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Grönlands Eispanzer schmilzt immer schneller

Schmelzwasserstrom in Grönland. Foto: Ian Joughin

Schmelzwasserstrom in Grönland. Foto: Ian Joughin

Dresdner Forscher an internationaler Studie beteiligt

Dresden/Nuuk, 10. Dezember 2019. Grönland verliert heute siebenmal schneller Eis als noch in den 1990er Jahren. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die ein Wissenschaftlerteam – darunter Dresdner Forscher – heute in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht hat. Darauf hat die Technische Universität Dresden (TUD) hingewiesen.

Jährliche Schmelzrate auf 254 Milliarden Tonnen geklettert

Demnach hat Grönland seit 1992 rund 3,8 Billionen Tonnen Eis verloren – genug, um den globalen Meeresspiegel um 10,6 Millimeter zu erhöhen. Die Eisverlustrate ist von 33 Milliarden Tonnen pro Jahr in den 1990er Jahren auf zuletzt 254 Milliarden Tonnen pro Jahr gestiegen, berichteten die Wissenschaftler.

Daten von Satelliten und Feldmissionen ausgewertet

Hinter der Analyse steht ein Team von 96 Polarforschern aus 50 internationalen Wissenschaftseinrichtungen, darunter die TU Dresden. Für die Vergleichsstudie „Ice Sheet Mass Balance Inter-Comparison Exercise (IMBIE)“ stützten sich die Forscher auf 26 verschiedene Erhebungen, um Änderungen des Grönländischen Eisschilds zu berechnen. Dabei verwendeten sie Daten von elf Satellitenmissionen.

„Grace beobachtet kleinste Änderungen der Gravitationskraft“

Wissenschaftler der Professur für Geodätische Erdsystemforschung an der TU Dresden werteten dafür die Daten der Satellitenmission „Grace“ (Gravity Recovery and Climate Experiment) aus den Jahren 2003 bis 2016 aus. Außerdem stützten sie sich auf eigene Feldmessungen. „Grace beobachtet kleinste Änderungen der Gravitationskraft“, erklärte Dr. Andreas Groh von der TU Dresden. „Diese entstehen, wenn Massen in bestimmten Gebieten zu- oder abnehmen. Aus diesen Beobachtungen können wir auch auf die Änderungen der Eismassen in Grönland schließen.“

Verschiedene Messverfahren führten zu den gleichen Ergebnissen

„Die unterschiedlichen Messverfahren, die in der Studie zusammengeführt werden, liefern übereinstimmende Ergebnisse“, betonte Prof. Martin Horwath. „Wir können also die Eismassenverluste Grönlands zuverlässig quantifizieren. Diese tragen zirka 22 Prozent zum derzeitigen globalen Meeresspiegelanstieg bei und bewirken auch, dass sich der Anstieg beschleunigt.“

Quelle: TUD