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Freihandels-Pakt von EU und Vietnam ab 2018

"Onkel Ho" mag immer noch omnipräsent sein - wie hier in Ho-Chi-Minh-Stadt alias Saigon - , doch Vietnam öffnet sich immer mehr dem Westen. Und viele Vietnamesen haben ganz speziell Deutschland entweder besucht oder dort gearbeitet. Foto: Heiko Weckbrodt

„Onkel Ho“ mag immer noch omnipräsent sein – wie hier in Ho-Chi-Minh-Stadt alias Saigon – , doch Vietnam öffnet sich immer mehr dem Westen. Foto: Heiko Weckbrodt

Abkommen steht kurz vor Abschluss

Brüssel/Hanoi/Berlin, 3. Dezember 2017. Das Freihandels-Abkommen EVFTA zwischen der EU und Vietnam wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Jahres 2018 in Kraft treten. Die Regierung in Hanoi verspricht sich davon mehr Investitionen in Vietnam, will aber auch die Export-Chancen zum Beispiel der vietnamesischen Seafood-Industrie und anderer Wirtschaftszweige gen Europa verbessern. Für die Europäer wiederum und speziell auch Deutschland würde dies einen besseren Zugang zum Wachstumsmarkt Vietnam bedeuten.

EU forciert nach US-Ausstieg Einzelpartnerschaften

Hintergrund: Kurz nach Beginn seiner Amtszeit hatte der protektionistische US-Präsident Donald Trump (Republikaner) das bereits weitgehend ausverhandelte transpazifische Freihandelsabkommen TPP mit Vietnam, Singapur, Japan, Malaysia und weiteren Staaten abgesagt. Daraufhin hatte die EU Einzel-Freihandelsabkommen mit mehreren asiatischen Staaten forciert. Außerdem haben die meisten anderen Vertragspartner inzwischen beschlossen, TPP auch ohne die USA abzuschließen.

Beziehungen Berlin-Hanoi abgekühlt

Lange Zeit galten die deutsch-vietnamesischen Beziehungen als vorbildlich. Die Bundesrepublik hat die „strategische Partnerschaft“ in diesem Jahr jedoch auf Eis gelegt, nachdem mutmaßlich der vietnamesische Geheimdienst den früheren Funktionär Trinh Xuan Thanh auf offener Straße in Berlin entführt und nach Vietnam gebracht haben soll. Die Vietnamesen werfen ihm Korruption vor – ihm könnte damit sogar die Todesstrafe drohen.

Jährlich über 7 % Wachstum

Die vietnamesische Wirtschaft ist noch teilweise staatlich, in wachsendem Maße aber privat strukturiert. Wichtige Exportgüter sind Öl,  Textilien, Schuhe, Reis, Kaffee und Meeresfrüchte. Auf dem Binnenmarkt spielt außerdem der Tourismus eine wachsende wirtschaftliche Rolle. Die kommunistische Führung setzt auf einen leicht gebremsten Modernisierungskurs, hat daher auch starkes Interesse am Import von Maschinen, Hightech-Know-How und generell an ausländischen Investitionen. In diesem Jahr wird die vietnamesische Wirtschaft voraussichtlich um über sieben Prozent wachsen.

Freizügigkeit könnte Engpässe in deutschen Pflegediensten mindern

Im Übrigen wäre EVFTA nicht nur für außenhandelstreibende Unternehmen ein Fortschritt: Einige Vietnamesen hoffen im Zuge des Freihandelsabkommens auf mehr Freizügigkeit bei der Visa- und Arbeitserlaubnis-Vergabe in Deutschland. Wie Pilotprojekte in Sachsen gezeigt haben, könnten dabei beide Seiten gewinnen: Deutsche Krankenhäuser und Sniorenheime können ihren Bedarf an Pflegekräften kaum decken. Für viele Vietnamesen wiederum würde dies die Chance auf einen gutbezahlten Arbeitsplatz bedeuten – abgesehen davon, dass eine deutsche Ausbildung in Vietnam einen guten Ruf hat, Rückkehrer also dann in der Heimat bessere Job-Chancen hätten. hw

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