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Dresden will alle Bibliotheken auch sonntags öffnen

Blick in die neue FSüd-Bibliothek in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick in die neue FSüd-Bibliothek in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Süd-Bibo als Pilotprojekt in neuem Domizil am Münchner Platz gestartet

Dresden, 11. November 2019. Spätestens ab 2025 sollen alle Stadtteilbibliotheken in Dresden sieben Tage pro Woche geöffnet sein – also auch sonntags und an bisherigen Schließtagen. In den Abendstunden verwandeln sich dann in Stadtteilzentren. Diese Ziele hat nun der Direktor der Städtischen Bibliotheken ausgegeben. „Das ist die Zukunft“, sagte Arend Flemming. Für Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) ist dieses Konzept ein wichtiger Baustein für die Dresdner Kulturhauptstadt-Bewerbung.

1. Kommunalbibliothek in Sachsen mit 7-Tage-Öffnungszeiten

Als Pilotprojekt dafür ist am Montag die Bibliothek Südvorstadt in ihrem neuen Domizil am Münchner Platz im Modus „Bibo 7/10“ gestartet. Das Kürzel steht dabei für Bibliotheken, die 7 Tage in der Woche jeweils 10 bis 22 Uhr geöffnet sind. Die zwei Stunden davor sind für Besuche von Kita-Kindern und Schulklassen reserviert. Außerdem können Vereine und Anwohner die Süd-Bibo fortan ab 18 bis 22 Uhr als Stadtteilzentrum für Chorauftritte, Schachwettbewerbe und andere Amüsements nutzen. Insofern kommt die Bibliothek damit schon fast an eine „rollende Woche“ heran. „Die Süd-Bibo ist die erste kommunale Bibliothek in Sachsen, die solche Öffnungszeiten anbietet“, betonte der Direktor der städtischen Bibliotheken. Auch deutschlandweit gebe es kaum Vorbilder dafür.

Arend Flemming, Foto: Heiko Weckbrodt

Arend Flemming, Foto: Heiko Weckbrodt

Privatwächter statt Bibliothekare sind außerhalb der Kernöffnungszeiten präsent

Da Flemming kein Geld hat, um zusätzliche Bibliothekarinnen anheuern, und eine echte „rollende Woche“ mit dem Arbeitszeitgesetz kollidieren würde, passen ab sofort Wächter eines privaten Sicherheitsdienstes außerhalb der Kernöffnungszeiten auf die Bibliothek auf. „Dieses Modell sich schon in der Zentralbibliothek bewährt“, betonte Flemming. Seit dem Umzug der Hauptbibliothek in den Kulturpalast sichern dort nämlich solche Privatwächter die Rückgabe-Automaten ab, die rund um die Uhr zugänglich sind.

Direktor Flemming rechnet mit 40.000 Euro Zusatzkosten pro Bibliothek

Die Zusatzkosten für den Sieben-Tage-Modus kalkuliert der Direktor auf etwa 40 000 Euro pro Jahr. Die Extra-Öffnungszeiten an den Abenden können die jeweiligen Stadtbezirks-Räte bei Bedarf aus ihren lokalen Budgets bezahlen . „Vielleicht entschließt sich aber auch der Stadtrat, dieses Modell für ganz Dresden durchzufinanzieren.“ Darauf hofft ebenfalls Bürgermeisterin Klepsch: „Wir legen diese Vorschläge dem Stadtrat im kommenden Jahr mit dem neuen Bibliotheken-Entwicklungsplan vor“, kündigte sie an. „Dann werden wir sehen, ob er das Geld dafür bereitstellt.“ Ein starkes Filialnetz sei jedenfalls für die lesefreudigen Dresdner sehr wünschenswert – insbesondere, wenn diese Stadtteilbibliotheken gleichzeitig auch als Stadtteilzentren, als nichtkommerzielle Begegnungsorte für die Menschen fungieren.

Die Bibliothek Dresden Südvorstadt hat nach langer Suche ein größeres Domizil am Münchner Platz bezogen. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Bibliothek Dresden Südvorstadt hat nach langer Suche ein größeres Domizil am Münchner Platz bezogen. Foto: Heiko Weckbrodt

Über zehn Jahre nach geeignetem neuen Standoirt gesucht

Lange, lange hat es allerdings gedauert, bis die Süd-Bibliothek zu solch einem Begegnungsort neuen Typs werden konnte: 1958 am Nürnberger Ei gegründet, entwickelte sie sich in der Folge zu einem beliebten Anlaufpunkt, Veranstaltungsort und zu einer der ausleihstärksten Stadtteilbibliotheken in Dresden. Aber sie wurde eben auch Opfer des eigenen Erfolges. Etwa ab der Jahrtausendwende war es kaum noch zu übersehen: Die Altbauräume waren zu klein für den wachsenden Ansturm. Bei Lesungen beispielsweise mussten sich die Literaturfreunde zwischen enggestellte Buchregalreihen quetschen.

Die Suche nach einem neuen, größeren Domizil in der Nähe zog sich über eine Dekade hin, immer wieder hagelte es Absagen und Enttäuschungen. „Leider haben wir Nürnberger Ei dann doch keine bezahlbaren Räume gefunden“, bedauert Flemming. „Da hat das Nürnberger Ei eben Pech gehabt.“ Letztlich erwies sich ein Neubau am Münchner Platz als Treffer: 390 statt bisher 174 Quadratmeter stehen den Lesern und Bibliothekarinnen dort nun zur Verfügung, in lichten Räumen, die endlich auch einen großzügigeren Veranstaltungsbetrieb zulassen – und eben auch die „rollende Woche“.

Nur ein Wermutstropfen bleibt: Das zweimal geköpfte und wieder reparierte Denkmal „Das lesende Mädchen“, das eigentlich untrennbar mit der Süd-Bibo verbunden schien, blieb auf der Wiese vor dem alten Standort zurück. Zumindest ein großformatiges Foto erinnert aber am neuen Standort an das alte „Maskottchen“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Recherche, Interview Flemming, Oiger-Archiv