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Die Welt hat 13,8 Milliarden Jahre auf dem Buckel

Tätä: Das Universum. Die vom Planck-Teleskop erstellte Karte visualisiert auch die energetisch kalte (blau) und hei0en (rot) Regionen des Alls. Abb.: ESA

Tätä: Das Universum. Die vom Planck-Teleskop erstellte Karte visualisiert auch die energetisch kalte (blau) und hei0en (rot) Regionen des Alls. Abb.: ESA

Neue Planck-Landkarte des Universums: All ist älter und wankelmütiger als gedacht

Kosmos, 21. März 2013: Unser Universum ist 13,8 Milliarden Jahre alt – und damit etwas älter als bisher gedacht. Außerdem spielen in ihm Zufälle, die Strukturen wie unser Sonnensystem überhaupt erst möglich machten, eine größere Rolle als angenommen. Das geht aus einer Landkarte des Alls hervor, die das europäische Weltraumteleskop „Planck“ nun abgeliefert hat und die nun von ESA und NASA vorgestellt wurde.

Geburtsfoto des Raums wirft neue Fragen auf

Das Planck-Raumteleskop. Abb.: ESA

Das Planck-Raumteleskop. Abb.: ESA

Viele Astronomen und Physiker sind über dieses Geburtsfoto des Universums ganz aus dem Häuschen, können sie anhand der neuen Planck-Landkarte doch nun in bisher unerreichter Präzision ihre kosmologische Theorien über die Entstehung und Zukunft des Alls überprüfen. „Einerseits passt unser Basismodell anscheinend gut zu den Beobachtungen, andererseits sehen wir hier einige seltsame Eigenschaften des Alls, die uns dazu nötigen, unsere fundamentalen Annahmen noch einmal zu überdenken“, erklärte beispielsweise Forscher Jan Tauber, der bei der europäischen Weltraumbehörde ESA das Planck-Projekt wissenschaftlich betreut.

Normales Licht war nach Urknall in heißer Suppe eingeschlossen

Die ESA hatte das Weltraum-Teleskop im Jahr 2009 ins All geschossen. Aus dem Orbit suchte Planck dann in allen Richtungen nach Mikrowellen-Hintergrundstrahlung (hier eine für uns hörbare Übertragung dieses Echos) aus der Kinderstube des Alls. Diese entstand „nur“ 380.000 Jahre nach dem Urknall, als das uns sichtbare Licht noch in einer 2700 Grad heißen Ursuppe aus interagierenden Protonen, Elektronen und Photonen eingeschlossen war. Insofern sind diese Mikrowellen ein besonders altes Fotoecho aus ferner Vergangenheit.

All hat seine „Tropen“ und seine „Arktis“

Die nun aus den Daten erstellte Kosmoskarte hat unter anderem gezeigt, in welch hohem Maße sich Energie und Materie alles andere als gleichmäßig verteilt haben: Zu sehen sind sowohl ganz heiße wie auch ganz kalte Regionen des Alls, das sich mit einer Rate von etwa 67,15 (plusminus 1,5) Kilometern je Sekunde pro drei Millionen Lichtjahre Raum ausdehnt.

Unsere Materie macht keine fünf Prozent im Kosmos aus

Das Mikrowellen-Rauschen aus der Kinderstube des Kosmos, hier für menschliche Ohren "übersetzt". Abb.: hw

Das Mikrowellen-Rauschen aus der Kinderstube des Kosmos, hier für menschliche Ohren “übersetzt”. Abb.: hw

In ihm macht laut der neuen Planck-Karte normale Materie – aus der auch wir und unsere Erde bestehen – nur 4,9 Prozent der gesamten Materie-Energie-Menge in der Welt aus. Die mysteriöse dunkle Materie hingegen, die nur an ihren Wirkungen auf die Raumzeit erkennbar, aber nicht sichtbar ist, hat einen Anteil von 26,8 Prozent. Der große Rest entfällt auf normale und dunkle Energie.

Für Astrophysiker und Kosmologen beginnt damit aber erst die eigentliche Arbeit: Sie müssen nun ihre bisherigen Theorien anhand der jetzt vorliegenden Beobachtungen überprüfen – und werden uns in den kommenden Jahren vielleicht mit ganz neuen Ideen über Art, Geburt und Zukunft des Alls überraschen. Heiko Weckbrodt

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