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Supratrans: Sachsens Traum vom Schweben am Ende

Die Supratrans-Schwebebahn auf der Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Foto: evico

Die Supratrans-Schwebebahn auf der Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Foto: evico

Supraleitender Prototyp wird in Dresden abgebaut und nach Karlsruhe verlagert

Dresden, 6. September 2017. Die hochfliegenden Hoffnungen auf eine supraleitenden schwebenden Hightech-Straßenbahn in Dresden sind beerdigt: Die 80 Meter lange Teststrecke mit Schienen und der Prototyp „Supratrans“ werden in Niedersedlitz demontiert und in Karlsruhe wieder aufgebaut, um dort weiterentwickelt zu werden. Das hat heute das bisher federführende Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW) mitgeteilt.

IFW: Innen-Erprobung abgeschlossen

„Nach sechs Jahren intensiver Betriebs- und Entwicklungszeit ist die Erprobungsphase des Innenbetriebs weitgehend abgeschlossen“, hieß es vom IFW. „Die darauf aufbauenden nächsten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden auf der spezifischen Weiterentwicklung des Gesamtsystems für den praktischen Dauerbetrieb fokussieren.“

Die Hintergründe:

Weiter Weg zur Praxisreife

Erstens hat sich der Weg zur Marktreife supraleitender Fahrzeugtechnik als viel weiter als gedacht erwiesen. So muss der Supratrans-Prototyp immer noch aufwendig mit flüssigem Stickstoff befüllt werden, um ihn auf die Sprungtemperatur zu bringen, ab der seine extrem starken Elektromagnete Strom widerstandslos leiten. Für denEntwicklungs-Betrieb war dies noch eine akzeptable Lösung. Für eine Straßenbahn, die in der Praxis auf Supraleitmagneten durch die Stadt schweben soll, wären hingegen elektrische Kühlungen ähnlich wie in einem Kühlschrank nötig. Diese Kühltechnik soll nun das Institut für Technische Physik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in einem gemeinsamen Projekt mit den Dresdnern fertigentwickeln.

Macht auch gern mal Faxen, wenn er Kindern die Physik hinter der Supraleitung erklärt: Prof. Ludwig Schultz. Foto: Heiko Weckbrodt

Prof. Ludwig Schultz gilt als Vater des Supratrans-Projektes, das er auch oft Kindern im rahmen des Juniordoktor-Programms vorführte. Foto: Heiko Weckbrodt

Schwerpunkt-Wechsel im IFW

Zweitens hat das ursprünglich in dieser Technologie führende IFW in Dresden nach langem Hin und Her in der Leitungsebene die Forschungen an der innovativen Supraleit-Energiespartechnik auf Sparflamme heruntergeregelt. Dessen früherer Direktor Prof. Ludwig Schultz hatte sich noch sehr stark für eine Pilot-Straßenbahnlinie auf Supraleit-Basis zur Messe Dresden eingesetzt. Zeitweise stand auch eine Suptraleit-Pilotstrecke im Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) zur Debatte. Beide Projekte wurden aber nie umgesetzt. Und für die neue Linie zur Messe Dresden setzten die Dresdner Verkehrsbetriebe auf eine klassische Straßenbahnverbindung.

Supraleit-Fahrbahn auf der kleinen Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Die Supratrans II schwebt einige Zentimeter über den Supraleiterbahnen. Abb.: Evico

Supraleit-Fahrbahn auf der kleinen Teststrecke in Dresden-Niedersedlitz. Die Supratrans II schwebt einige Zentimeter über den Supraleiterbahnen. Abb.: Evico

Prestige-Projekt gelangte nie über Teststrecke hinaus

Die Supratrans-Teststrecke galt lange als Vorzeigeprojekt für den Innovationsgeist in Sachsen. Sie war weitgehend mit in Dresden entwickelten Materialien und Technologien im Jahr 2011 in einer ehemaligen Sachenwerk-Halle in Dresden-Niedersedlitz gebaut worden. Die supraleitenden Kabel dafür hatte die IFW-Ausgründung „Evico Dresden“ beigesteuert.

Autor: Heiko Weckbrodt

1 Kommentare

  1. Das ist ja alles schön und gut, jedoch ein paar Fehler hat Ihr Beitrag schon. Die Schienenbahn im Boden besteht aus Permanentmagneten, nicht aus Supraleiter. Nur der Fahrkörper hat angesetzte Supraleiter-Boxen, welche das Schweben gewährleisten. Ansonsten ist die Energieübertragung für den Linearantrieb in den Fahrwagen kabellos über Mikrowellen gestaltet.
    Mit bestem Gruß
    B. Sandner

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