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Fraunhofer-Verkehrsinstitut IVI expandiert in Dresden

Außenaufnahme der 30 Meter langen Autotram. Abb.: IVI

Außenaufnahme der über 30 Meter langen Autotram. Abb.: IVI

Nach EAS-Auszug wollen Verkehrsforscher weitere Millionen an der Zeunerstraße investieren

Dresden, 25. Januar 2018. Wenn der Fraunhofer-Institutsteil für die Entwicklung Adaptiver Systeme (EAS) in rund zwei Jahren in einen Neubau an der Münchner Straße umzieht, wird dies auch am alten EAS-Standort an der Zeunerstraße weitere Millionen-Investitionen nach sich ziehen. Das benachbarte Fraunhofer- Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) wird dann nämlich in die EAS-Altbauten expandieren. Das hat IVI-Chef Prof. Matthias Klingner angekündigt. In den nächsten fünf Jahren soll sein Institut dadurch von derzeit 120 auf dann 170 bis 180 Mitarbeiter wachsen.

IVI-Leiter Dr. Matthias Klingner mit der Test Hybridbus-Teststrecke im Hintergrund, die wie eine "8" in den Hang geschnitten und dann wieder begrünt wurde. Foto: Heiko Weckbrodt

IVI-Leiter Dr. Matthias Klingner mit der Test Hybridbus-Teststrecke im Hintergrund, die wie eine “8” in den Hang geschnitten und dann wieder begrünt wurde. Foto: Heiko Weckbrodt

Neue Büros und Labore geplant

„Wir sind sehr froh, dass das EAS seinen Neubau bekommt, denn unser Institut boomt“, sagte Prof. Klingner auf Oiger-Anfrage. „Ich brauche dringend neue Leute, Arbeitsplätze und Labore.“ Das Verkehrsinstitut werde daher voraussichtlich ab 2020/21 einen mindestens einstelligen Millionenbetrag investieren, um die DDR-Altbauten, in die sich IVI und EAS bisher hineinteilen, zu modernisieren und umzubauen. Die Investition will er teilweise aus eigenerwirtschafteten Mitteln des Instituts bezahlen, hofft aber auch auf Unterstützung durch den Freistaat Sachsen und die Fraunhofer-Gesellschaft (FHG).

„Wir platzen aus allen Nähten“

„Wir platzen aus allen Nähten“, ergänzte IVI-Sprecherin Elke Sähn. Bereits jetzt sei das IVI bis Ende 2019 ausgelastet, habe aber kaum genug Platz für neue Spezialisten. So müssen wegen der aktuellen Platznot momentan einige Instituts-Mitarbeiter im Keller arbeiten. Diese Kellerbüros sollen ab 2020 in Labore umgewandelt und die Ingenieure dafür oberirdische Büros erhalten.

Die Visualisierung zeigt die technologische Innenansicht der "Autotram Extra Grand". Abb.: Fraunhofer IVI

Die Visualisierung zeigt die technologische Innenansicht der “Autotram Extra Grand”. Abb.: Fraunhofer IVI

China scharf auf Autotram-Technologien aus Sachsen

Hintergrund dieser hohen Auslastung sind zahlreiche Entwicklungsaufträge gemeinsam mit regionalen und mit internationalen Unternehmen. Sie sind die Ernte einer langen Vorlaufforschung der Verkehrswissenschaftler. So hatten die IVI-Ingenieure beispielsweise jahrelang am superlangen Bus „Autotram“ gebaut und konstruiert. Die „Autotram“ selbst ging zwar nie in Serie. Aber die Lenkregelung, die Entwurfsprinzipien für überlange Fahrzeuge und viele andere dafür entwickelten Technologien sind nun weltweit gefragt. Besonders aus China sei die Nachfrage nach Autotram-Technologien groß, sagte Klingner. „Und auch wenn wir diese Projekte in China haben: Wir achten immer darauf, dass davon auch die deutsche Industrie einen Nutzen hat“, betonte er mit Blick auf die deutschen Steuergelder, die ins IVI geflossen sind. Mehrere Partner aus dere Bundesrepublik seien mit an Bord, darunter ein Dresdner Unternehmen.

Autonomes Fahren und Schnellade-Systeme für Elektro-Lkws

Weitere IVI-Projekte widmen sich dem vernetzten hochautomatisierten und autonomen Auto-Fahren. Das soll in Dresden im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsmitteln und mit intelligenten Verkehrssteuerungs-Systemen getestet werden. Großes Interesse hätten Industriepartner aber auch an den Schnelllade-Systemen, die das Institut in Dresden für Elektrobusse entwickelt hatte, sagte Klingner. „Und da geht es nicht nur um Busse, sondern auch um Nutzfahrzeuge, um elektrische Lkws.“

Rechts das 1960 errichtete Akademiegebäude, links der einem Greyhound-Bus nachempfundene Neubau. Foto: Heiko Weckbrodt

Rechts das 1960 errichtete Akademiegebäude, links der einem Greyhound-Bus nachempfundene Technikum-Neubau. Foto: Heiko Weckbrodt

Das IVI im Kurzporträt

Das IVI war 1992 aus dem Zentralinstitut für Kybernetik und Informationsprozesse der Akademie der Wissenschaften der DDR hervorgegangen, hatte zunächst aber nur den Status einer Fraunhofer-Außenstelle. 1999 entstand daraus das heutige Institut. 2013 baute das IVI an: Ein Testoval für Elektrobusse und überlange Fahrzeuge sowie ein Technikum entstanden auf dem Areal zwischen der Zeunerstraße und der Sächsischen Landes- und Uni-Bibliothek SLUB. Das IVI beschäftigt derzeit rund 120 Mitarbeiter und forscht mit einem Jahresbudget von etwa zwölf Millionen Euro. Je ein Drittel dieser Summe speisen sich aus einer Grundfinanzierung, weiteren eingeworbenen öffentlichen Mitteln und Industrieeinnahmen.

Autor: Heiko Weckbrodt

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