Bücherkiste, zAufi

Die Weide kämmt Nexö in Dresden das Haar

Die 3. „Literatour“ des Dresdner Verlages Edition Freiberg, anlässlich des 150. Geburtstages von Martin Andersen-Nexö führte zu seinem Denkmal in der Dresdner Haydnstraße. Zu den Gratulanten gehörten Regina Sehmisch, Dr. Gisela Hunger, Heinz Kulb, Martina Schuppe, Gerlinde Freiberg, Sigrid Pellegrini, Gerhard Hunger und Heinz Freiberg (v.l.n.r.) Ebenfalls mit dabei waren Simone Walter und Claudia Atts (nicht im Bild). Foto: Jürgen Münster, Dresden

Die 3. „Literatour“ des Dresdner Verlages Edition Freiberg, anlässlich des 150. Geburtstages von Martin Andersen-Nexö führte zu seinem Denkmal in der Dresdner Haydnstraße. Zu den Gratulanten gehörten Regina Sehmisch, Dr. Gisela Hunger, Heinz Kulb, Martina Schuppe, Gerlinde Freiberg, Sigrid Pellegrini, Gerhard Hunger und Heinz Freiberg (v.l.n.r.) Ebenfalls mit dabei waren Simone Walter und Claudia Atts (nicht im Bild). Foto: Jürgen Münster, Dresden

Mit einer „Dresdner Literatour“ erinnerten Literaturfreunde an den Dänen

Dresden. Martin Andersen-Nexö liebte die Wärme, den Süden, die Sonne, die Menschen und die Bäume auch. An seinem 150. Geburtstag am 26. Juni wäre ihm bestimmt das Lutherwort in den Sinn gekommen: „Schlag’ den Baum nicht ab, von dem du Schatten hast.“ Mit einer „Literatour“ gedachten Dresdner Literaturfreunde des dänischen Schriftstellers. Sie fanden sich an diesem heißen Junitag zu einer kleinen Gedenk- und Geburtstagsfeier – mit Lesung unter freiem Himmel – am Martin Andersen-Nexö-Denkmal in der Dresdner Haydnstraße ein.

Die „Unentwegten“ nahmen sich kein hitzefrei, obwohl dies – bei fast 40°C im Schatten – mehr als verständlich gewesen wäre. Zahlreiche Dresdner Autorinnen und Autoren bedauerten es sehr, nicht mit dabei sein zu können und bleiben vernünftigerweise in ihren vier Wänden. Alle, die kamen, hatten sich vorbereitet, und die meisten von ihnen lasen aus den Werken von Nexö. So Dr. Gisela Hunger, Sigrid Pellegrini, Heinz Kulb, Martina Schuppe, Claudia Atts und der Autor dieses Berichts.

Stadt würdigte ihren Ehrenbürger bis 1990 mit einem Kunstpreis

Heinz Freiberg erinnerte an die letzten Jahre des dänischen Schriftstellers in Dresden, die engen Beziehungen der Familie Andersen-Nexö zur Familie Zimmering und die Auszeichnung des Dichters 1951 mit dem Nationalpreis der DDR. Ein Jahr vor seinem Tode am 1. Juni 1954 wurde Martin Andersen-Nexö zum Ehrenbürger der Stadt Dresden ernannt. Mehr als drei Jahrzehnte (von 1959 bis 1990) wurde in der Landeshauptstadt jährlich der „Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis“ an verdienstvolle Kulturschaffende vergeben.

Mit der „Wende“ war Schluss damit. Passte der „rote Däne“ nun nicht mehr zu den Dresdner Stadtfarben Schwarz-Gold? Ich reiche diese Frage gern weiter, auch, wenn zu befürchten ist, dass ich darauf keine Antwort erhalten werde.

Nexö-Denkmal soll ein Namensschild bekommen

Das Denkmal von Martin Andersen-Nexö in der Haydnstraße steht im Übrigen auf festem Grund, gleich neben dem Gymnasium mit dem klingenden Namen „MANOS“. Die Zweige der nahestehenden Trauerweide kämmen dem Dichter das Haar. Was ihm fehlt, ist ein kleines Namensschild, denn viele Betrachter der Skulptur denken nicht zuerst an ihn, sondern an Joseph Haydn, den Komponisten der Wiener Klassik. Doch das soll sich bald ändern, versichern die Schulleitung, der Förderverein und die Schüler des Gymnasiums.

Den Schöpfer des Bronzedenkmals, den Dresdner Bildhauer Rudolf Löhner (1890 bis 1971), würde das ganz gewiss freuen, denn auch sein Name ist auf den ersten Blick nicht zu entdecken. Das Standbild des „Arbeiterdichters“ im Stil zeitgenössischer Lenin-Skulpturen war sein letztes Werk, das er im Jahre 1969 geschaffen hat.

Autor: Heinz Freiberg

Martin Andersen-Nexö (1869-1952). Foto: Richard Peter, Deutsche Fotothek, Wikipedia, CC3-Lizenz

Martin Andersen-Nexö (1869-1952). Foto: Richard Peter, Deutsche Fotothek, Wikipedia, CC3-Lizenz

Nachtrag: Kurzvita Martin Andersen Nexö

Martin Andersen Nexø, später meist Andersen-Nexö geschrieben, gilt als wichtiger Autor der dänischen Arbeiterliteratur im 20. Jahrhundert. 1869 in Kopenhagen geboren, lernte er zunächst Schuhmacher, bildete sich aber auch in einer Volkshochschule weiter und begann für Zeitungen zu schreiben. Später arbeitete er als Lehrer und verfasste zahlreiche Romane und Erzählungen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Pelle der Eroberer“ und der von der Defa verfilmte „Lotterieschwede“.

Politisch vertrat Nexö kommunistische Positionen. Während der Nazi-Besetzung floh er in die Sowjetunion. 1951 ließ er sich in der DDR nieder, zunächst in Radebeul, dann in Dresden. In der DDR war der Autor aus Dänemark sehr populär. Zahlreiche Einrichtungen wurden nach ihm benannt, darunter die Dresdner Kinder- und Jugendbilbliothek “Martin Andersen-Nexö” sowie die Martin-Andersen-Nexö-Oberschule, die ab 1959 Erweiterte Oberschule (EOS) und nach der Wende ein Gymnasium wurde. hw