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Deutsche Indie-Verlage gründen genossenschaftlichen Buchladen in Dresden

Barbara Miklaw (Mirabilis Verlag), Sigrid Kraft und Tobias Fahnauer (Fahnauer-Verlag), Petra Sprenger (Opernmouth), Jens Korch (Edition Wannenbuch), Frank Elstner (Palisander-Verlag), Natascha Sturm (Neissufer-Verlag) und Katharina Salomo (Dresdner Buchverlag/Salomo Publishing) zeigen in der neuen Buchhandlung "Shakespeares Enkel" an der Weimarischen Straße in Dresden ihre Werke. Foto: Heiko Weckbrodt

Barbara Miklaw (Mirabilis Verlag), Sigrid Kraft und Tobias Fahnauer (Fahnauer-Verlag), Petra Sprenger (Opernmouth), Jens Korch (Edition Wannenbuch), Frank Elstner (Palisander-Verlag), Natascha Sturm (Neissufer-Verlag) und Katharina Salomo (Dresdner Buchverlag/Salomo Publishing) zeigen in der neuen Buchhandlung “Shakespeares Enkel” an der Weimarischen Straße in Dresden ihre Werke.
Foto: Heiko Weckbrodt

Badewannen-Bücher, Oper-Kurzerklärer und andere bibliophile Perlen sollen nicht länger neben Bestsellern untergehen

Dresden, 23. August 2018. 33 unabhängige Verlage aus Sachsen und ganz Deutschland testen in Dresden neue genossenschaftliche Absatzwege für ihr Bücher. Vier von ihnen haben mit „Shakespeares Enkel“ eine gemeinsame Verlags-Buchhandlung gegründet, die fortan alle zusammen betreiben sowie mit ihren Büchern und Veranstaltungen bestücken wollen. „Damit verwirklichen wir einen lang gehegten Traum zahlreicher Verleger“, sagte Mit-Gründerin Katharina Salomo, die den Dresdner Buchverlag leitet.

„Publikum tendiert wieder zum lokalen Einkaufen“

Denn die traditionellen Buchhandlungen führen die Produkte der meisten Kleinverlage entweder überhaupt nicht oder verkaufen sie nur auf Nachfrage. Und wenn es diese Bücher doch in die Regale schaffen, dann gehen sie meiste neben den Bestsellern unter. „Viele unabhängige Verlage verkaufen ihre Bücher deshalb online oder auf Messen“, sagt Katharina Salomo. „Aber das Publikum tendiert inzwischen wieder zum lokalen Einkaufen, die Leser wollen in eine Buchhandlung, in der sie beraten werden und in der sie erleben können.“

Quartett mit 33 unabhängigen Verlagen im Rücken betreibt „Shakespeares Enkel“

Statt ewig über die Ungerechtigkeiten in der Buchbranche zu lamentieren, haben die Indie-Verleger eine – nach eigenen Angaben – bundesweit einzigartige Eigeninitiative entwickelt: Dafür haben sich Salomo sowie Nadine Reuter vom Lysandra-Books-Verlag aus Dresden und Leipzig, Holger Kliemannel von der Edition „Roter Drache“ aus dem thüringischen Remda-Teichel und Björn Bedey vom Acabus-Verlag Hamburg zu einer GbR zusammengetan. „Ursprünglich wollten wir gleich eine Genossenschaft gründen, das hat sich aber als zu teuer erwiesen“, sagte Salomo.

Jeder gibt was in den Topf und steht mal an der Kasse

Der genossenschaftliche Grundgedanke ist aber nicht untergegangen: Das Ladengeschäft haben die Eltern der Autorin Sigrid Kraft besorgt, im Laden werden die Verleger selbst stehen. Letztere werden auch die Abendveranstaltungen organisieren, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Außerdem geben die 33 Partner-Verlage – 19 davon stammen aus Sachsen – jeden Monat zehn bis 25 Euro in die Gemeinschaftskasse, um die laufenden Kosten der 60 Quadratmeter großen Buchhandlung an der Weimarischen Straße in Dresden zu decken.

Von Fantasy bis Historienroman

Die macht jetzt schon einen sehr gemütlichen Eindruck und ist mit rund 500 Titeln aller Mitglieds-Verlage bestückt sind. Dazu gehören Fantasy-Literatur, Science-Fiction, historische Romane, Lyrik, aber auch Kinder- und Hör-Bücher. Erster Öffnungstag ist der 25. August 2018. In der Anfangszeit danach öffnen „Shakespeares Enkel“ immer von Mittwoch bis Sonnabend, jeweils 15 bis 19 Uhr. In der nächsten Stufe wollen sie von „Shakespeares Enkel“ aus auch einen gemeinsamen Online-Laden starten und später eventuell auch die Öffnungszeiten erweitern.

„Das muss gezeigt werden!“

Ob all dies auf Anhieb ein großer kommerzieller Erfolg wird, weiß auch Mitinitiatorin Salomo nicht sicher zu sagen. Sie sieht die gemeinsame Buchhandlung aber als wichtiges Experiment, als Aushängeschild für die kleinen Verlage und einen Ort, an dem sie Lesungen und andere Veranstaltungen ausrichten können. Den Versuch sei es auf jeden Fall wert, sagt sie mit Emphase: Die Indie-Verlagslandschaft in Sachsen und ganz Deutschland bibliophile Perlen zu bieten, die in der Öffentlichkeit zu zeigen gelten: „Wir haben hier Verlage, die die Handlung von Opern in kleinen illustrierten Büchern erklären, die Badewannen-Bücher für Erwachsene herausgeben oder die sich mit Indianern und Kampfkunst beschäftigen – all das ist sehr interessant, das muss raus, das muss gezeigt werden!“

Eröffnungsfest

Zur Eröffnung von „Shakespeares Enkel“ am 25. August 2018 haben die Indie-Verleger ein Fest von 11 bis 21 Uhr in und vor der Weimarer Straße 7 in Dresden vorbereitet. Ab 11 Uhr reist Illustrator Thomas Zahn mit den Besuchern durch die Welt der Buchstaben und Geheimschriften.

  • 13 Uhr lädt Stadtführer Jürgen Naumann zu einer Tour durch die Leipziger Vorstadt ein.
  • 15 Uhr liest Verlegerin Natascha Sturm aus ihrem Kinderbuch „Tatys kleine Kräuterfibel“.
  • 16 Uhr liest Steffen Ille aus Tucholskys Satire-Werken.
  • 19 Uhr lesen Francis Mohr und Willi Hetze, musikalisch begleitet vom Gitarristen David Sick, aus ihren Kurzgeschichten.

Autor: Heiko Weckbrodt

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Am Ende bleibt vom Verlag zu wenig, um davon zu leben