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Gewerkschaften erzwingen per Gericht Zugang zu Globalfoundries

Wegen des hohen Automatisierungsgrades wirkt der Globalfoundries-Reinraum nicht so wuselig wie andere Chipfabriken. Hier ein Blick auf die Lithografie, in der die Chipstrukturen auf den Wafern belichtet werden. Foto: Karin Raths, Globalfoundries Dresden

Blick in die Lithografie-Abteilung von Globalfoundries Dresden. Foto: Karin Raths, Globalfoundries Dresden

IG BCE: Chipkonzern wollte uns in Dresden von Betriebsratswahl ausschließen

Dresden, 21. März 2018. Die Beziehungen zwischen dem US-Halbleiterkonzern Globalfoundries (GF) und den Gewerkschaften in Sachsen ähneln traditionell dem derzeitigen Wetter vor den Toren der GF-Chipfabrik in Dresden: Sie gelten als eher kühl. Und seit heute sind sie regelrecht frostig, zumindest aus Sicht der Arbeitnehmer-Vertreter. Bald könnten gar Streiks drohen. Auslöser der jüngsten Eskalation: Weil Geschäftsführer Gerald Voigt von der „Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie“ (IG BCE) für Dresden-Chemnitz den Eindruck hatte, dass ihn die Unternehmensleitung von den Betriebsratswahlen ausschließen wollte, hat er sich heute Vormittag den Zugang ins Dresdner Chipwerk von GF gerichtlich erzwungen.

GF weist Vorwurf der Behinderung zurück

Die Fabrikleitung beteuerte inzwischen, man habe die Arbeit der Gewerkschaften keineswegs boykottieren wollen. „Wir weisen den Vorwurf der Behinderung ausdrücklich zurück“, betonte der Dresdner GF-Sprecher Jens Drews. „Wir wollen sicherstellen, dass der Wahlkampf für die Betriebsratswahlen 2018 fair und die Wahl selbst ordnungsgemäß abläuft. Globalfoundries respektiert die Rechte aller gesetzlich anerkannten Arbeitnehmerorganisationen. Wir haben der IG BCE auch diesmal den Besuch bei Globalfoundries zugesichert.“

Kritik vom DGB

Das erzählt Voigt etwas anders: Erst habe ihm die Fabrikleitung zugesagt, an den Wahlversammlungen am gestern und morgen teilnehmen zu dürfen, dann habe sie – unter Verweis auf eine Neutralitätspflicht – ihn plötzlich von der Zugangsliste wieder gestrichen. Daraufhin zog die IGBCE vors Arbeitsgericht Dresden – und erwirkte dort laut eigenen Angaben eine einstweilige Verfügung, die Voigt die Teilnahme an den ersten beiden Wahlversammlungen in der Chipfabrik ermöglichte. Auch Regionsgeschäftsführer André Schnabel von der Regionsgeschäftsstelle „Dresden-Oberes Elbtal“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) kritisierte GF Dresden ob dieser Querelen scharf: Die Unternehmensleitung ziehe „gerade alle Register, um die Kolleginnen und Kollegen der IG BCE zu be- und verhindern“.

Gewerkschaften drängen auf Tarifbindung im Chipwerk

Die Gewerkschafter, die lange kaum einen Fuß in die Tür bei dem US-stämmigen Chipunternehmen bekamen, sind nun auf Arbeitskampf gebürstet: „Es ist einfach skandalös, dass ein Unternehmen mit 3500 Beschäftigten, dass so viele Fördermittel vom Staat bekommen hat, immer noch nicht tarifgebunden ist“, kritisierte Voigt. Er kündigte daher an, als nächstes die Fabrikleitung an den Tarifverhandlungstisch zwingen zu wollen. „Wir werden die Arbeitgeberseite auffordern, in Tarifverhandlungen einzusteigen“, sagte er auf Oiger-Anfrage. Wenn gutes Zureden nicht wirke, werde man notfalls Warnstreiks ansetzen. Inhaltlich werde man unter anderem darauf dringen, die Arbeitszeiten in der Chipfabrik zu verkürzen.

Streit um Arbeitszeiten absehbar

Ob solche Wünsche auf große Begeisterung in der Fabrikleitung stoßen, bleibt abzuwarten: Die Sachsen hatten dem Chipkonzern AMD, der die heutige GF-Fabrik in den 1990er Jahren ursprünglich gebaut hatte, die Ansiedlung damals unter anderem mit Sonderreglungen bei den Arbeitszeiten schmackhaft gemacht. Allerdings hat sich die Situation am Arbeitsmarkt inzwischen auch deutlich verändert: Konnte AMD seinerzeit noch aus dem Pool ehemaliger DDR-Mikroelektroniker reichlich schöpfen, herrscht heute Fachkräftemangel.

Autor: Heiko Weckbrodt

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