gibt es über dieses Portal nur Videoströme mit Literaturverfilmungen und Independent-Filmen zu sehen.

Heiko Weckbrodt