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Wird die elektromobile Zukunft werbefinanziert?

Tarik Mian (l.) und Sebastian Schramm wollen unter der Marke "LoyalGo" ein Netz aus werbefinanzierten Ladesäulen für Elektroautos aufbauen. Derzeit feilen sie im Mobilitäts-Inkubator der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden am Geschäftskonzept. Foto: Heiko Weckbrodt

Tarik Mian (l.) und Sebastian Schramm wollen unter der Marke „LoyalGo“ ein Netz aus werbefinanzierten Ladesäulen für Elektroautos aufbauen. Derzeit feilen sie im Mobilitäts-Inkubator der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden am Geschäftskonzept. Foto: Heiko Weckbrodt

Dortmunder Duo „loyalGo“ arbeitet in Dresden an Bonus-Ladesäulen für Elektroautos

Dresden, 17. Januatr 2018. In Vergleich zu Skandinavien oder China gilt Deutschland als elektromobiles Entwicklungsland: Während in Norwegen der Elektro-Golf aus Dresden inzwischen die Spitze der Neuzulassungen anführt, sind E-Autos auf bundesdeutschen Straßen nur in homöopathischen Dosen zu finden. Die eine Million Elektroautos, die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Jahr 2009 im „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung“ als Ziel für das Jahr 2020 ausgegeben hatte, sind eine Utopie geblieben. In einer Umfrage des Lehrstuhls für Kommunikationswirtschaft der TU Dresden vor zwei Jahren gaben die meisten Befragten an, das zu dünne Netz aus Ladesäulen sei ein Haupthindernis, sich ein Elektroauto anzuschaffen. Ein Studentenduo aus Dortmund ist nun nach Dresden gekommen, um dieses Problem deutschlandweit zu mindern: Unter der Marke „LoyalGo“ feilen Sebastian Schramm (30 Jahre) und Tarik Mian (31 Jahre) im Inkubator der Gläsernen VW-Manufaktur an werbefinanzierten Elektro-Tankstellen. In diesem Jahr wollen sie eine Firma gründen und die ersten Säulen aufstellen.

Analog-digitales Hybridsystem für alle

Das Konzept dabei: Die Händler und Wirte einer Einkaufsstraße finanzieren gemeinsam eine Ladesäule. Fährt ein Elektromobilist vor, bekommt er nach dem Ladestart auf einem Bildschirm die Werbung für Geschäfte und Cafés in der Umgebung angezeigt – samt Gutscheinen, zum Beispiel für Gratis-Getränke. Den kann er oder sie dann per Smartphone einlösen. Und wer solch neumodischen Kram verschmäht, kann mit Pappkarten arbeiten, deren aufgedruckte QR-Codes in den beteiligten Läden einlesbar sind. „Das gehört zu den Vorteilen unseres Systems: Es kann jeder mitmachen – auch Ältere ohne Smartphone“,. betont Mian.

Gratis-Kaffee für den Elektromobilisten, solvente Kundschaft für den Wirt

„Die Idee dabei ist natürlich, dass es nicht bei dem einen Gratis-Kaffee bleibt, sondern der Elektromobilist mehr trinkt und kauft“, sagt er. Immerhin dauere es eine halbe bis eine ganze Stunde, ein Elektroauto nachzuladen. Das ist viel Zeit zum Konsumieren. Zudem gelten die meisten E-Auto-Besitzer als „gut situiert“, ergänzt Schramm. Gewinnen könne in diesem Modell jeder: Die Elektromobilisten kassieren den Gratis-Kaffee, die Gewerbetreibenden gewinnen finanzstarke Klienten als Lauf- oder gar Stammkundschaft. LoyalGo selbst verdiene durch Grundgebühren für das Bonussystem und durch den Verkauf von Werbeplätzen auf der Säule mit. Und die Deutschland bekomme dadurch ein dichteres Stromlade-Netz – ergo mehr Anreize für Mobilisten, auf „elektrisch“ umzusteigen.

Wurzeln in der Partei der Äpfel

Die Wurzeln dieses Konzepts reichen bis in die Uni-Zeit der beiden Gründer zurück, bis zu einer in Sachsen eher unbekannten fruchtigen Studentenpartei. Schramm war nämlich an der Uni Dortmund als Vertreter der selbstgegründeten „Apfelpartei“ in den Studentenrat gewählt worden. Als Sozialreferent baute er dort für Studienanfänger ein – zunächst noch ganz analoges – Gutscheinsystem auf. Das bescherte den Erstsemestern verbilligte Pizzen und Waffeln und den Läden am Campus dafür neue Stammkunden. Parallel dazu konzipierte er in seiner Abschlussarbeit eine mobile Ladestation für Elektroautos, Tarik Mian wiederum war der Experte für Apps. Beide entdeckten bei einem Treffen im Fitnessstudio, dass sie tagsüber im selben Hörsaal saßen – und ähnliche Interessen hatten: „Wir sind beide Elektro- und Informationstechniker und wir brennen beide für die Elektromobilität“, sagt Schramm. Und so beschlossen sie, all ihre Ideen zu einem System zusammenzuführen.

Duo erwägt Firmengründung in Dresden

Nach Dresden kam das Duo, um im Mobilitäts-Inkubator von VW aus diesen Ideen ein tragfähiges Geschäftskonzept zu machen. „Die Zeit im Inkubator ist Gold wert“, sagt Schramm. Inzwischen haben die beiden Techniker auch Ladesäulen-Hersteller für ihr System gefunden. „Wir haben viel gelernt und Kontakte zu vielen Akteuren hier aufgebaut.“ Daher überlegen Schramm und Mian nun ernsthaft, ihre Firma in Sachsen zu gründen und nicht in Dortmund. Schramm: „Dresden ist eine tolle Stadt zum Arbeiten und zum Leben.“

Autor: Heiko Weckbrodt

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