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Biosaxony will ein Innovationscluster für digitale Medizintechnik formen

Geschäftsführer André Hofmann vom sächsischen Biotechnologie-Branchenverband „Biosaxony“ . Foto: Biosaxony

Geschäftsführer André Hofmann vom sächsischen Biotechnologie-Branchenverband „Biosaxony“ . Foto: Biosaxony

Fokus auf „Smart Medical Devices“ soll Branche schlagkräftiger machen – und Antworten auf den demografischen Wandel liefern

Dresden, 23. April 2018. Sachsens Medizintechnik-Branche kann schlagkräftiger und international sichtbarer werden, wenn sie sich auf Kernstärken fokussiert und mit anderen starken Branchen im Freistaat enger kooperiert. Das hat Geschäftsführer André Hofmann vom sächsischen Biotechnologie-Branchenverband „Biosaxony“ eingeschätzt. Gute Chancen sieht er dabei in einer Spezialisierung auf digitale und vernetzte Medizintechnik – sogenannte „Smart Medical Devices“ (SMD).

Cluster-Geld beim Wirtschaftsministerium beantragt

Deshalb hat der Verband nun beim sächsischen Wirtschaftsministerium Fördergeld für ein neues Innovationscluster „Smart Medical Devices and Therapies“ beantragt. „In diesem Cluster wollen wir die Stärken der sächsischen Medizintechnik-Branche herausarbeiten und in wirtschaftliche Erfolge ummünzen“, betonte Hofmann. Denn angesichts der Überalterung der Gesellschaft sowie der Personalengpässe in Krankenhäusern und Heimen wird der Ruf nach einer effizienteren, personalisierten Medizintechnik lauter. Insofern könnten innovative digitale Produkte, die solch ein SMD-Cluster hervorbringen soll, sowohl Arbeitsplätze generieren wie auch Antworten auf den demografischen Wandel liefern. Jährlich soll dieses Cluster mit einer Million Euro ausgestattet sein, wobei die Hälfte davon als Zuschuss vom Freistaat beantragt ist.

Heilende Hightech-Verbände

„Denken Sie an Verbände, die Wunden aktiv heilen und den Heilfortschritt automatisch überwachen. Oder an die Zettelwirtschaft in vielen Krankenhäusern: Durch moderne digitale Lösungen kann man dort viel Zeit einsparen und die Pflegekräfte von Routinearbeiten entlasten“, nennt der Biosaxony-Chef einige Beispiele für Smart Medical Devices. „Den Schwestern bleibt dann mehr Zeit für die Patienten.“

Spitzenmedizin in den Großstädten

Dabei ist der digitale Wundverband gar nicht mehr so weit weg von der Praxis: Dresdner Experten für organische Elektronik arbeiten bereits an solchen Sensor-Verbänden. Auch große Schnittmengen mit der starken Mikroelektronik-Industrie im Raum Dresden-Freiberg wären zu erwarten, wenn sich mehr künftig mehr Ausgründungen auf digitale und vernetzte Medizintechnik spezialisieren, prognostiziert Hofmann. „Und auf der Anwenderseite verfügt Sachsen über Zentren der Spitzenmedizin zum Beispiel in Dresden, Leipzig und Chemnitz“, betonte er „Aus all diesen Ressourcen kann die sächsische Medizintechnik schöpfen.“

Spezieller Risikokapital-Fonds für Biotech und Medizintechnik gefragt

Der Mangel an investitionsfreudigen Risikokapitalisten sei allerdings weiterhin ein ernstes Manko für den Standort, sagt der Biosaxony-Geschäftsführer: Viele junge Medizintechnik-Unternehmen, die sich beispielsweise aus Hochschulen und außeruniversitären Instituten ausgründen, haben nach einer erfolgreichen Startphase ernste Finanzierungsprobleme und wachsen deshalb nur noch langsam. „Wir brauchen unbedingt einen eigenen Risikokapital-Fonds speziell für Biotech und Medizintechnik. Am besten mit Investoren, die nicht nur Geld mitbringen, sondern auch einschlägige Branchenkontakte.“

Tino Hoffmann und Dirk Willkommen bei einer Sichtkontrolle von Dialysatoren bei B.Braun in Radeberg. Foto: B.BraunTino Hoffmann und Dirk Willkommen bei einer Sichtkontrolle von Dialysatoren bei B.Braun in Radeberg. Foto: B.Braun

Tino Hoffmann und Dirk Willkommen bei einer Sichtkontrolle von Dialysatoren bei B.Braun in Radeberg. Foto: B.Braun

168 Medizintech-Unternehmen in Sachsen

Insgesamt gibt es in Sachsen laut einer Biosaxony-Analyse aus dem Jahr 2015 insgesamt 168 Unternehmen und zahlreiche Forschungseinrichtungen, die sich mit Medizintechnik beschäftigen. Neuere Zahlen sollen morgen vorgestellt werden. „Die Medizintechnikbranche in Sachsen wird von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dominiert“, heißt es in der Analyse. „Nahezu 60 Prozent der sächsischen Firmen besaßen weniger als 30 Mitarbeiter.“ Nur elf der Medizintechnik-Unternehmen, die an dieser Analyse teilnahmen, hatten zu diesem Zeitpunkt mehr als 100 Beschäftigte. Zu den Flaggschiffen gehören beispielsweise wie „BBraun Avitum“ und „Fresenius“. Mit etwas mehr Risikokapital im Freistaat, so hofft man im Branchenverband, könnte sich diese Flotte zugkräftiger Vorzeige-Unternehmen in Zukunft merklich vergrößern.

Autor: Heiko Weckbrodt

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