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Computerwelt schwappt in die „Realität“ zurück

Jakob Volkmer führt vor, wie die "Minecraft 4D"-Hütte zum Beispiel Hitze, Sand und Regen aus der virtuellen Klötzschen-Welt von Minecraft auf den Spieler im Stuhl zurückprojiziert. Foto: Heiko Weckbrodt

Jakob Volkmer führt vor, wie die „Minecraft 4D“-Hütte zum Beispiel Hitze, Sand und Regen aus der virtuellen Klötzschen-Welt von Minecraft auf den Spieler im Stuhl zurückprojiziert. Foto: Heiko Weckbrodt

„Minecraft 4D“ und weitere prämierte Installationen beim Medienfestival Dresden

Dresden, 11. November 2017. Was wäre, wenn Computerspiele die vielzitierte Interaktion plötzlich wörtlich nehmen würden? Also nicht nur auf die Eingaben des Spielers reagieren und sie in der virtuellen Realität, sondern auch in der (mutmaßlich) realen Realität manifestieren würden? Eben dieses Gedankenspiel haben die Teenager Paul Richard und Jakob Volkmer aus dem bayrischen Buchenberg in ihrer Installation „Minecraft 4d“ umgesetzt und dafür nun einen MB21-Preis beim Medienfestival Dresden gewonnen: „Wir haben das Spiel Minecraft um eine weitere Dimension ergänzt: die Interaktivität“, erzählt der 16-jährige Jakob Volkmer. „Wenn der Spieler in ,Minecraft’ in eine Wüste geht, bekommt er Hitze und Sandstürme zu spüren, wenn es regnet, dann fühlt er das auf seiner Haut.“

Interaktiver Minecraft-Stuhl mit Rotlicht und Mini-Sandsturm

Möglich macht dies eine Kabine, zu der man paradoxerweise nur mit analogen Fertigkeiten Zugang bekommt. Ein selbstgebastelter Papierwürfel im Stile der virtuellen Würfel, aus der die riesige Minecraft-Welt aufgebaut ist, dient als Eintrittskarte. Drinnen setzt sich der Abenteurer in einem interaktiven Steampunk-Stuhl vor einer Leinwand: Mit Händen und Füßen steuert der Spieler einerseits eine virtuelle Minecraft-Figur auf der Leinwand, andererseits heizt ihm eine Rotlicht-Wärmelampe von der Seite ein, wenn er in ein heißes Level gerät. Spitzen schicken Regen und Sand auf die Haut – das sieht nicht nur ziemlich abgefahren aus, sondern verdeutlicht auch mit fast allen Sinnen die manchmal so dünne Grenze zwischen den Welten. Die MB21-Jury belobigte Paul Richard und Jakob Volkmer dafür mit dem ersten Preis in der Altersklasse der elf- bis 15-jährigen Projekteinreicher.

Auszug aus dem minimalistischen "Project David". Foto: Heiko Weckbrodt

Auszug aus dem minimalistischen „Project David“. Foto: Heiko Weckbrodt

Projekt David: Die NSA mit falschen Fährten weich klopfen

Die heiß-interaktive Hütte ist indes nur eine von rund 50 Exponaten, Installationen und Mitmachstationen, die derzeit zum Medienfestival Dresden zu sehen sind. Nicht alle sind auf den ersten Blick so spektakulär wie das Minecraft-Experiment, einige offenbaren ihre Raffinesse erst auf den weiten Blick – wie zum Beispiel das „Projekt David“ von Clemens Schöll aus Leipzig. Der 23-Jährige umreißt dabei künstlerisch einen Ausweg aus einem alten digitalen Dilemma: Zwar kann man seine E-Mails mit PGP verschlüsseln, allen Internetverkehr über eine virtuelle Sandbox abwickeln und allerlei Schutzschilde gegen neugierige Schnüffler aufbauen. Aber machen gerade diese Vorkehrungen nicht erst die NSA & Co. auf uns aufmerksam?

Das Dresdner Medienkünstlerkollektiv „kazoosh!“ hat zum Medienfestival die Großinstallation „MusicismyRadar“ aufgebaut. Über Knöpfe, Kurbeln und Hebel können die Besucher im Team Musiktracks mischen und so zusammen musizieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Je mehr sich zusammentun, umso besser ist der Selbstschutz

Der Ausweg, auf den der Leipziger weist: Wenn sich genügend Menschen und Maschinen zusammentun und immer neue falsche Daten-Fährten auslegen, werden aus Datenflüssen letztlich unkontrollierbare Datensturzfluten. Gefallen hat der Jury auch die simple Präsentation von „Projekt David“ mit nur einem DOS-artigen Display und einer Eingabestation. „Die minimalistisch gehaltene Installation bleibt dem für Verschlüsselung entscheidenden Medium treu – dem Text“, heißt es in der Laudatio für den Sonderpreis zum Festival-Jahresthema „Big Dada“, den Clemens Schöll erhält. „Je mehr Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen und auch dazu beitragen, Informationen zu verschlüsseln, desto besser kann der Selbstschutz gelingen. Auf diesen Umstand macht Project David sehr gut aufmerksam.“

Diese und viele weitere Exponate können noch am Sonntag in den Technischen Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1, besichtigt und ausprobiert werden. Der Eintritt kostet fünf Euro. Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren zahlen zwei Euro.

In der Installation Cosmotic übersetzt die Technik die Lebenszeichen des Helmträgers in eine erweiterte Realität. Foto: Heiko Weckbrodt

In der Installation Cosmotic übersetzt die Technik die Lebenszeichen des Helmträgers in eine erweiterte Realität. Foto: Heiko Weckbrodt

Erstplatzierten im MB21-Wettbewerb:

(nach Altersklassen und Kategorien)

Vorschule:

„Hexe Pimpernelle“ (Awo-Kita Waldknuffel Makranstädt)

Der "Bügelperlenplattenspieler“ von Quinn Lemnitzer aus Leipzig basiert auf einem Legoroboter. Er übersetzt die bunten Perler, die der Nutzer zu Schallplatten formt, mit einem Farbsensor in Töne und Musik Foto: Heiko Weckbrodt

Der „Bügelperlenplattenspieler“ von Quinn Lemnitzer aus Leipzig basiert auf einem Legoroboter. Er übersetzt die bunten Perler, die der Nutzer zu Schallplatten formt, mit einem Farbsensor in Töne und Musik
Foto: Heiko Weckbrodt

7 – 10 Jahre:

„Bügelperlenplattenspieler“ (Quinn Lemnitzer, Leipzig)

11 – 15 Jahre:

„Minecraft 4D“ (Paul Richard und Jakob Volkmer, Buchenberg)

16 – 20 Jahre:

„justdisabled“ (Frenze Huth, Torgelow)

21 – 25 Jahre:

“Smart Mirror” (FHS Münster)

Sonderpreis zum Jahresthema „Big Dada“:

Clemens Schöll, Leipzig

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