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Gegen den Hunger: Die Stadt wird zum riesigen Bauernhof

Prof. Stefan Streif von der TU Chemnitz  kontrolliert im Speziallabor für vernetzte Agrarsysteme die Bewässerung, das Beleuchtungsspektrum und die Belüftung einer hydroponischen Pflanzenkultur. Foto: Jacob Müller für die TU Chemnitz

Prof. Stefan Streif von der TU Chemnitz kontrolliert im Speziallabor für vernetzte Agrarsysteme die Bewässerung, das Beleuchtungsspektrum und die Belüftung einer hydroponischen Pflanzenkultur. Foto: Jacob Müller für die TU Chemnitz

Um wachsende Metropolen zu ernähren, wollen Agrarforscher Zucht-Container für Fische, Pilze und Pflanzen in den Städten stapeln

Chemnitz/Berlin, 27. Juni 2019: Um die wachsende Weltbevölkerung auch in Zukunft noch ernähren zu können, wollen Agrarforscher aus Chemnitz, Berlin und weiteren Standorten automatisierte Mini-Bauernhöfe in Städten und auf freien Feldern übereinander stapeln. Dafür möchten sie im Kooperationsprojekt „Cubes Circle“ Kreislauf-Zuchtsysteme für Fische, Pflanzen, Pilze und Insekten entwickeln. Diese „Agrarsysteme der Zukunft“ soll die Produktion der Nahrungsmittel wieder dorthin verlagern, wo das Essen größtenteils verspeist wird: in die urbanen Metropolen. Das geht aus einer Mitteilung der TU Chemnitz hervor.

Vertical Farming: Hoher Bodenertrag pro Hektar

„Das geht in Richtung ,Vertical Farming‘“, erklärte Systemdynamik-Professor Stefan Streif auf Oiger-Anfrage. „Wir wollen die Systeme in Standard-Containern unterbringen, so dass sie einfach zu transportieren und in die Höhe zu stapeln sind.“

So etwa sollen die hoch stapelbaren Produktionscontainer für Fisch, Pilz & Co. in den Städten aussehen. Viualisierung: Cubes Circle

So etwa sollen die hoch stapelbaren Produktionscontainer für Fisch, Pilz & Co. in den Städten aussehen. Viualisierung: Cubes Circle

„Weltweite Verknappung von Anbauflächen“

Denn um genug Vieh zu züchten und Getreide anzubauen, werden die Äcker und Weiden auf dem Planeten bald nicht mehr ausreichen, wenn die Menschheit – vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern – weiter so wächst wie in den vergangenen Jahren. „Die weltweit zunehmende Verknappung von Anbauflächen und das Wachstum der Weltbevölkerung kann nur teilweise durch den Fortschritt in der Tier- und Pflanzenzüchtung sowie der Effizienzsteigerung in der großflächigen Agrarproduktion kompensiert werden“, schätzten die Agrarexperten der TU Chemnitz ein.

Geschlossene Kreisläufe im Selbstlauf

Daher gelte es Lösungen zu finden, um Lebensmittel effizienter, mit weniger Ressourcen-Einsatz und mit weniger Platzverbrauch produzieren zu können. „Ein vielversprechender Weg ist die intelligente Vernetzung verschiedener agrarischer Produktionssysteme – wie zum Beispiel Fisch, Pflanze, Pilz und Insekt – zu einem Gesamtsystem mit weitgehend geschlossenen Energie- und Stoffkreisläufen“, meinen die Sachsen. Solche autonomen „Bauernhöfe im Container“ sollen ihre eigenen Reststoffe verwerten können und ihren Energiebedarf aus regenerativen Quellen speisen. „Alle Produktionsmodule dieses Gesamtsystems sind miteinander verbunden und können kommunizieren“, skizzierte Prof. Stefan Streif, Inhaber der Professur für Regelungstechnik und Systemdynamik der Technischen Universität Chemnitz, den dabei verfolgten Ansatz. „Die im System angestrebte Koppel- und Stapelbarkeit der Produktionseinheiten soll einen außergewöhnlich hohen Ertrag pro Flächeneinheit ermöglichen.“ Zudem soll es möglich sein, die Mini-Lebensmittelfabriken auch auf zubetonierten Flächen zu koppeln und zu stapeln.

Bund gibt 8 Millionen €

Konsortialführer „Cubes Circle“ ist die Humboldt-Uni Berlin. Die TU Chemnitz beteiligt sich an der technischen Umsetzung und am Test der Lösungen. Mit an Bord sind unter anderen die TU Braunschweig und die Supermarktkette Rewe. Das Bundesforschungsministerium fördert die Entwicklung der „Agrarsysteme der Zukunft“ mit etwa acht Millionen Euro.

Autor: hw

Quellen: Eigene Recherchen, TU Chemnitz, Konsortium Cube Circle