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Bund drängt auf Batteriezell-Fabriken in Deutschland

Batteriezelle von Litarion, die später zu kompletten Batterien gestapelt werden. Die Zellen der Kamenzer galten zwar - ähnlich wie die von Li-tec - als hochwertig, aber wirtschaftlich waren sie nicht erfolgreich genug. Foto: Litarion.

Batteriezelle von Litarion. Foto: Litarion.

Wirtschaftsministerium sieht Energiespeicher mehr und mehr als Schlüsseltechnologie

Berlin/Brüssel/Kamenz, 15. Oktober 2018. Bereits seit geraumer Zeit drängen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und andere Wirtschaftspolitiker auf eine eigene Batteriezell-Großproduktion in Deutschland. Entsprechende Ansiedlungswünsche hat Wirtschafts-Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß auf einer Sitzung der „European Battery Alliance“ in Brüssel nun erneuert.

Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß. Foto: BMWI

Staatssekretärin Claudia Dörr-Voß. Foto: BMWI

„Batteriezellfertigung sichert Wertschöpfung in Deutschland“

„Batterien und Batteriezellen sind ein Schlüssel für zahlreiche neue Produkte – von der Smart Watch über Elektroautos bis hin zu Flugzeugen mit elektrischen Antrieben“, betonte Claudia Dörr-Voß. „Die Batteriezellfertigung sichert Wertschöpfung und Innovationen in Deutschland. Wenn wir gute Arbeitsplätze in der Industrie erhalten und neue schaffen wollen, müssen wir bei der Batteriezellfertigung ganz vorne mit dabei sein.“

Batteriebranche fest in der Hand von Asien und USA

Wenige Großunternehmen wie LG, Panasonic und Samsung in Asien sowie Tesla in den USA beherrschen derzeit weitgehend den Markt für Lithium-Ionen-Batterien und die Zellfertigung dafür. Vor allem für die deutsche Autoindustrie, aber auch für mittlere Zwischenspeicher in deutschen Stromnetzen gilt die Zell-Entwicklung und Produktion als technologiebestimmend. Bisher gibt es zwar viele deutsche Forschungsprojekte an modernen Energiespeichern. Aber Batteriefabriken wie die von Daimler im sächsischen Kamenz sind eher dünn gesät. Geplant sind chinesische Investitionen in der Bundesrepublik, auch hoffen die Wirtschaftsförderer auf eine Batterie-Großfabrik von Tesla im deutsch-französischen Grenzgebiet.

Visualisierungen der geplanten ID-Elektroautos von VW. Foto: VolkswagenVisualisierungen der geplanten ID-Elektroautos von VW. Foto: Volkswagen

Visualisierungen der geplanten ID-Elektroautos von VW. Foto: Volkswagen

Sachsen hoffen auf Ansiedlung in der Lausitz

Vor allem die Sachsen drängen aber auch auf den Aufbau einer eigenen Batteriezell-Fertigung in der Lausitz: Diese Region kämpft schon jetzt mit dem Braunhohle-Ausstieg auf Raten. Zudem gab es Kamenz – neben der Daimler-Batteriefabrik – auch schon einmal eine eigene Zellproduktion, die allerdings aus Kostengründen eingestellt wurde. Zudem würde es in Sachsen auch unmittelbare Abnehmer für Antriebsbatterien geben: BMW baut mit dem i3 und dem i5 in Leipzig Elektro- und Hybridwagen, während VW in Dresden (eGolf) und Zwickau (ID-Reihe) die E-Auto-Produktion ankurbelt. Die Wirtschaftsförderer im Freistaat spekulieren zudem darauf, dass die Ansiedlung einer Batteriezell-Großfabrik das nächste IPCEI-Vorhaben ähnlich der Bosch-Chipfabrik in Dresden  sein könnte. Für solch ein Projekt von überwiegendem europäischen Interesse (IPCEI) müssten die normalen Sunventions-Obergrenzen der EU nicht eingehalten werden, der Staat könnte solche Investitionen mit bis zu 30 Prozent der Gesamtsumme bezuschussen.

Autor: Heiko Weckbrodt