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Eruptiv wie ein Vulkan

So spektakulär hat der Romantiker Ludwig Richter Langes "Schreckenstein" an der Elbe vor fast 200 Jahren nicht gesehen. Foto: Peter Weckbrodt

Eberhard von der Erde „Schreckenstein“ an der Elbe. Foto: Peter Weckbrodt

Oiger-Wochenendtipp: Museen in Dippoldiswalde zeigen starke Gemälde von Langer und von der Erde

Dippoldiswalde, 4. August 2017. Dippoldiswalde mag nur eine Kleinstadt sein. Doch das dortige Lohgerbermuseum und das Museum Osterzgebirgsgalerie im Schloss verstehen es immer wieder, sehenswerte Ausstellungen zu organisieren. Expositionen, die selbst den kunstverwöhnten Dresdnern Sehenswertes zeigen. Dazu gehören derzeit Ausstellungen mit Gemälden von Langer und von der Erde.

Osterzgebirgsgalerie schließt Mitte 2018

Die Osterzgebirgsgalerie wird es übrigens ab Jahresmitte 2018 wohl nicht mehr geben. Der Stadtrat habe für diese geradezu einmalig schönen Räume, das erfährt der Oiger so ganz nebenbei, neue Pläne.

Das Schloss Dippoldiswalde beherbergt auch die Osterzgebirgsgalerie. Foto: Peter Weckbrodt

Das Schloss Dippoldiswalde beherbergt auch die Osterzgebirgsgalerie. Foto: Peter Weckbrodt

Prof. Bammes formte den Künstler im Elektrotechniker

Die Sonderausstellung „Gunter Langer – Wir sind doch die Schönsten“ ist einen Besuch wert. Der gelernte und später auch studierte elektrotechnische Fachmann Gunter Langer aus dem erzgebirgischen Clausnitz ist voll auf die Darstellung der Weiblichkeit vorzugsweise im Bild, aber auch in wenigen Skulpturen spezialisiert. Was er uns zeigt, gefällt: Gelernt ist gelernt, sein Lehrmeister war kein Geringerer als der Dresdner Altmeister Prof. Gottfried Bammes! Bei ihm hat er jedenfalls das Zeichnen gelernt, seine erste Ausstellung in Bannewitz, wo Langer jetzt lebt und arbeitet, waren deshalb wohl auch Radierungen. Ab 2007 wagte er sich auch an die Farben heran, der Erfolg blieb nicht aus.

"Kesse" benannte Gunter lLnge diees Bild aus dem Jahre 2012. Foto: Peter Weckbrodt

„Kesse“ benannte Gunter Lange diees Bild aus dem Jahre 2012. Foto: Peter Weckbrodt

Erzgebirge in Aquarellfarben

Daneben zeigt das Lohgerbermuseum derzeit zwei Kabinett-Ausstellungen: Christiane Bruch zeigt ihre Aquarelle aus dem Erzgebirge. Die Sammlung des Dresdners Klinkewitz ist voll auf Kinderaugen orientiert. Wir bewundern alte Kaufmannsläden, Puppenstuben und andere hübsche Spielzeuge.

"Drei Grazien und ich" betitelte der Meister dieses Bild aus dem Jahre 2015. Foto: Peter Weckbrodt

„Drei Grazien und ich“ betitelte Eberhard von der Erde dieses Bild aus dem Jahre 2015. Foto: Peter Weckbrodt

Von der Erdes Affinität gilt Böhmen

Wir verlieren uns aber nicht im Haus, unser eigentliches Interesse gilt der seit dem 29. Juli in der Osterzgebirgsgalerie gezeigten Ausstellung „Böhmenbilder – Eberhard von der Erde“. Der 1945 in Freital Geborene hat die Malerei an der Dresdner Akademie studiert, war ab 1968 Mitglied im Verband der bildenden Künste und wurde frühzeitig freischaffender Künstler. Seine Werke sind anerkannt, sie finden sich in privaten wie in öffentlichen Sammlungen. Wir finden sie im Kupferstichkabinett Dresden in der Gemäldegalerie Neue Meister, in den Sammlungen der Stadt Freital im Schloss Burgk.

"Prag Vysegrad" in Öl von 2015. Foto: Peter Weckbrodt

Eberhard von der Erde: „Prag Vysegrad“ in Öl von 2015. Foto: Peter Weckbrodt

Intensive Bilderwelt: Die Elbe als Magma-Strom

Von der Erde lebt und arbeitet in Dresden. Woher seine unübersehbare Affinität zu den böhmischen Landschaften herrührt, bleibt offen. Schließlich zog es schon die deutschen Romantiker mit unwiderstehlicher Kraft in Böhmens Hain und Flur. Da muss, trotz aller Sünden an der Landschaft im Gefolge der Industrialisierung doch noch einiges von Wert zu finden sein. Tatsächlich können wir uns dem Reiz dieser Schöpfungen aus den letzten zehn bis fünfzehn Jahren nicht entziehen. Keiner sollte auf fotografische Abbildungen hoffen. Wir entdecken die Elbe und den Schreckenstein, aber die Farben suggerieren eher einen Vulkanausbruch. Das strömt die Elbe wie ein Magma-Strom, und der edle Schreckenstein hat mit Ludwig Richters Sichtweise nichts mehr gemein. Das ist schon eher der Ätna in eruptiver Höchstform.

Grelle Töne statt Schmeicheleien

Die Farben sind durchgängig richtig grell, da ist nichts Schmeichelndes, Liebliches mehr in diesen böhmischen Impressionen. Und doch zieht es uns an, gefällt es, regt zur Diskussion drüber an. Wer sich so etwas Exponiertes ins Zimmer hängen will und kann, die Bilder haben einen Preis, mit dem auch einst Querner seine Schöpfungen offerierte.

Autor: Peter Weckbrodt

Das Lohgerbermuseum der Stadt Dippoldiswalde beherbergt ständige Ausstellungen und Sonderausstellungen. Foto: Peter Weckbrodt

Das Lohgerbermuseum der Stadt Dippoldiswalde beherbergt ständige Ausstellungen und Sonderausstellungen. Foto: Peter Weckbrodt

Besucherinformationen

Sonderausstellung „Böhmenbilder Eberhard von der Erde“ vom 29. Juli bis 30. Dezember 2017; Museum Osterzgebirgsgalerie im Schloss, Tel. 03504- 61 24 18, Öffnungszeiten: Do, Frei, Sa und So 13 bis 17 Uhr, Mi 10-16 Uhr; Eintritt: Erw. 2,50 Euro, Erm. 1,50 Euro; Mehr Infos hier

Gunter Langer, Malerei und Grafik, „Wir sind sie Schönsten“, Sonderausstellung bis zum 24. September verlängert; Am 11. August 18 Uhr führt Gunter lange durch seine Ausstellung, Der Rabenauer Künstler und Autor Olaf Stoy liest ab 19 Uhr zwei seiner Erzählungen;

Lohgerber- Stadt- und Kreismuseum, Freiberger Straße 18, 01744 Dippoldiswalde; Tel.: 03504-61 24 18; Öffnungszeiten: März bis Oktober Di-Frei 10 bis 17 Uhr; Eintritt: Erw. 2,50 Euro, Erm. 1,50 Euro. Mehr Infos hier: lohgerbermuseum.de

Anfahrt:

Zum Weiterlesen:

Die Welt des Curt Querner

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