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Investoren stecken 25 Millionen Euro in Sunfire Dresden

Die Pilotanlage von Sunfire in Dresden-Reick hat mit der Dieselproduktion aus Luft, Wasser und Ökostrom begonnen. Foto: Sunfire/ Cleantech Media

Die Pilotanlage von Sunfire in Dresden-Reick hat mit der Dieselproduktion aus Luft, Wasser und Ökostrom begonnen. Foto: Sunfire/ Cleantech Media

Anlagenbauer Wurth aus Luxemburg will sich Öko-Wasserstoff sichern

Dresden/Luxemburg, 7. Januar 2018. Das Technologie-Unternehmen „Sunfire“aus Dresden hat mit dem Anlagenbauer „Paul Wurth“ aus Luxemburg einen weiteren Investor gefunden. In dieser neuen Runde haben die Dresdner insgesamt 25 Millionen Euro Risikokapital von den Luxemburgern und ihren bisherigen Finanziers eingenommen. Das geht aus einer Sunfire-Mitteilung hervor.

Über Sunfire

Sunfire entwickelt und produziert Anlagen, die bei hohen Temperaturen mit Ökostrom entweder Wasser in den Energieträger Wasserstoff und in Sauerstoff spalten (Elektrolyse) beziehungsweise mit Kohlendioxid-Abgasen weiter zu Diesel und anderen Treibstoffen verarbeiten. Viele der Anlagen aus Sachsen können den Prozess aber auch umkehren und aus Wasserstoff oder Kohlenwasserstoffen Energie gewinnen (Brennstoffzellen-Modus). Die Anlagen sind allerdings nicht ganz billig und der damit erzeugte Kraftstoff recht teuer – dessen Einsatz „lohnt“ sich bisher nur für Kunden, die damit ihre Ökobilanz aufbessern wollen. Sunfire selbst hat 130 Beschäftigte und macht keine Gewinne. Daher sind die Dresdner bereits seit der Gründung 2010 auf finanzielle Infusionen von Risikokapitalisten angewiesen.

Kapitalspritze soll Weg zum Industriemaßstab ebnen

Mit den nun eingeworbenen Millionen wollen die Dresdner ihre Elektrolyse- und Brennstoffzellen-Technologie endlich zur Großserienreife bringen. Sunfire werde „ab 2019 kommerzielle Multi-Megawatt-Großprojekte unter Einsatz der Hochtemperatur-Elektrolyse und der Power-to-Liquid-Technologie realisieren“, kündigte das Unternehmen an. „Mit unserer bislang größten Finanzierungsrunde stellen wir die Weichen auf Industrialisierung unserer in Pilotanlagen validierten Technologie“, teilte Sunfire-Chef Carl Berninghausen mit. „Wir spüren tagtäglich, wie das Interesse an unseren Lösungen für die Energiewende zunimmt.“

Dresdner realisierten bisher Pilotprojekte

Bisher hatten die Sachsen vor allem Pilotprojekte realisiert: Sie bauten eine große Testanlage auf ihrem Firmengelände in Dresden-Reick, in der sie beispielsweise elektrisch erzeugten Kraftstoff für Audi probeweise herstellten. Mit der Salzgitter AG testeten sie den Einsatz von Öko-Wasserstoff anstelle von Kohle als Reduktionsmittel im Stahlprozess. Auch versucht Sunfire gemeinsam mit Partnern in Skandinavien eine Großanlage für sogenannten eCrude-Kraftstoff einzurichten. Dieser Ersatz von Kohlen- durch Wasserstoff soll auch zu weniger Kohlendioxid-Ausstoß in dieser Industriebranche sorgen.

Industrie träumt vom grünen Stahl

Auch der neue Partner „Paul Wurth S.A.“ ist in diesem Sektor tätig. Er gehört zur SMS-Gruppe (weltweit 14.000 Mitarbeiter, drei Milliarden Euro Jahresumsatz) und baut Hochöfen und andere Anlagen für die Stahlindustrie. Wurth-Chef Georges Rassel sieht in der Partnerschaft mit den Sachsen eine Chance, „eine führende Rolle in der anstehenden Transformation der Stahlindustrie hin zu einer CO2-freien Stahlerzeugung zu spielen. Wir möchten unsere Kunden auch auf dem Weg zu einer wasserstoffbasierten Roheisenproduktion begleiten und dabei unterstützen, Klimaschutzziele zu erfüllen“.

Autor: Heiko Weckbrodt