News, Wirtschaftspolitik, zAufi

Bund siedelt Agentur für Sprunginnovationen in Leipzig an

Wie stark verändert Künstliche Intelligenz unseren Planeten?. Foto: geralt, Pixabay.com, Lizenz: CC0

Wie stark verändert Künstliche Intelligenz unseren Planeten?. Foto: geralt, Pixabay.com, Lizenz: CC0

Rund 100 Millionen Euro Jahresbudget versprochen

Leipzig/Berlin, 18. September 2019. Die Bundesregierung richtet eine neue Agentur für Sprunginnovationen in Leipzig ein. Das haben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) mitgeteilt. In der als GmbH organisierten Agentur sollen bis zu 50 Spezialisten „bahnbrechenden Innovationen ,made in Germany’ zum Durchbruch verhelfen“ – und dies möglichst rasch, hieß es von den Ministern. Der Bund werde dafür eine Milliarde euro, verteilt über zehn Jahre, zur Verfügung stellen.

Gründungsdirektor Rafael Laguna de la Vera habe sich klar für Sachsen entschieden, betonte Karliczek. „Leipzig steht für Zukunft und beweist, dass die ostdeutschen Länder Orte der Innovation sind.“ Rafael Laguna de la Vera ist Unternehmer und stammt ursprünglich aus Leipzig.

„Die Stadt hat sich als bundesweit nachgefragter, dynamischer und risikofreudiger Standort im Start-up-Bereich entwickelt“, kommentierte die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) die Standortentscheidung für Leipzig. „Quirlige Kunstszene, Start Ups und Kultur- und Kreativwirtschaft befruchten sich gegenseitig. Forschungsthemen wie unter anderem Informatik, Künstliche Intelligenz, Umweltschutz, Biodiversität, Medizin und Lebenswissenschaften werden in der Stadt mit vorangetrieben. In der Stadt herrschen ein weltoffenes Klima und ein auf die Zukunft gerichteter Geist. Das ist ideal, um die wissenschaftlichen Entdeckungen zu identifizieren, die sich wirtschaftlich und gesellschaftlich verwerten lassen und in Unternehmensgründungen münden.“

Bitkom: Auf disruptive Technologien konzentrieren – aber nicht nach dem Gießkassen-Prinzip fördern

Der deutsche Digitalwirtschaftsverband „Bitkom“ aus Berlin begrüßte die Entscheidung, kritisierte aber auch: „Die intensiv geführte Diskussion über den Ort hat erneut gezeigt, dass wir hierzulande immer noch zu viel Zeit und Energie auf Nabelschau und innerdeutschen Wettbewerb verwenden. Bei Disruptionen und Sprunginnovationen stehen aber nicht deutsche Städte oder Bundesländer im Wettbewerb untereinander, es geht um den Wettbewerb Deutschlands mit den Tech-Hotspots dieser Welt wie dem Silicon Valley und Shenzhen oder Boomregionen wie Tel Aviv oder Mumbai. Auf diesen Wettbewerb muss die Agentur für Sprunginnovationen jetzt ihr Augenmerk richten. Dabei sollte sie nicht versuchen, mit der Gießkanne überall tätig zu werden, sondern sich eher auf wenige Projekte konzentrieren.“

Was ist eine disruptive Technologie?

Als “disruptiv” bezeichnet man Technologien, die einen ganzen Markt verändern oder ganz neue Geschäftsmodelle wachsen lassen. Ein Beispiel für solch eine bahnbrechende Technologie, die in Deutschland entwickelt wurde, deren Marktpotenzial aber erst in den USA voll verwertet wurde, ist die MP3-Komprimierungstechnik für Dateien. Von Fraunhofer entwickelt, bescherte sie der Forschungsgesellschaft zwar wichtige Lizenzeinnahmen. Aber sie krempelte erst in Amerika und dann weltweit den Musikmarkt um, weil damit neue Verteilwege für Musik möglich wurden.

Autor: hw

Quellen: SMWK, BMWi, Bitkom, BMBF