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Sachsen, Böhmen und Schlesier kooperieren beim Wissenstransfer in die Wirtschaft

Am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf beschäftigen sich Biologen, Chemiker, Physiker und Mediziner mit der Erforschung und Behandlung von Krebskrankheiten. Sie forschen an radioaktiven Substanzen und Medikamenten, entwickeln bildgebende Verfahren weiter und untersuchen neue Möglichkeiten hochpräziser Bestrahlungstechniken sowie neuartige Strahlungsarten wie laserbeschleunigte Protonenstrahlen. Foto. HZDR/Oliver Killig

Foto. HZDR/Oliver Killig

Maschinenbauer der TUD koordinieren „Trans3Net“-Netzwerk

Dresden/Breslau/Usti, 27. April 2018. Um Forschungsergebnisse auch grenzüberschreitend in wirtschaftliche Erfolge zu verwandeln, vernetzen sich derzeit die dafür zuständigen Transfer-Experten in Sachsen, Schlesien und Böhmen. Auf einer interaktiven Internet-Landkarte unter der Adresse map.trans3net.eu können Forscher und Unternehmer inzwischen bereits 70 Anlaufstellen finden, die wissenschaftliche Resultate in die Wirtschaft transferieren.

Unis sollen interessante Forschungsergebnisse in internationales Portal einspeisen

„In Zukunft wollen wir dieses Online-Portal so ausbauen, dass dort jede beteiligte Uni etwa 30 interessante Forschungsergebnisse einträgt, die für eine praktische Anwendung in Frage kommen“, erklärte Projekt-Ko-Betreuerin Melanie Giebel vom „CIMTT-Zentrum für Produktionstechnik und Organisation“ der Technischen Universität Dresden (TUD). Über dieses Portal können sich dann Unternehmen und Unternehmensberater aus dem Netzwerk die für sie passenden Projekte herauspicken.

1,5 Millionen Euro Förderung von der EU

Das Projekt dahinter nennt sich „Trans3Net“, ist auf drei Jahre bis Juni 2019 angelegt und bekommt dafür rund 1,5 Millionen Euro von der EU. Weitere 320.000 Euro steuern die neun Projektpartner bei. Die Federführung hat das erwähnte CIMTT. Dieses Zentrum hatte die TUD-Fakultät für Maschinenwesen 1991 gegründet, um ihre Forschungsergebnisse schneller in die Praxis zu transferieren.

Die Projektregion von Trans3Net umfasst Niederschlesien, Sachsen und Nordböhmen. Abb.: Trans3Net

Die Projektregion von Trans3Net umfasst Niederschlesien, Sachsen und Nordböhmen. Abb.: Trans3Net

Vielen kleinen Firmen fehlt ein Innovationsradar

„Oft sind die Hürden für viele Unternehmen einfach zu hoch, um an neueste Forschungsergebnisse heranzukommen“, berichtet Melanie Giebel über die Erfahrungen, die das CIMTT und die anderen Projektpartner über die Jahre hinweg immer wieder gemacht haben. Dies treffe vor allem auf kleine Firmen zu, die weder Leute noch Geld übrig haben, um die Wissenschaftsszene in ihrer Stadt oder gar darüber hinaus im Auge zu behalten. Dies sei im Übrigen nicht nur ein Problem in Sachsen, sondern auch in Nordböhmen und Niederschlesien.

Mehr Kooperation auch zwischen Schlesien und Böhmen

Eben dies soll das grenzüberschreitende Netzwerk ändern, das die „Trans3Net“-Partner bis Mitte 2019 weiter verdichten wollen. Erste Erfolge gibt es auch schon zu vermelden: Bei den multilateralen Treffen zeigte sich, dass zwar bereits einige sächsische Institutionen mit tschechischen oder mit polnischen Kollegen kooperierten, aber es kaum Kontakte zwischen Böhmen und Schlesien gab. „Womöglich war das ein Mentalitätsproblem“, mutmaßt Melanie Giebel. „Durch unser Projekt arbeiten nun jedenfalls auch die tschechischen und polnischen Partner enger zusammen.“

Schlesien arbeitet sich vor

Und eine engere Kooperation kann eigentlich nur allen Seiten nutzen – auch dies ist eine Erfahrung aus den bisherigen Treffen. Denn die Forschungsspezialitäten und Transfererfolge der Technischen Unis Breslau, Dresden und Usti sowie die wirtschaftliche Leistungskraft drei beteiligten Regionen seien doch sehr unterschiedlich, heißt es in einem Trans3Net“-Strategiepapier. Insbesondere Schlesien wachse wirtschaftlich derzeit stark, vor allem im informationstechnologischen (IT) Sektor. Einige schlesische Gegenden sind inzwischen wirtschaftsstärker als Sachsen. Vom Raum Breslau erwarten die Projektpartner daher in nächster Zeit eine besonders hohe Nachfrage für Innovationen. Die statistisch besten Chancen, solche Innovationen hervorzubringen, hat wiederum Sachsen: Hier machen Forscher und Entwickler etwa 1,4 Prozent aller Beschäftigten im öffentlichen wie privaten Sektor aus. Im Raum Usti liegt diese Quote hingegen nur bei 0,2, in Niederschlesien bei 0,8.

Netzwerk soll Selbstläufer werden

Die „Trans3Net“-Initiatoren hoffen, durch das wachsende Netzwerk aus Transfer-Vermittlern diese Unterschiede auch ein wenig ausgleichen zu können. „Unser Ziel ist es jedenfalls, dass dieses Netzwerk auch nach dem Projektende Mitte 2019 weiter funktioniert und wächst“, betonte Melanie Giebel.

Autor: Heiko Weckbrodt

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