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Navis lotsen Autofahrer bald genau zu „ihrem“ freien Parkplatz

Aufklebbare Sensoren sollen es möglich machen, Autofahrer bis direkt zu ihrem freien Parkplatz zu lotsen. Foto: Smart City Systems

Aufklebbare Sensoren sollen es möglich machen, Autofahrer bis direkt zu ihrem freien Parkplatz zu lotsen. Foto: Smart City Systems

„Smart City System“ plant Pilotprojekt mit Parkplatz-Sensoren in Dresden

Dresden/Nürnberg, 13. September 2017. In naher Zukunft können sich Autofahrer schon während der Fahrt zum Ziel bis auf den Dezimeter genau freie Parkplätze anzeigen lassen, ja sogar gleich einen persönlichen Stellplatz etwa in einem Parkhaus reservieren. Das Navi lotst sie dann auch zu eben diesem Parkplatz hin. Und die Dresdner werden zu den ersten gehören, die diesen Mosaikstein für die intelligente Stadt („Smart City“) von morgen ausprobieren können: Das Nürnberger Unternehmen „Smart City System GmbH“ will nämlich die Basistechnologien dafür in einem Feldversuch unter dem Titel „Parking Pilot“ in der sächsischen Landeshauptstadt erproben.

Im Zusammenspiel von aufklebbaren Sensoren auf Parkplätzen, Cloud-Rechner und Smartphone-Apps will die Smart City System GmbH die Parkplatzsuche für Autofahrer drastisch verkürzen - und damit den Innenstadtverkehr reduzieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Im Zusammenspiel von aufklebbaren Sensoren auf Parkplätzen, Cloud-Rechner und Smartphone-Apps will die Smart City System GmbH die Parkplatzsuche für Autofahrer drastisch verkürzen – und damit den Innenstadtverkehr reduzieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Feldversuch soll noch 2017 starten

„Wir sind bereits in Gesprächen mit der Stadtverwaltung, welche Flächen dafür in Frage kommen“, erklärte „Smart City System“-Chef Thorge Harms. „Wir bekommen dabei auch viel Unterstützung von VW.“ Das junge Unternehmen gehört zu dem halben Dutzend Auserwählten, die der Wolfsburger Konzern in seinem neuen Start-Up-Inkubator in der Gläsernen Manufaktur Dresden aufpäppelt. Angesichts dieser Hilfe ist Harms zuversichtlich, das Dresdner Pilotprojekt noch im Jahr 2017 starten zu können.

Christian Schlenk von der Smart City System GmbH. Foto: Heiko Weckbrodt

Christian Schlenk von der Smart City System GmbH. Foto: Heiko Weckbrodt

Fast ein Drittel des City-Verkehrs entsteht durch Parkplatzsuche

Zwar gibt es Parkplatz-Anzeigen schon seit Jahren. Die leuchtenden Zahlen auf den großen Tafeln im Stadtgebiet sind aber meist nur summarische Schätzwerte – und helfen dem einzelnen Autofahrer nur wenig bei der individuellen Parkplatzsuche. Studien haben inzwischen erheben, dass eben diese Parkplatzsuche für 30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs verantwortlich ist – und dies bedeutet zusätzliche Kosten, Luftverschmutzung und Zeitverschwendung. Im Schnitt koste eine Parkplatzsuche den einzelnen Autofahrer etwa 20 bis 30 Minuten Zeit und 1,34 Euro Spritkosten, zitiert Christian Schlenk von der Smart City System GmbH aus einschlägigen Studien.

Die Visualisierung zeigt, wie die Radarsensoren an den Straßenlaternen die Parkplätze am Straßenrand ausleuchtet. Die Informationen, ob eine Stellfläche besetzt ist oder nicht, senden die Sensoren dann an eine Verkehrsleitzentrale. Laut Siemens lernen die Sensoren mit der Zeit auch typische Bewegungsmuster zu interpretieren - sollen also gewissermaßen dann erahnen können, ob ein Parkplatz bald frei oder besetzt wird. Visualisierung: Siemens

Die Visualisierung zeigt, wie sich Siemens die Parkplatzsuche der Zukunft vorstellt: Radarsensoren an den Straßenlaternen leuchten in diesem Szenario die Parkplätze am Straßenrand aus. Die Informationen, ob eine Stellfläche besetzt ist oder nicht, senden die Sensoren dann an eine Verkehrsleitzentrale. Laut Siemens lernen die Sensoren mit der Zeit auch typische Bewegungsmuster zu interpretieren – sollen also gewissermaßen dann erahnen können, ob ein Parkplatz bald frei oder besetzt wird. Visualisierung: Siemens

Sinkende Preise und Stromverbrauch machen massenhaften Sensor-Einsatz auf Straßen möglich

Unternehmen wie Bosch, Siemens und eben Smart City System arbeiten daher nun an Konzepten, um mit Sensorhilfe den Innenstadtverkehr mittels intelligenter Parkplatz-Hilfen drastisch zu verringern. Dabei machen sie sich zunutze, dass Sensoren und Mikroelektronik für solche Lösungen inzwischen nur noch wenige Euro oder gar nur Cent-Beträge kosten, außerdem nur noch so wenig Strom brauchen, dass sie mit Solarzellen oder Batterien jahrelang autonom funktionieren.

Supermärkte können Dauerpark-Sünder aufspüren

Die Nürnberger setzen dabei auf ein Sensorpaket, das kaum größer als ein Eierkuchen und ähnlich flach ist. Der Betreiber muss dann auf jeden Stellplatz solche einen Sensor aufkleben und der meldet fortan an Cloud-Rechner, ob über ihm ein Auto steht und wie lange schon. Und die Cloud verteilt diese Informationen dann an Betreiber, aber auch an die Smartphones und Navi-Systeme der Nutzer weiter. Mit dafür programmierten Apps sind dann zum Beispiel auch Parkplatz-Reservierungen und eben eine präzise Navigation bis zum gewünschten Stellplatz möglich. „Schon nach einem Jahr amortisiert sich unser Sensor für den Kunden“, verspricht Christian Schlenk. Denn die Betreiber von Parkplätzen und -häusern können dadurch auch ihre Stellflächen besser auslasten. Und mit dem selben System sollen zum Beispiel Supermärkte überwachen können, wo Dauerparker illegal die ihre für Kunden reservierten Kurzparkplätze belegen.

Autor: Heiko Weckbrodt

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