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Vom Schüler lernen heißt siegen lernen

Die Scoolio-Gründer Martin Hey und Danny Roller zeigen ihre Schüler-App. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Scoolio-Gründer Martin Hey und Danny Roller zeigen ihre Schüler-App. Foto: Heiko Weckbrodt

Über 30 000 Jugendliche in und außerhalb Deutschlands organisieren ihren Schulalltag mit der Dresdner App „Scoolio“

Dresden, 20. März 2018. Vom modernen Schüler verlangen die Lehrer einiges Organisationstalent – vor allem ab dem Zeitpunkt, an dem er oder sie das „Upgrade“ in die Oberstufe geschafft haben: Statt starrer Stundenpläne wie früher ist heute Selbstorganisation angesagt, sind Leistungskurse zu wählen und zeitlich abzustimmen und vieles mehr. Um all dies zu vereinfachen, haben sächsische Studenten in der Dresdner Neustadt im Juni 2016 die Firma „Scoolio“ gegründet und eine gleichnamige App programmiert. Mit diesem Smartphone-Programm können die Schüler Stundenpläne abstimmen, ihren Notendurchschnitt sowie offene Hausaufgaben im Auge behalten und im Klassen-Chat Nachrichten austauschen.

Über 30.000 aktive Nutzer

„Wir haben die App gemeinsam mit Schülern entwickelt“, betonte Scoolio-Mitgründer Danny Roller. „Wir haben dabei immer darauf geachtet, was sie als wirklich nützlich empfinden.“ Der App-Name selbst leite sich von den englischen Worten für Schule (School) und abgebrüht (cool) ab. Und anscheinend hat das siebenköpfige Team den Nerv der Schülerschaft getroffen: 130 000 Mal wurde die Dresdner App bisher heruntergeladen. Davon nutzen etwa 30 000 bis 40 000 Schüler aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg die App auch wirklich aktiv, schätzen die Scoolio-Macher.

Mit der Soolio-App können Schüler beispielsweise Stundenpläne für wechselnde Wochen anlegen. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit der Soolio-App können Schüler beispielsweise Stundenpläne für wechselnde Wochen anlegen. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick in die App

Die gute Resonanz im gesamten deutschsprachigen Raum mag auch daran liegen, dass die App sehr leicht und intuitiv einzurichten und zu bedienen ist, wie wir uns selbst überzeugen konnten: Beim ersten Start öffnen sich Erklärbildschirme für jedes Funktionsfenster von ,Stundenplan erstellen’ bis ,Chatpartner in meiner Schule und Klasse automatisch finden’.

Die Jüngeren wollen kleine Communities

Und: Die Programmierer haben auf die Nutzer gehört: „Wir hatten uns zum Beispiel die Funktion ,offene Aufgaben’ ursprünglich wie eine klassische To-Do-Liste für Erwachsene vorgestellt, die sich erst leert, wenn die Aufgaben wirklich abgearbeitet sind,“ erzählt Roller. „Aber die Schüler haben uns klar gemacht, dass es für keinen Sinn hat, wenn sie an bereits überfällige Hausaufgaben, die sie sowieso nicht mehr abgeben können, noch ewig erinnert werden. Und so haben wir das geändert.“ Auch die Chat-Funktion sei keine Konkurrenz zu WhatsApp oder Facebook: Die Schüler vernetzen sich innerhalb der App meist nur über den Klassenverband oder die Schule. „Die Jüngeren wollen ohnehin lieber kleine Communities zum Chatten“, sagt der Scoolio-Geschäftsführer.

Am Anfang war das Hansaufgabenheft

Die digitale Organisations-App wurzelte übrigens ursprünglich ganz und gar in der analogen, in der Papier-Welt. Der junge Wirtschaftswissenschaftler Roller und weitere Absolventen der TU Dresden wollten die Schul- und Studienplanung vereinfachen. Sie gründeten 2010 die Firma Adscads. Und die brachte ein modernes, aber eben papierenes Gratis-Hausaufgabenheft auf dem Markt. Dieser den „Futureplan“ erscheint inzwischen in einer Auflage von einer knappen halben Million Exemplaren. Parallel dazu hatten der Wirtschaftsinformatiker Martin Hay von der Berufsakademie Glauchau zusammen mit gleichgesinnten die Firma „Develappers“ 2013 gegründet, die auf Auftrags-Softwareentwicklung spezialisiert ist. Drei Jahre später fanden beide Teams zusammen und kreierten in Dresden das gemeinsame Unternehmen „Scoolio“, das gewissermaßen den „Futurplan“ in die digitale App-Welt hob.

Werbefinanzierte App, VC-finanziertes Unternehmen

Dessen Konzept überzeugte auch den Technologiegründer-Fonds Sachsen (TGFS), die Beteiligungstochter SIB der Sparkasse in Dresden und weitere renommierte Risikokapitalgeber (VC). Sie pumpten eine sechsstellige Summe in die junge Firma. Und die ist inzwischen auch aus der Verlustzone heraus, plant nun auch die internationale Expansion. Einnahmen generiert „Scoolio“ vor allem durch Nachwuchskräfte-, Berufs- und Studienwerbung, die in der gleichnamigen App erscheint. „Den Unternehmen eröffnen wir damit einen sehr unmittelbaren Zugang zur Zielgruppe“, sagt Roller. „Gleichzeitig achten wir aber darauf, dass die besondere Schutzbedürftigkeit unsere jungen Nutzer geachtet wird.“. Zum Beispiel erlaube Scoolio keine Werbung, die mit Vertragsabschlüssen gekoppelt ist.

Für eine erfolgreiche App-Firma muss man nicht nach Berlin

Indem die Gründer all ihre Firmen – Scoolio, Adscads und Develappers – in Dresden konzentrierten, wollten sie auch ein Fanal setzen: „Wir wollen zeigen, dass man nicht unbedingt nach Berlin ziehen muss, um erfolgreiche App-Unternehmen zu gründen“, betont Roller. „Auch hier kann man etwas auf die Beine stellen, das den Alltag der Schüler verändert und vereinfacht.“

Autor: Heiko Weckbrodt

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