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Auffaltbare Bildschirme für Handys nahen

Blick ins Plastic-Logioc-Labor. Foto: Plastic Logic

Blick ins Plastic-Logioc-Labor. Foto: Plastic Logic

Dresdner Novaled und Plastic Logic stellen voll organisches, faltbares Organik-Display vor

Dresden/Cambridge, 7. Februar 2014: Organische Leuchtdioden (OLEDs) sind zwar von Natur aus biegsam, doch um daraus Bildschirme für Computertelefone und Fernseher zu machen, setzen die großen asiatischen Hersteller wie Samsung und LG weiterhin auf Ansteuerelektronik aus starrem Silizium. Die Dresdner Firma “Novaled” und Plastic Logic (PL) aus Cambridge haben nun erste Muster eines voll organischen – und damit frei biegsamen – OLED-Bildschirms vorgestellt. Letztlich soll diese Technologie zum Beispiel Computertelefone ermöglichen, deren Bildschirme man bis zur Größe eines A4-Blattes auffalten kann.

Noch mindestens drei Jahre Forschungsarbeit

Jan Blochwitz-Nimoth. Abb.: Novaled

Jan Blochwitz-Nimoth. Abb.: Novaled

„Bis diese Technologie marktreif ist, werden allerdings noch mindestens drei Jahre vergehen“, betonte Novaled-Technikchef Jan Blochwitz-Nimoth. Zu lösen seien noch Probleme mit der Lebensdauer, Stabilität und Fertigungstechnologie für die neuen Bildschirme. Als mögliche erste Einsatzfelder denken die Sachsen und Briten zunächst vor allem an flexible Displays an Kleiderärmeln, die zum Beispiel empfangene E-Mails oder den Puls von Laufsportlern anzeigen könnten.

Organik-Displays drehen bisher nur Minikugeln

Um voll organische, flexible und aktiv angesteuerte Displays (Active Matrix OLEDs = AMOLEDs) zu erzeugen, hatte Novaled seine als besonders effektiv geltenden OLED-Techniken beigesteuert, PL seine auf biegsamem Kunststoff basierende Steuerelektronik, wie sie im Dresdner PL-Werk hergestellt wird. Das britisch-stämmige Unternehmen hatte mit dieser organischen Steuerelektronik zwar auch schon in der Vergangenheit biegsame Bildschirme gefertigt.

Flexible Bildschirme in ePapier-Technik (Video: PL):

Diese basierten aber auf drehbaren elektro-mechanischen Kügelchen, wie sie als „elektronisches Papier“ auch in eBuch-Lesegeräten (eReader) verwendet werden. OLEDs dagegen können deutlich bessere, hochaufgelöste, farbechte und fernsehbild-ähnliche Videos und Fotos darstellen, ermöglichen gleichzeitig auch sehr dünne Bauweisen und sind sehr stromsparend. Deshalb werden OLEDs (allerdings bisher noch mit einer starren Glasplatte im Hintergrund) zum Beispiel auch in vielen neueren Samsung-Smartphones verwendet.

Organikchips müssen erst schneller werden

Allerdings gilt organische Steuerelektronik, wie sie PL herstellt, als spürbar langsamer als Silizium-Chips, wie sie etwa in TFT-Fernsehern und -Monitoren verwendet werden. PL ist es inzwischen immerhin gelungen, Videos auf seinem elektronischen Papier – also noch ohne OLEDs – recht flüssig abzuspielen (etwa zehn Bilder je Sekunde). Um die Filme in Farbe zu zeigen, mussten allerdings Filter vorgeschaltet werden, die viel Licht schlucken und den Kontrast verschlechtern.

Technologie im Grundsatz auch videotauglich

Könnte man nun die Kügelchen durch OLEDs ersetzen, würden diese Nachteile wegfallen. Für marktreife Bildschirme müssten jedoch die organischen Transistoren von PL noch besser und schneller werden. Blochwitz-Nimoth zeigte sich indes überzeugt, dass die Technologie das Tempo für flüssige Videos letztlich hergeben wird. Die Verbindung zwischen organischen Chips und OLEDs zu biegsamen, „echt organischen“ Bildschirmen sei jedenfalls das Zukunftsthema in der Branche: „Da geht der Zug hin“, ist der Novaled-Technikchef überzeugt. Autor: Heiko Weckbrodt

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