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Ingenieur der Zukunft konstruiert in erweiterter Realität

Ingenieur Marcel Wollmann testet im Dresdner Unternehmen FAB-Bertelmann eine AR-Brille aus, die Maschinenkonstruktionen und andere Objekte dreidimensional in den Raum als "Erweiterte realität" 8Augmented reality = AR) einspiegelt. Foto: Heiko Weckbrodt

Ingenieur Marcel Wollmann testet im Dresdner Unternehmen FAB-Bertelmann eine AR-Brille, die Maschinenkonstruktionen und andere Objekte dreidimensional in den Raum als „Erweiterte Realität“ (Augmented Reality = AR) einspiegelt. Foto: Heiko Weckbrodt

FAB Bertelmann und TU Dresden entwickeln 3D-Projektionstechnologie für den Industrieeinsatz

Dresden, 25. Juli 2017. Mitten im historischen Strehlener Dorfkern steht ein Neubau, eingerückt zwischen beschaulichen Altbauten. Eine Etage in diesem gelben Würfel steckt voller Ingenieure – und genau dort verschwimmen für den Besucher die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt: Ist das nun ein Hologramm oder tatsächlich der lustig fiepende Roboter „R2D2“ aus „Starwars“, der da neben dem Schreibtisch mitten im Raum steht, während von draußen die Julisonne durchs Fenster lugt? Der Gast geht um den kleinen Kerl herum, senkt den Kopf, will den tapferen kleinen Überbringer der Todesstern-Baupläne am liebsten tätscheln – so plastisch wirkt er vor dem staunenden Auge.

„Das ist wie Starwars-Technologie“

Möglich eine 3D-Visualisierungs-Technologie namens „DyConcept“, die wie Science Fiction anmutet, aber durch die Dresdner Ingenieurfirma „FAB Bertelmann Technologie“ gemeinsam mit der TU Dresden für den professionellen Industrieeinsatz entwickelt wurde. Im Vergleich zu einfacher gestrickten Konkurrenzlösungen setzen die Dresdner dabei auf eine besonders hochwertige, holografie-ähnliche Bildqualität und die nicht ganz billigen „Hololens“-Entwickler-Datenbrillen (Stückpreis: rund 3000 Dollar) von Microsoft. „Dresden und die TU haben sich hier wieder einmal als Innovationstreiber erwiesen“, meint FAB-Produktmanager Marcel Wollmann. „Das ist wie Starwars-Technologie. Sie macht Zusammenhänge sichtbar, die vorher so nicht darstellbar waren“, sagt er und ist überzeugt: „Das ist die Zukunft im Ingenierbereich.“

Entwickler-Team über den Erdball verstreut – und doch an einem Tisch

Zwar mutet die Vision von FAB-Gründerin und Maschinenbau-Ingenieurin Kathrin Bertelmann noch etwas futuristisch an, sie mag aber durchaus der nächste logische Evolutionsschritt in einer globalisierten, vernetzten und digitalisierten Welt sein. Und der könnte so aussehen: An zehn verschiedenen Tischen, verteilt über den ganzen Erdball, nehmen Ingenieure, Techniker und Designer einer weltweit verteilten Entwickler-Mannschaft Platz. Sie alle setzen sich Datenbrillen auf, durch die sie sowohl ihre reale Umgebung wie auch – durch Computerhilfe einprojiziert – ihre Kollegen in Sidney, Moskau und Los Angelos sehen. In der „Erweiterten Realität“ dieses virtuellen Labors erscheint auch schon vor ihren Augen wie ein Hologramm ihr „Baby“: das 3D-Modell eines neuen Solar-Kraftwerks, das sie bereits seit Wochen gemeinsam entwerfen. Der Ingenieur aus Australien streckt seine Hand aus, dreht sie – und für alle sichtbar rotiert auch der Energiespeicher, während im Hintergrund der Rechner die Baupläne sofort ändert.

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Auf diese Weise, so sind die Dresdner FAB-Experten überzeugt, lassen sich komplexe Maschinen, Taktstraßen und ganze Fabriken viel intuitiver und schneller als bisher konstruieren. „Und wer diese Technologie beizeiten einsetzt, kann seine Entwicklungszeiten drastisch verkürzen, spart die Kosten für physische Prototypen und Dienstreisen, schont damit also die Umwelt und gewinnt klare Vorteile gegenüber seinen Wettbewerbern“, wirbt der studierte Maschinenbauer und Produktmanager Wollmann für die Visualisierungs-Technologie aus Sachsen.

Fern-Wartung im Irak

Auch als Fernhilfe für Monteure wollen die Dresdner ihr „ DyConcept“ weiterentwickeln : „Wir haben zum Beispiel einen Kunden, der will elektrische Anlagen im Irak warten“, erzählt FAB-Manager Wollmann. „Wir arbeiten an einer Lösung für ihn, bei der er einheimische Mitarbeiter einsetzen kann, die sich per Datenbrille in der Anlage orientieren, Baupläne vorgeführt bekommen und aus der Ferne angeleitet werden.“ Denn die deutschen Kollegen hatten alle abgewunken: „Der Kunde kann angesichts der Sicherheitslage dort einfach keinen seiner eigenen Monteure dazu bewegen, in den Irak zu fliegen.“

FAB Bertelmann im Kurzporträt:

  • Name: FAB Bertelmann Technologie
  • Gegründet: 1994 als Ingenieurdienstleister gegründet
  • Hauptsitz: Dresden-Altstrehlen
  • Profil: Auftrags-Ingenieurdienstleistungen, Ingenieur-Verleih, 3D-Visualisierung
  • Kunden: u. a. Siemens, Airbus
  • Personalstärke: 25 Mitarbeiter, davon acht in Dresden
  • Umsatz: 4,5 Millionen Euro (2016)
  • Mehr Infos im Netz: fa-b.de und dyconcept.de

Autor: Heiko Weckbrodt

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